Zukunftsmanagement aus Walluf: Pero Micic bereitet Firmen vor

Die Zukunft voraussagen kann Micic nicht, aber Unternehmen auf die kommenden Herausforderungen vorbereiten.Foto: DigiAtel/Heibel  Foto: DigiAtel/Heibel

Das Büro der Buchhaltung ist verlassen, die Abrechnungen werden vom Computer übernommen – und wer doch auf die Arbeit muss, setzt sich in ein selbstfahrendes Auto. Auch...

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WALLUF. Das Büro der Buchhaltung ist verlassen, die Abrechnungen werden vom Computer übernommen – und wer doch auf die Arbeit muss, setzt sich in ein selbstfahrendes Auto. Auch Strafzettel lassen sich einfach von Legaltech, einer künstlichen Intelligenz, online prüfen. Dieses Bild entsteht, wenn man Pero Micic, Geschäftsführer der Futuremanagementgroup AG, zuhört. Dabei betont er, er sei kein Zukunftsforscher, sondern betreibe Zukunftsmanagement.

„Niemand kann die Zukunft voraussagen“, sagt Micic. „Wir nutzen das Wissen der Zukunftsforschung, um Unternehmen zu beraten.“ Der 49-Jährige, der seine Firma vor über 25 Jahren während seines BWL-Studiums gegründet hat, geht davon aus, dass sich viele Berufsbilder gänzlich ändern werden. So seien Taxifahrer in zehn bis 20 Jahren durch selbstfahrende Autos bedroht. Auch Produktzulieferer klassischer Fahrzeuge bekämen Probleme, da das Elektroauto, das viel weniger Teile benötige, auf dem Vormarsch sei.

Unternehmen dürften nicht die Augen vor den kommenden Veränderungen verschließen. „Die Bank J.P. Morgan hat geschrieben, dass ein Computer 360 000 Arbeitsstunden von Menschen in wenigen Sekunden erledigen kann“, sagt Micic. „Mitarbeiter in Banken und Versicherungen könnten irgendwann weitestgehend überflüssig werden.“ Technisch sei es schon möglich, die komplette Buchhaltung zu ersetzen – einzig Gewohnheit und Gesetz stünden dem entgegen.

Trotzdem müssten Menschen künftig die Technik kontrollieren und seien Vertrauensträger, wenn es darum gehe, Ergebnisse zu kommunizieren. „Komplexe Sachen will ich von einem Menschen hören, aber ich will, dass er sich dieser Technik bedient“, sagt er. Aufgrund der kommenden Veränderungen in der Berufswelt müsse ernsthaft über das bedingungslose Grundeinkommen nachgedacht werden. Hier gebe es zwei Szenarien: psychisch und gesundheitlich werde es der Bevölkerung besser gehen. Oder viele würden sich auf die faule Haut legen. „Ich glaube an Ersteres.“ Fakt sei, dass die Wirtschaft künftig mit deutlich weniger Menschenarbeit auskomme.

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Großkonzerne täten sich aufgrund ihrer Firmenstruktur schwerer, sich anzupassen als mittelständige Unternehmen. Rewe dagegen nutze die Digitalisierung gut für sich: Kunden könnten online Produkte bestellen und bekämen diese innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters geliefert.

Kurzsichtigkeit, falsche Anreize oder Gewohnheit seien häufig Gründe für Fehlentscheidungen in Unternehmen. Micics Ziel sei es, Firmen für den technischen Fortschritt und die Digitalisierung zu wappnen: „Wenn wir mit einem Unternehmen arbeiten, hat es danach meistens mehr statt weniger Arbeitsplätze.“

Von Sonja Ingerl