Was beim Brunnenbau zu beachten ist

Nach getaner Arbeit: Mike Buka und seine über zwei Tonnen schwere Brunnenbohrmaschine.

Nach dem heißen Sommer ist so mancher Rasen vertrocknet. Bei der Bewässerung gibt es Alternativen zum Leitungswasser. Ob die sich lohnen, hängt von vielen Faktoren ab.

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DARMSTADT/GRIESHEIM. Wo im Frühling noch dichtes Grün wuchs, sind nach dem heißen Sommer in vielen Gärten nur noch kurze, gelblich braune Stoppeln übrig. Das ist kein schöner Anblick und mancher Hausbesitzer fragt sich, ob es nicht andere Möglichkeiten zur Bewässerung gibt statt des teuren Leitungswassers, das man ungern in Massen auf den Rasen bringt. Familie Skenderovic aus Griesheim hat sich dazu entschlossen, ihren Garten künftig mit Brunnenwasser zu versorgen.

Ob sich ein Brunnen lohnt, lässt sich pauschal nicht beantworten und hängt von vielen Faktoren ab - etwa von der Größe des Gartens oder der Art des Brunnens. Die Skenderovics haben sich für einen Bohrbrunnen entschieden. "Die Bohrkosten belaufen sich auf 80 bis 130 Euro pro ausgebrachtem Meter", sagt Mike Buka, Brunnenbauer aus Riedstadt. In 20 Berufsjahren hat er in Südhessen um die 800 Brunnen gebohrt. Die Preisspanne vom Bohren bis zum fertigen Wasserhahn reicht von 2400 bis 3400 Euro, "je nachdem, wie tief der Brunnen ist und ob ich durch festes Gestein bohren muss", erklärt Buka.

Gebohrt wird bis unter die Kiesschicht

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In Riedstadt liegt der Grundwasserspiegel gerade mal bei drei bis fünf Metern und auch in Griesheim ist er mit acht Metern recht hoch. Dennoch musste Buka diesmal fast bis auf 21 Meter bohren. "Damit der Brunnen langlebig ist, gehen wir unter die Kiesschicht und die beginnt hier bei 18 Metern", erklärt der Brunnenbauer. Darüber liegt vor allem Sand - und diesen wolle man schließlich nicht in der Leitung haben. Grundsätzlich könne man in nahezu jedem Ort einen Brunnen legen, Richtung Odenwald sei das Bohren oft beschwerlich. "Aber vor Kurzem habe ich in Seeheim-Jugenheim einen Brunnen bis auf 59 Meter gebohrt", sagt Buka. Der Grundwasserspiegel lag auf 37 Meter. Wer Brunnenwasser nutzt, spart auch Abwassergebühr, "und ein Brunnen hält 30 bis 40 Jahre".

Unerlässlich für den Bau ist die über zwei Tonnen schwere Brunnenbohrmaschine, ein Ungetüm aus Stahl, das der Fachmann in den 90er Jahren für 65 000 Euro gekauft hat und sich auf Ketten fortbewegt. "Damit der Garten seinen Zustand behält, habe ich Blech zum Unterlegen dabei", sagt Buka. Mit einer elektrischen Pumpe wird das Wasser an die Oberfläche befördert. Alle drei bis fünf Jahre empfiehlt Buka eine Filterreinigung. "Das Wasser enthält oft Eisen und Mangan, was sich gerne absetzt", sagt er. Mindestens drei Meter müsse der Brunnen von der Grundstücksgrenze entfernt sein, ansonsten müsse der Nachbar zustimmen. "Ein Brunnen ist nicht genehmigungspflichtig, sondern nur anzeigepflichtig." Ansprechpartner sei die Kommune oder die untere Wasserbehörde. Buka bohrt nicht nur, sondern installiert auch Leitungen, Wasserhahn und Bewässerungssysteme. Bei Letzteren sei die Nachfrage besonders hoch, während die Hausbewohner im Urlaub sind, spritzt sich der Rasen von allein.

Eine weitere Form neben den typischen Bohrbrunnen sind Rammbrunnen, auch Schlagbrunnen genannt. Hier stößt eine elektrische Ramme ein Metallrohr bis auf Grundwassertiefe in den Boden. Das Wasser wird üblicherweise mit einer Handpumpe aus dem Boden befördert, was aber nur bis zu einer Tiefe von sieben Meter möglich ist. Die Anschaffung ist mit mehreren hundert Euro eher günstig, dafür fällt die Fördermenge gering aus und das Metallrohr muss je nach Beanspruchung nach ein paar Jahren ausgewechselt werden.

Eine weitere Alternative zum Leitungswasser kann eine Zisterne sein. Diese gibt es aus Kunststoff oder Beton und können mehrere tausend Liter aufnehmen. Die Preisspanne inklusive Einbau im Boden bewegt sich zwischen 3000 und 5000 Euro. Die Kunststoffmodelle seien leicht und einfach zu handhaben, die Betonzisternen mit drei bis fünf Tonnen Gewicht aber leichter zu versetzen.

"Im Vergleich zum Leitungswasser lohnt sich der Einbau aber nur dann, wenn man mit dem Wasser Toilettenspülung und Waschmaschine betreibt", meint Horst Klein vom gleichnamigen Erd- und Zisternenbau-Unternehmen. Eine Anschaffung nur für die Gartenbewässerung habe sich frühestens nach 30 oder 40 Jahren amortisiert. Außerdem hätten viele Reihen- und Einfamilienhäuser zu wenig Dachfläche, um überhaupt ausreichend Regenwasser zu gewinnen. Und wenn wie in diesem Sommer kaum Regen fällt, helfe auch die Zisterne nichts, "die ist dann nämlich leer". Mit einem Brunnen sei man da möglicherweise besser bedient. Das hat Brunnenbauer Buka gemerkt: "So viele Anfragen wie in diesem Sommer gab es selten."

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Von Anja Ingelmann