Eines der zentralen Zukunftsvorhaben des UKGM ist vorerst auf Eis gelegt: der geplante Gesundheitscampus, in dem niedergelassene Ärzte und UKGM ein breites Behandlungsangebot...

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Marburg. Eines der zentralen Zukunftsvorhaben des UKGM ist vorerst auf Eis gelegt: der geplante Gesundheitscampus, in dem niedergelassene Ärzte und UKGM ein breites Behandlungsangebot hätten bieten sollen.

Vor zwei Jahren hatte das UKGM die Pläne für ein Facharztzentrum auf dem Klinikgelände vorgestellt. Die Idee war, dass eine größ;ere Zahl von Fachärzten auf die Lahnberge umzieht und in dem zu errichtenden Gebäude in einem Diagnostik- und Ambulanzzentrum zusammenarbeitet. Das UKGM wollte dabei als Vermieter auftreten und einen Teil der Infrastruktur stellen – etwa eine spezielle Medizin-IT, die eine reibungslose, fachübergreifende Zusammenarbeit erleichtern sollte.

Das UKGM versprach sich von diesem "Gesundheitscampus" eine Entlastung der eigenen Krankenhaus-Ambulanz. Patienten, die besser von niedergelassenen Haus- und Fachärzten als in teureren Krankenhausambulanzen behandelt werden, sollten vor allem dorthin verwiesen werden.

Gründe sind bislang noch nicht bekannt – vielleicht fehlt eine ausreichende Zahl an Fachärzten?

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Angesichts des steigenden Anteils alter Menschen müsse man mit einem Anstieg von Patienten mit Mehrfacherkrankungen rechnen, hatte UKGM-Chef Dr. Gunther K. Weiß; im Sommer 2016 gesagt. "Um uns dieser Entwicklung zu stellen, streben wir eine verstärkte ambulante Versorgung an, die stationäre wird aber unsere Hauptaufgabe bleiben." Das UKGM-Konzept strebe an, "dass wir durch mehr ambulante Patienten mehr Schwerkranke bekommen, die eine universitätsmedizinische Versorgung benötigen", hatte Weiß; ergänzt. Und der neue Vorstandsvorsitzende des Krankenhauseigners Rhön-AG, Stephan Holzinger, sagte im Sommer 2017, "den Gesundheitscampus gehen wir an." Zuvor hatte er angekündigt, die Pläne noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Vergangene Woche dann teilte die Hessische Landesregierung auf eine Frage der heimischen Landtagsabgeordneten Handan Özgüven (SPD) mit, laut Auskunft des UKGM solle der Bau eines neuen Ambulanz- und Diagnostikzentrums als sogenannter Gesundheitscampus auf den Lahnbergen "nicht umgesetzt" werden. Und UKGM-Sprecher Frank Steibli bestätigte am vergangenen Freitag in einer dürren Erklärung: "Der Bau eines Ambulanz- und Diagnostikzentrums auf den Lahnbergen ist derzeit nicht geplant."

Die Gründe für diese Kehrtwende sind bislang nicht bekannt. Kenner der Materie halten es aber für wahrscheinlich, dass es dem UKGM in den vergangenen Monaten und Jahren nicht gelungen sei, eine ausreichende Anzahl von Fachärzten zur Ansiedlung auf den Lahnbergen zu bewegen – eine Grundvoraussetzung für das Konzept, für das die Rhön-AG einmal rund 40 Millionen Euro an Investitionen kalkuliert hat.

Özgüven bezeichnete es als "sehr irritierend", dass die Öffentlichkeit über diese wesentlichen Planungsänderungen nicht informiert werde. Auf dem Neujahrsempfang des UKGM und des Fachbereichs Medizin war die Aufgabe der Pläne in der Tat kein Thema. Rhön-Vorstandschef Stephan Holzinger hatte lediglich den entstehenden Gesundheitscampus in Bad Neustadt, dem Standort des Rhön-Konzerns, erwähnt und als wegweisend bezeichnet.

Ob mit oder ohne Gesundheitscampus: Die Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung, vom ärztlichen UKGM-Direktor Professor Harald Renz seit dessen Amtsantritt in den Mittelpunkt seiner strategischen Aussagen gestellt, ist jedenfalls in den vergangenen Jahren weiter vorangeschritten. Das wahrscheinlich beste Beispiel ist die Ansiedlung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) in den Räumen des UKGM unmittelbar neben der Notaufnahme. Dr. Andreas Jerrentrup, der stellvertretende Leiter der Notaufnahme am UKGM, zieht eine positive Bilanz der ersten sechs Monate: "Die Verlagerung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes für Erwachsene und Kinder ist aus unserer Sicht für alle ein Gewinn."

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Die UKGM-Notaufnahme könne sich seither verstärkt auf die Behandlung der Patienten konzentrieren, die im Universitätsklinikum stationär versorgt werden müssen. In regelmäß;igen Treffen tauschten sich Notaufnahme und ÄBD aus, sagte Jerrentrup. "Die Zusammenarbeit zwischen Ärztlichem Bereitschaftsdienst und Universitätsklinikum ist ein rundum gelungenes Erfolgsprojekt."

Von Till Conrad