Streit um Patent wird für Nanowired GmbH zur Belastungsprobe

Das Klettwelding-Verfahren kommt auch bei Mikrochips zur Anwendung. Dabei werden die Chips (links) mit dem metallischen Rasen beschichtet und dann aufeinandergepresst (rechts). Foto: Torsten Boor

Das innovative „Klettwelding“-Verfahren des Start-ups weckt Begehrlichkeiten. So kam es nun zu einem Konflikt mit einem Unternehmen, das eigentlich ein neuer Kunde werden sollte.

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GERNSHEIM. Mit der Entwicklung des Klettwelding-Verfahrens ist dem Start-up Nanowired GmbH gelungen, woran auch viele andere forschen: ein Verfahren, um elektrische Bauteile nach dem Prinzip eines Klettverschlusses aufeinanderzupressen und dauerhaft zu verbinden. Das Potenzial dieser Innovation ist groß. In zahlreichen Industriezweigen müssen Teile miteinander dauerhaft verbunden werden. Bislang werden diese Verbindungen oft gelötet. Klettwelding ist jedoch deutlich präziser und länger haltbar.

„Das Übel sitzt auch in Deutschland“

Auf die Entdeckung folgten zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch der renommierte Hermes-Award auf der Industriemesse in Hannover. Auch einige große Kunden im Bereich Elektrotechnik wie Panasonic oder Osram konnte Nanowired gewinnen. Die Aufmerksamkeit wuchs und damit die Begehrlichkeiten an der Technologie. „Jungen Unternehmen wird oft eingeschärft, sich vor asiatischen Unternehmen in Acht zu nehmen“, sagt Geschäftsführer Olav Birlem. „Aber das Übel sitzt auch in Deutschland.“

Das musste Nanowired am eigenen Leib erfahren. Seit einigen Monaten streitet sich das 2017 gegründete Unternehmen mit einem großen Temperatursensorhersteller aus Deutschland um eine Patentanmeldung. Eigentlich wollte Birlem das Unternehmen als Kunden gewinnen und teilte dafür zahlreiche Informationen über die Technologie und ihrem Einsatz. Trotz Geheimhaltungsvereinbarung meldete das Unternehmen daraufhin ein eigenes Patent für den konkreten Anwendungsfall an – ohne Nanowired zu informieren. „Erst ein anderer Kunde hat uns darauf aufmerksam gemacht“, sagt Birlem. Zwar liegt das Basispatent für das Verfahren bei Nanowired. Einzelne konkrete Anwendungen können aber darüber hinaus patentiert werden, sofern diese tatsächlich selbst entwickelt wurden. Doch genau daran zweifelt Birlem in diesem Fall.

Einvernehmliche Einigung immer noch möglich

Für das Start-up hat die Patentanmeldung weitreichende Folgen. „Es ist für uns fast unmöglich geworden, Temperatursensorhersteller als Neu-Kunden zu gewinnen.“ Durch die Patentanmeldung werde diese Art der Anwendung geschützt. Auch Klagen seien möglich. Das ist besonders bitter, weil in diesem Segment als erstes Serienprodukte erreicht wurden. „Das ist für uns eine lebensbedrohliche Situation“, sagt Birlem. Knapp 10 000 Euro Anwaltskosten hat der Streit bereits gekostet, ganz zu schweigen von entgangenen Aufträgen. Auch um die Wirkung auf andere Unternehmen sorgt sich der Geschäftsführer. „Wir lassen uns das nicht gefallen“, sagt er. Zur Not werde er auch vor Gericht gehen.

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Dennoch hofft er auf eine einvernehmliche Einigung. „Bei einem solchen Konflikt verlieren beide.“ Denn ohne die Erlaubnis von Nanowired könne auch der Sensorhersteller das Klettwelding-Verfahren nicht anwenden. Eine zukünftige Zusammenarbeit schließe er nicht aus: „Wir sollten uns nicht innerhalb Deutschlands gegenseitig kaputtmachen.“ Denn schließlich könne man sich nur gemeinsam gegen Konkurrenz aus dem asiatischen Raum wehren.

Von Marina Speer