Segula optimistisch: Mehr Jobs am möglichen Standort bei Opel

Segula Technologies will bis zu 2000 Mitarbeiter des Opel-Entwicklungszentrums übernehmen. Archivfoto: dpa

Der Ingenieurdienstleister ist zuversichtlich, dass er im Falle einer Übernahme der bis zu 2000 Opel-Beschäftigten in Rüsselsheim künftig “eher noch mehr Mitarbeiter...

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RÜSSELSHEIM. Der französische Ingenieurdienstleister Segula Technologies, der bis zu 2000 Mitarbeiter des Opel-Entwicklungszentrums übernehmen will, hat in Rüsselsheim viel vor. „Wir wollen den Standort zur Drehscheibe unseres Deutschlandgeschäfts machen“, sagte Deutschland-Chef Martin Lange im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir sind mit unserem Geschäftsmodell langfristig orientiert. Der Markt für unsere Dienstleistungen ist groß. Von daher sind wir optimistisch, dass wir bei dieser potenziellen Partnerschaft in Rüsselsheim künftig eher noch mehr Mitarbeiter brauchen werden“, sagte Lange. „Wir kennen die Projekte, an denen wir arbeiten werden. Diese geben den Arbeitsplätzen Stabilität und eröffnen den Beschäftigten neue Karrieremöglichkeiten.“

Unterschrieben ist noch nichts, alle Äußerungen des Segula-Mangements stünden daher unter Vorbehalt, so das Unternehmen. Anfang September teilten Opel und der französische Dienstleister mit, dass sie derzeit exklusive Gespräche über eine "mögliche strategische Partnerschaft" führen.

Segula will in Deutschland stärker Fuß fassen

Hintergrund der optimistischen Einschätzung: Erstens ist Segula auch in den Bereichen Energie, Bahn und Schifffahrt aktiv, wodurch die bisherigen Opel-Entwickler „auch neue Bereiche außerhalb der Automobilindustrie abdecken, um unsere weltweiten Kunden zu bedienen“, so das Unternehmen. Zweitens will Segula in Deutschland stärker Fuß fassen und den Marktanteil deutlich ausbauen.

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Der deutsche Engeneering-Markt für die Automobilindustrie hat laut Lange ein Volumen von heute etwa vier Millarden Euro und wird in den nächsten fünf Jahren auf über sechs Milliarden Euro wachsen. Aktuell erzielt Segula in Deutschland den Angaben zufolge einen Umsatz im zweistelligen Millionen-Bereich. Als Ziel nannte Lange im Gespräch einen Marktanteil „in einer Größenordnung von rund zehn Prozent“. In den vergangenen Jahren sei das Unternehmen im Automotive-Bereich mit einer Rate von jährlich bis zu 20 Prozent gewachsen, die Hälfte davon durch Übernahmen, ergänzte Laurent Germain, der Leiter von Segula Technologies. „Diese Geschwindigkeit möchten wir auch in Zukunft beibehalten.“ Aufträge würden die Unternehmen zunehmend an große Ingenieurdienstleister vergeben. „Die Kunden suchen Partner, die global mit ihnen zusammenarbeiten können und entsprechend flexibel sind“, sagte Germain. Überdies würden sie verstärkt komplette Großprojekte vergeben, „inklusive Validierung und Erprobung“, ergänzt Lange.

Der Deutschland-Chef bekräftigte im Gespräch noch einmal, dass Segula den bei Opel bis Juli 2023 geltenden Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen nach einer möglichen Übernahme der betreffenden Mitarbeiter aufrechterhalten will: „Niemand müsste sich um den Beschäftigungsschutz Sorgen zu machen, niemand müsste um seine Besitzstände fürchten.“ Für die betroffenen Beschäftigten würde sich zwar das Geschäftsmodell ändern, „denn sie würden keine kompletten Fahrzeuge mehr entwickeln, sondern Dienstleister für Kunden sein“. Das direkte Arbeitsumfeld mit Kollegen ändere sich den Planungen zufolge hingegen nicht. Segula plant, in Rüsselsheim einen Engineering-Campus zu errichten und will dafür laut Lange im Wesentlichen die bestehenden Opel-Räumlichkeiten nutzen.

Segula Technologies wurde 1985 in Nanterre bei Paris gegründet und ist derzeit in Deutschland in München, Landshut, Stuttgart, Köln, Wolfsburg und Görlitz vertreten. In diesem Jahr soll früheren Mitteilungen zufolge der Personalbestand kräftig wachsen – weltweit um 4600. Aktuell zählt das Unternehmen rund 11.000 Beschäftigte, die sich auf 140 Standorte in 28 Ländern verteilen. In Deutschland hat Segula zurzeit rund 550 Beschäftigte.

13 Tage Kurzarbeit im Opel-Werk Eisenach

Derweil wird bei Opel im Werk Eisenach wegen der schlechten Auftragslage die Produktion deutlich zurückgefahren. Nach Informationen dieser Zeitung laufen zum einen ab Oktober nur noch 30 statt bislang 37 Fahrzeuge pro Stunde vom Band. Das entspricht einer Reduzierung von rund 19 Prozent. Die Produktion wird entsprechend „abgetaktet“, wie es im Fachjargon heißt. Zum anderen wird im Oktober in Eisenach kurzgearbeitet. Wie aus einer internen Mitteilung an die Eisenacher Belegschaft, die dieser Zeitung vorliegt, hervorgeht, werden die Beschäftigten in beiden Schichten in dem Monat an insgesamt 13 Tagen kurzarbeiten. „Selbstverständlich passen wir in unseren Werken die Produktionsplanung regelmäßig an“, teilte ein Opel-Sprecher dazu mit. Zu Details äußere man sich jedoch grundsätzlich nicht. In Eisenach wurde in den zurückliegenden Monaten immer wieder mal kurzgearbeitet.

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In Eisenach laufen aktuell Corsa und Adam vom Band. Der Corsa soll ab dem kommenden Jahr ausschließlich im Opel-Werk im spanischen Saragossa gefertigt werden, wo bereits Corsa-Versionen vom Band laufen. Der Standort in Thürungen soll im Gegenzug die Produktion des SUVs Grandland bekommen. Darüber hinaus soll Medienberichten zufolge in Eisenach im Mai 2019 das letzte Exemplar des Kleinwagens Adam vom Band laufen. Opel teilte am Dienstag mit, dass für den Grandland seit dem Start des Modells im Sommer 2017 mehr als 100 000 Bestellungen vorlägen.