Öl aus dem Ried bringt Rendite

„Unser Öl ist hochwertig“: Carsten Reinhold, Chef von Rhein Petroleum, entnimmt eine Probe in Riedstadt. Foto: Rhein Petroleum

Die Firma Rhein Petroleum GmbH fördert seit zwei Jahren in Goddelau. Bange wegen der Corona-Krise ist dem Unternehmen nicht.

Anzeige

RIEDSTADT. Die größten Öl-Förderländer USA, Russland und Saudi-Arabien liefern sich einen Preiskampf, und wegen des Coronavirus ist die Nachfrage an Rohöl drastisch gesunken. Der Preis für die Nordseesorte Brent fiel dadurch in den vergangenen Wochen von 50 auf zeitweise unter 25 Dollar pro Barrel (159 Liter). Doch Carsten Reinhold, Geschäftsführer der Rhein Petroleum GmbH, schockt das nicht. Seit zwei Jahren fördert das Unternehmen mit Sitz in Heidelberg Öl auf einer neu in Betrieb genommenen Anlage bei Riedstadt-Goddelau. Und das scheint ein krisenfestes Geschäft zu sein. Zahlen zu Umsatz und Rendite nennt er nicht, aber bei einem Preis von 50 Dollar pro Barrel arbeite die Firma „hoch wirtschaftlich“, selbst bei rund 30 Dollar sei man noch im Plus. Wenn die Delle zwei oder drei Monate dauere, könne man das abfedern, heißt es.

Aus 1700 Metern Tiefe holt Rhein Petroleum jede Woche 66 000 Liter und transportiert das Schwarze Gold zur Weiterverarbeitung in eine Raffinerie nach Karlsruhe. „Das Öl ist hochwertig: Es ist sehr leicht und besitzt wertvolle Inhaltsstoffe“, sagt Reinhold. Schwefel sei kaum darin, Schwermetalle überhaupt nicht – im Gegensatz zu Öl aus anderen Ländern. Deshalb werde ein Großteil der Fördermenge zur Herstellung hochwertiger Kunststoffe verwendet, etwa für Smartphones, Computer, Möbel oder glasfaserverstärkt in Bauteilen für Windräder.

Rund 6 Millionen Euro investiert

Anzeige

Die Zusammensetzung wird regelmäßig im Labor untersucht. Reinhold öffnet eine Klappe im hinteren Teil der Anlage und schraubt eine Glasflasche aus einer Halterung. „Hier, schauen Sie“, sagt er und schwenkt einen halben Liter mit dunkler Flüssigkeit hin und her, die so dünn aussieht wie Kaffee oder Johannisbeersaft. Die Probe ist übrigens das einzige Öl, was man auf der Anlage zu Gesicht bekommen kann. Alles, was aus dem Boden gepumpt wird, bleibt in der Anlage und geht vom Tank direkt in den Tanklastzug – eine saubere Sache. Menschen werden für die Förderung nicht gebraucht, die Überwachung erfolgt weitgehend elektronisch. Die Effizienz sei damit viel höher als auf Förderanlagen in anderen Ländern, die diese technischen Möglichkeiten nicht haben und deshalb mehr Personal brauchen, sagt Reinhold.

Rund 6 Millionen Euro hat Rhein Petroleum in Bohrung und Anlage investiert, nachdem die ersten Probebohrungen 2015 vielversprechend waren. Für 27 Jahre Förderung hat das Regierungspräsidium Darmstadt die Genehmigung erteilt. Angesichts der Energiewende scheint das ein langer Zeitraum. Reinhold relativiert das: „Zum einen werden wir mindestens noch für 30 Jahre Erdöl brauchen. Zum anderen zeichnet sich unser Öl nicht nur durch die Qualität aus, eine Förderung in der Region ermöglicht schließlich kurze Wege.“ Der Rohstoff müsse nicht wie aus Libyen oder Saudi-Arabien viele Schiffskilometer zurücklegen und dann noch von Häfen wie Triest über die Alpen transportiert werden. „Wir sparen also Emissionen“, sagt der Geschäftsführer. Zudem gelten in Deutschland im Gegensatz zu Schwellen- oder Entwicklungsländern strenge Umweltauflagen, was die Förderung wesentlich nachhaltiger mache. Zehn Prozent des Umsatzes gehen laut Gesetz an den Staat, in Libyen seien das mehr als 90 Prozent, sagt Reinhold, der schon für andere Öl- und Gaskonzerne im Nahen Osten und Südamerika gearbeitet hat.

Der Anteil von Öl aus Deutschland am Gesamtverbrauch im Land liegt zwischen zwei und drei Prozent. Im Jahr 2018 wurde nach Angaben des Statistischen Bundesamts 85 Millionen Tonnen Rohöl nach Deutschland importiert. Die mit Abstand größte Menge kam mit 30 Millionen Tonnen aus Russland, zweitgrößter Importeur war Norwegen mit acht Millionen Tonnen vor Libyen mit sieben Millionen. Der Anteil aus Saudi-Arabien lag nur noch bei 1,4 Millionen Tonnen, knapp zwei Prozent.

Wenn es nach Rhein Petroleum geht, könnte der Anteil aus heimischer Produktion gerne steigen. Das Unternehmen wurde 2007 gegründet mit dem Ziel, die Förderung dort zu reaktivieren, wo in der Vergangenheit Erdöl gefunden wurde. Viele solcher Produktionsstandorte mit sogenannten Pferdekopfpumpen seien im Zuge eines Preisverfalls in den neunziger Jahren stillgelegt worden, weil sie nicht mehr wirtschaftlich waren. „Das Potenzial ist aber oft nicht ausgeschöpft“, sagt Reinhold. Mit neuen Fördertechniken könne dies heute gehoben werden. Solche Felder wurden in den vergangenen Jahren auch bei Speyer, Worms und Landau entdeckt.

Rhein Petroleum betreibt einen weiteren Standort in Bayern in Kooperation mit der Firma Wintershall. Im badischen Weingarten wurde eine Testförderung abgeschlossen.

Anzeige

Von Anja Ingelmann