Medien: Opel-Chef Neumann tritt zurück

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Archivfoto: dpa

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann will einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zufolge sein Amt aufgeben.

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RÜSSELSHEIM. Als Karl-Thomas Neumann im Februar kurz nach der Bekanntgabe der geplanten Übernahme von Opel durch die französische PSA-Gruppe (Peugeot/Citroen) seine Treue zum Rüsselsheimer Autohersteller schwur, wunderten sich viele. Ein Manager-Typ wie er soll die zweite Geige unter PSA-Chef Carlos Tavares spielen? Schwer vorstellbar. Jetzt sehen sich die Zweifler bestätigt: Neumann will offenbar bei Opel hinwerfen, nur noch bis zur Abwicklung der Übernahme bei Opel an Bord bleiben.

Ein entsprechender Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wurde in Unternehmenskreisen bestätigt. Demnach will er seinen geplanten Rücktritt bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 22. Juni mitteilen. Auch soll die Chemie zwischen Tavares und Neumann nicht gestimmt haben, hieß es. Opel selbst gab wie immer keine Stellungnahme dazu ab: Das Unternehmen kommentiere grundsätzlich keine Personalspekulationen, sagte ein Sprecher. Die Noch-Mutter General Motors will möglichst bereits am 31. Juli seine defizitäre Tochter an PSA verkaufen.

Neumann kam 2013 zu Opel und präsentierte sich als Retter des angeschlagenen Autohersteller: Bis „Mitte der Dekade“ wolle er Opel wieder in die Gewinnzone führen, nach vielen Jahren im tiefroten Bereich. Doch das Vorhaben schlug fehl; der Einbruch des Marktes in Russland und der geplante Austritt Großbritanniens aus der EU fuhren Neumann dazwischen. Als klar wurde, dass Opel 2016 erneut tiefrote Zahlen schreiben würden, zog GM-Chefin Mary Barra die Notbremse – und beschloss, die Tochter an PSA zu verkaufen.

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Geht Neumann zu VW zurück?

Wo es Neumann künftig hinzieht, darüber gibt es noch keine Informationen. Immer wieder wird darüber spekuliert, dass er zurück zum VW-Konzern gehen könnte, sei es zu VW selbst oder zu Audi. Aber auch von anderen Unternehmen soll er dem Vernehmen nach bereits Angebote bekommen haben.

Bei VW war Neumann groß geworden, arbeitete sich bis zum Chef des China-Geschäfts hoch und wurde sogar von manchen als potenzieller Nachfolger des mittlerweile zurückgetretenen VW-Chefs Martin Winterkorn gehandelt. Doch bei der großen Aufräumaktion in der VW-Führung Mitte 2012 wurde er von seinem Posten abgelöst, ohne eine neue Aufgabe zu bekommen. 2013 dann wechselte er zu Opel. Zwischendurch heuerte er beim Autozulieferer Continental an und wurde dort 2008 Vorstandschef. Doch auch dort lief es nicht rund: Nach einem Machtkampf mit Conti-Großaktionär Schaeffler kehrte er 2009 zu VW zurück.

Wer folgt auf Neumann?

Wer ihm an der Opel-Spitze nachfolgt, ist offen. Gute Chancen werden in Unternehmenskreisen Marketing-Chefin Tina Müller eingeräumt. Sie war in den vergangenen Monaten durch Interviews aufgefallen, wo sie sich zur Gesamtlage des Rüsselsheimer Autoherstellers äußerte, was ja eigentlich nicht ihre Aufgabe ist. Aber auch der für Vertrieb zuständige Peter Küspert und Finanzchef Michael Lohscheller werden als potenzielle Nachfolger gehandelt.

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Der frühere Opel-Betriebsratschef Klaus Franz bedauerte bereits den möglichen Rückzug Neumanns. "Ich persönlich habe schon lange mit Neumanns baldigem Abschied gerechnet, denn eine Persönlichkeit wie er kann schlicht und einfach nicht unter einem PSA-Chef Carlos Tavares arbeiten", sagte er am Samstag.

GM hat sich mit PSA grundsätzlich auf den Verkauf geeinigt. Die Franzosen sollen für Opel inklusive der britischen Schwestermarke Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro zahlen. GM rechnet mit einer Belastung von 4,5 Milliarden Dollar (4,1 Mrd Euro) aus dem Deal. Opel und Vauxhall beschäftigen 38 000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland.