Kurzarbeit und Altersteilzeit bei Opel in Rüsselsheim -...

Das Opelwerk in Rüsselsheim. Foto: André Hirtz

Bei Opel wird es ernst: Management und Arbeitnehmervertreter haben sich auf erste Maßnahmen verständigt, um die Kosten an den deutschen Standorten deutlich zu reduzieren....

Anzeige

RÜSSELSHEIM. Zwischen Arbeitnehmervertretern und Management hatte es bei Opel zuletzt ordentlich gekracht. Der Betriebsrat sah sich nur mangelhaft von der Geschäftsleitung über die Sanierungspläne informiert, vermisste entscheidende Details und fühlte sich um die Mitbestimmung gebracht. Nun ist man sich wieder deutlich näher gekommen: Opel, Betriebsrat und IG Metall haben sich auf erste Maßnahmen verständigt, mit denen das Arbeitsvolumen an den deutschen Standorten und damit die Kosten schnell und sozial verträglich verringert werden sollen. Betroffen ist vor allem der Firmensitz in Rüsselsheim.

Einer gemeinsamen Mitteilung zufolge sieht die jetzt getroffene soziale Rahmenvereinbarung Altersteilzeit, Kurzarbeit, weniger Leiharbeiter und die Zusammenlegung des Einkaufs mit der entsprechenden Abteilung beim französischen Mutterkonzern PSA vor. Kurzarbeit soll für die Bereiche Entwicklung und Verwaltung beantragt werden und – vorbehaltlich der Zustimmung der Arbeitsagentur – ab 1. Januar für „mindestens sechs Monate“ laufen. Nach Informationen dieser Zeitung an insgesamt 24 Tagen, also rund vier Tagen im Monat. Im Technischen Entwicklungszentrum und in der Rüsselsheimer Verwaltung arbeitet der weitaus größte Teil der rund 15.000 Beschäftigten am Stammsitz. Im Werk Eisenach wird die bereits genehmigte Kurzarbeit fortgeführt.

Ausweitung der Altersteilzeit

Anzeige

Ein weiterer Eckpfeiler ist die Ausweitung des Altersteilzeitprogramms bis auf den Jahrgang 1960. „Wir bieten auch Vorruhestandsregelungen an für Menschen, die 36 Monate vor dem frühestmöglichen Renteneintritt sind“, sagte Opel-Chef Michael Lohscheller der Deutschen Presse-Agentur. „Wir denken, das ist ein gutes und zeitlich unbegrenztes Angebot, das alle unsere Mitarbeiter dann wahlweise nehmen können.“

Darüber hinaus soll in den Produktionswerken in Rüsselsheim und Kaiserslautern die Zahl der Leiharbeiter (insgesamt mehrere Hundert) deutlich reduziert werden. Zudem bekommen der Mitteilung zufolge „die Einkaufsorganisationen von Opel/Vauxhall und Peugeot/Citroën, DS Automobiles eine gemeinsame Organisationsstruktur“. Der Rüsselsheimer Einkauf zählt nach Informationen dieser Zeitung 300 bis 400 Mitarbeiter. Langfristig will man 30 Prozent der gesamten Synergien (zunächst rund 1,1 Milliarden Euro jährlich) aus der Integration von Opel in PSA im Einkauf heben. Im Einkauf in Rüsselsheim beschäftigt Opel mehrere Hundert Mitarbeiter.

Auch Management soll in die Pflicht genommen werden

Um die Lohnkosten zu senken, haben sich Arbeitnehmervertreter und Management überdies auch darauf verständigt, die Arbeitszeit ab 1. April 2018 wieder auf die tariflich vereinbarten 35 Stunden pro Woche zu reduzieren. Bislang arbeiten nach Informationen dieser Zeitung in Rüsselsheim rund 20 Prozent der Beschäftigten auf Grund einer Sondervereinbarung 40 Stunden pro Woche – für entsprechend höheres Gehalt. Aber auch das Management soll bei den Sparmaßnahmen in die Pflicht genommen werden. Sonderzahlungen werden nämlich an den Plan zur Rückkehr in die schwarzen Zahlen und an die Geschäftsziele für 2017 geknüpft.

Weitere Maßnahmen zu den Produktionswerken in Deutschland (Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach) wurden noch nicht vereinbart. Man werde nun einen Fahrplan erarbeiten, um die Werke wettbewerbsfähig zu machen, sagte ein Opel-Sprecher. Erst danach könnten Maßnahmen umgesetzt und Investitionen freigeschaltet werden.

Anzeige

"Wichtiger sozialer Rahmen"

Mit der Vereinbarung schaffe man die Voraussetzung, das Sanierungsprogramm Pace mit noch mehr Tempo umzusetzen, erklärte Opel-Chef Lohscheller. „Es geht darum, dass wir kurzfristig unsere Personalkosten auf das Vergleichsniveau der Industrie verbessern. Wir haben gute Wege gefunden, das zeitnah zu machen“, so der Opel-Chef. Dabei sei die Absicht, auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, erneut unterstrichen worden.

Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug betonte: „Mit dieser Vereinbarung haben wir einen wichtigen sozialen Rahmen für die Opel-Belegschaft schaffen können. Unter schwierigen Bedingungen konnten attraktive Maßnahmen wie die Altersteilzeit-Vereinbarung und Vorruhestandsregelung vereinbart werden.“ Wichtig sei auch, „dass für die nächsten Schritte die Mitbestimmung und die bestehenden Tarifverträge umfassend berücksichtigt werden.“