Einmal um die halbe Welt

aus Schneider GmbH & Co. KG

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Mit einem großen Schwerlastkran wird die 45 Tonnen schwere Maschine zunächst in den Transportrahmen gehoben. Dort wird sie mit einer Spezialfolie eingeschweißt, die den Koloss vor Schutz und Staub schützen soll. Mit der Maschine der Firma Schneider sollen Spiegelelemente für ein riesiges Teleskop hergestellt werden.  Foto: Valentin

Die Firma Schneider Optikmaschinenbau in Quotshausen hat am Dienstag die Maschine auf den Weg geschickt, die sie in den vergangenen Monaten für ein Unternehmen in Südkorea...

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Steffenberg-Quotshausen. Die Firma Schneider Optikmaschinenbau in Quotshausen hat am Dienstag die Maschine auf den Weg geschickt, die sie in den vergangenen Monaten für ein Unternehmen in Südkorea gefertigt hat. Der Koloss reist nun einmal um die halbe Welt.

Bis der Spezialapparat, mit dem Spiegelelemente für ein riesiges Teleskop hergestellt werden sollen, an seinem Bestimmungsort eintrifft, werden fast zwei Monate vergehen. Mehr als 21 000 Kilometer wird der Koloss, der mit 45 Tonnen die größ;te und schwerste Maschine ist, die Schneider bislang hergestellt hat, zurücklegen – davon 20 300 Kilometer auf dem Seeweg. Allein das dauert sechs Wochen, erklärt Schneider-Pressesprecherin Kerstin Battenfeld.

Dass angesichts der Dimensionen der Maschine alles ein wenig langsamer geht, wurde gestern beim Verladen des Frachtstückes auf den Tieflader deutlich. Schon vor 8 Uhr am Morgen waren die Schwerlastprofis der Firma Dornseif in Quotshausen im Gange, um die Maschine für den Transport fertig zu machen. Die knappe halbe Stunde, die es dauerte, bis sie überhaupt aus der Halle herausgefahren war, bildete dabei das kleinere Problem.

Aufwendiger gestaltete es sich da schon, die Maschine mit dem Schwerlastkran so gleichmäß;ig anzuheben, dass sie in den bereitgestellten Transportrahmen eingepasst werden konnte. Anschließ;end wurde das 3,4 Meter breite, 4,7 Meter hohe und 2,8 Meter groß;e "Paket" komplett in eine Spezialfolie eingeschweiß;t. Sie soll die Maschine beim Transport vor Schmutz und Staub schützen, auf dem Weg über das Meer aber auch die Feuchtigkeit abhalten.

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Der 
Schwertransporter wird im Schneckentempo unterwegs sein

Erst nachdem sie rundherum eingepackt war, wurde die Maschine, die zusammen mit dem Rahmen rund 65 Tonnen wiegt, schließ;lich auf den Tieflader gehoben, der sich dann am späten Nachmittag Richtung Bremerhaven auf den Weg machte. Dort wird sie auf das Schiff verladen, das die Maschine nach Südkorea bringt.

Dabei geht es aber auch auf dem Land nur im Schneckentempo vorwärts. Für die rund 430 Kilometer von Quotshausen bis nach Bremerhaven ist nämlich eine Transportzeit von einer Woche eingeplant. Das gesamte Projekt sei eine logistische Herausforderung, gab Battenfeld zu. Deswegen seien allein zehn Mitarbeiter mit dem Transport beschäftigt, davon drei intensiv.

Insgesamt bringt es die Lieferung übrigens auf ein Gewicht von fast 85 Tonnen. Denn neben der Maschine selbst werden zum Beispiel auch die nötigen Schaltschränke, das Bedienpult sowie der Sicherheitszaun mitgeliefert. Da es unterwegs immer mal zu Problemen und Unvorhersehbarkeiten kommen kann, ist die Maschine mit einer besonderen Transportversicherung abgesichert. Diese decke alle Eventualitäten ab, sagt Kerstin Battenfeld – von Transportschäden bis zum Schiffuntergang. Immerhin kostet die Maschine einen siebenstelligen Betrag. Wie viel genau, darüber schweigt Schneider.

In der Maschine werden optische Linsen mit einem Durchmesser von bis zu 1,5 Metern hergestellt, die anschließ;end zu einem 39 Meter groß;en Hauptspiegel eines riesigen Teleskops zusammengesetzt werden, das in der chilenischen Atacamawüste errichtet und voraussichtlich 2024 in Betrieb genommen werden soll.

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Dass der Koloss nicht am neuen Hauptstandort der Firma Schneider in Fronhausen hergestellt wurde, hängt übrigens mit deren Gewicht zusammen. Berechnungen haben nämlich ergeben, dass der weichere Boden des Lahntals dem Druck der Maschine nicht standgehalten hätte. Deswegen musste sie auf dem felsigen Untergrund des Hinterlands zusammengebaut werden.