Darmstädter machen die Digitalwelt schneller

Stolze Gewinner: Andreas Duffner, Felix Winterstein, Alexander Lange und Andrea Suardi von Xelera Technologies (von links ).

Start-up Xelera Technologies wurde auf der Berliner IFA mit dem Gründerpreis ausgezeichnet. Ziel der Gründer ist es die Datenverarbeitung in Rechenzentren um das Achtzigfache...

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DARMSTADT/BERLIN. Die Datenmengen in der digitalen Welt wachsen schier ungebremst. Diese Flut an Infos in vielfacher Hinsicht zu bewältigen wird daher immer wichtiger. An dieser Aufgabe haben findige Köpfe aus Darmstadt gearbeitet. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Datenverarbeitung in Rechenzentren um das Achtzigfache beschleunigen und dabei ein Drittel weniger Strom verbrauchen: Mit dieser ambitionierten Idee konnte sich das Darmstädter Startup Xelera Technologies GmbH (ehemals F-Technologies) einen der sechs Hauptpreise beim "Gründerwettbewerb - Digitale Innovationen" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) sichern. Und reiht sich damit trefflich in die Technologiegründungen im Dunstkreis der TU Darmstadt ein.

Dr. Andreas Goerdeler, Leiter der Unterabteilung Nationale und Europäische Digitale Agenda im BMWi, zeichnete die insgesamt 20 Preisträgerteams jetzt auf der IFA aus. Als einer der Hauptpreisträger profitiert Xelera Technologies von 32.000 Euro zusätzlichem Startkapital und einem individuellen Coaching und Mentoring. Insgesamt haben an der aktuellen Wettbewerbsrunde 323 Teams teilgenommen.

"Die weltweite Datenmenge verdoppelt sich alle zwei Jahre. Um beispielsweise mit modernen Big-Data-Anwendungen mithalten zu können, muss der stetig wachsende Datenstrom zudem immer schneller verarbeitet werden - am besten in Echtzeit", so Felix Winterstein, einer der vier Gründer von Xelera Technologies. Herkömmliche Prozessortechnologien wie etwa CPUs stießen dabei an ihre Grenzen. CPU steht für "Central Processing Unit" und bedeutet übersetzt zentrale Prozessoreinheit. Auch der Stromverbrauch ist zunehmend ein Problem: 100 Millionen Server weltweit verbrauchen schon heute fast so viel Strom wie ganz Deutschland. Hier bieten die Gründer aus Darmstadt deutlich mehr Effizienz. Und zugleich eben deutlich mehr Geschwindigkeit, denn das Hauptmerkmal der Produkte steckt im Namen: Acceleration, was so viel wie Beschleunigung heißt.

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Die Idee: Rechenintensive Algorithmen werden von der CPU ausgelagert. Stattdessen kommen sogenannte FPGA-Prozessoren zum Einsatz, die teilweise erheblich schneller und energieeffizienter arbeiten. Das sind integrierte Schaltkreise, die es zwar schon seit langem gibt. Deren Einsatzgebiet in neuen Anwendungen freilich erst seit zwei, drei Jahren auf der Schwelle zum Cloud-Computing ist und durch den Chip-Krösus Intel deutlich Schub erhalten hat. Sie können über die Standardschnittstellen der Xelera Suite von kommerziellen Anwendungen - zum Beispiel im Bereich der künstlichen Intelligenz oder dem Internet der Dinge - einfach verwendet werden. Xelera entwickelt die Software für solche FPGAs. Und ist aktuell mit drei Projekten unterwegs. Ein Kunde ist die Deutsche Telekom, heißt es.

Seit über einem Jahr im Aufbau

Die junge Firma um Informatiker des Fachgebietes "Eingebettete Systeme und ihre Anwendungen" - Leitung Professor Dr. Andreas Koch - arbeitet seit August 2017 am Aufbau des Unternehmens. Unterstützt wird Xelera vom TU-Gründerzentrum Highest und von Exist, Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

"Agile Start-ups mit bahnbrechenden Ideen sind entscheidend für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands", sagte Dr. Ulrich Nussbaum, Staatssekretär im BMWi. "Deshalb unterstützt das BMWi mit dem Gründerwettbewerb zwei Mal im Jahr kreative Köpfe auf dem Weg in die Selbstständigkeit".

Von Achim Preu