Der Leiter des gynäkologischen Krebszentrums an der Uniklinik Marburg, Professor Uwe Wagner, hat unseren Leser am "Direkten Draht" Fragen zum Thema Brustkrebs beantwortet...

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Gladenbach. Der Leiter des gynäkologischen Krebszentrums an der Uniklinik Marburg, Professor Uwe Wagner, hat unseren Leser am "Direkten Draht" Fragen zum Thema Brustkrebs beantwortet – vor allem Männer wollten sich informieren.

Häufig werde es vergessen, doch auch Männer können an Brustkrebs leiden. Jährlich erkranken zwischen 600 und 700 Männer an dem eigentlich als Frauenkrankheit bekanntem Leiden. Das ist etwa ein Prozent aller Brustkrebsfälle, so der Experte. "In unserer Region erkranken jährlich zwischen vier und sieben Männer."

Zwar sei Brustkrebs auch heutzutage noch die bösartigste Erkrankung Nummer 1 der Frau (für 2018 rechnet der Mediziner mit bundesweit 70 000 neuerkrankten Frauen), dennoch liege die Überlebensrate im Bundesdurchschnitt zwischen 80 und 90 Prozent. "Wichtig ist, dass die Erkrankung möglichst früh erkannt wird", sagt Professor Uwe Wagner. So komme das Gynäkologische Krebszentrum auf Heilungsquoten von bis zu 93 Prozent. "Im Frühstadium liegt es sogar bei 96 Prozent."

Vor allen Dingen für Frauen hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, sagt Uwe Wagner. Die Therapien werden schonender, die Aufklärung größ;er, oft könne brusterhaltend operiert werden.

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Das Problem des Brustkrebses beim Mann liege darin, dass Betroffene zunächst gar nicht wissen, an wen sie sich wenden können. "Brustkrebs bei Männern macht sich ebenso bemerkbar wie bei Frauen", sagt der Experte. "Also ist auch der Weg, den der Mann einschlagen sollte, derselbe: Er sollte sich Hilfe bei einem Gynäkologen, beim Frauenarzt, holen."

Diesen Weg ist ein 72-Jähriger aus Waldsolms gegangen, der am Mittwochnachmittag beim "Direkten Draht" angerufen hat. In zwei Wochen wird dem Mann die Brust abgenommen.

"Mein Hausarzt hat mich an einen Gynäkologen überwiesen", erzählt der Anrufer. Es folgte eine Mammografie und eine Gewebeprobe. "Ist der Krebs hormonempfindlich?", will Professor Wagner von dem Patienten wissen. Denn das sei entscheidend für die weitere Therapie. Auch müsse geklärt werden, ob Lymphknoten betroffen seien. "Ist dies nicht der Fall, schließ;t sich höchstwahrscheinlich eine hormonelle Therapie und eine Bestrahlung an", sagt der Mediziner. Diese bedeuteten in der Regel Einschränkungen - "aber nicht in dem Ausmaß;e, dass Sie ihren Haushalt nicht mehr führen können", beruhigt Dr. Uwe Wagner. Auch die OP sei für die Experten Routine.

Wichtig sei für den 72-Jährigen, dass er sich auch genetisch untersuchen lasse, um auszuschließ;en, dass er den Krebs weitervererbt hat, sagt Uwe Wagner.

Nach der Operation und der weiteren Behandlung schließ;en sich Rehabilitationsmaß;nahmen an, erklärt der Mediziner.

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Ein weiterer Anrufer, ein 86-jähriger Mann aus Bad Endbach, erhält von dem Leiter des gynäkologischen Krebszentrums am UKGM, den Tipp, eine schon terminierte Operation besser vorzuplanen.

Uwe Wagner: "Die Therapie des Brustkrebses beim Mann ist Sache der Gynäkologen"

"Ich habe einen Knoten in meiner Brust festgestellt", erzählt der Hinterländer. "Mein Hausarzt hat mich dann an einen Chirurgen überwiesen." Dieser soll nun schon in den nächsten Tagen eine OP vornehmen.

"Das ist nicht der richtige Weg!", warnt der Experte. "Gehen Sie zu einem Spezialisten. Die Therapie des Brustkrebses beim Mann ist Sache der Gynäkologen." Trete der Patient diesen Weg an, würden als nächstes Mammografie, Ultraschall und Gewebeprobe erfolgen. "Machen Sie das", rät Wagner dem Anrufer. "Sonst verbauen Sie sich womöglich einen Teil der Heilungschance und der weiteren Therapiemöglichkeiten."