Biontech: Rapide Fortschritte bei Coronavirus-Impfstoff

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Der Mainzer Biopharma-Spezialist Biontech leistet Pionierarbeit in der Krebsforschung. Archivfoto: Harald Kaster

Biontech, der Mainzer Spezialist für Immuntherapien, legt im weltweiten Kampf gegen das Coronavirus nach und vermeldet „rapide Fortschritte“ bei der Entwicklung eines Impfstoffes.

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MAINZ. Der Kampf gegen das Coronavirus – es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. In diesem Wettlauf mischt Biontech, der Mainzer Spezialist für Immuntherapien, ganz vorne mit. Wie das Unternehmen mitteilte, macht man bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen die von dem Virus verursachte Lungenkrankheit Covid-19 „rapide Fortschritte“ und will bereits Ende April, vorbehaltlich der Zustimmung der Regulierungsbehörden, mit den klinischen Test beziehungsweise Studien am Menschen beginnen. Diese Tests muss ein Präparat generell durchlaufen, um zugelassen werden zu können.

Das wäre um einiges schneller als der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angegebene Zeitrahmen. Die WHO geht davon aus, dass erste Impfstoff-Tests an Menschen in drei bis vier Monaten beginnen können. Ein zertifizierter Impfstoff für weitreichenden Einsatz stehe aber wohl erst in 18 Monaten zur Verfügung.

Der Biontech-Kandidat für einen geplanten Impfstoff mit der Bezeichnung BNT162 soll ähnlich wie bei dem Projekt der Tübinger Firma Curevac Körperzellen dazu anregen, Wirkstoffe zur Abwehr des Virus selbst zu erzeugen. Die Mainzer arbeiten zudem nach Angaben von Chef Ugur Sahin „an einem neuartigen therapeutischen Ansatz für bereits infizierten Patienten“.

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Künstlich hergestellte Boten-RNA der Schlüssel

Bis wann Impfstoff und Medikament vorliegen könnten, dazu machte das Mainzer Unternehmen noch keine konkreten Angaben, kündigte aber für kommende Woche weitere Veröffentlichungen zu dem Projekt an. Fest steht, dass BNT162 „Teil des globalen klinischen Entwicklungsprogramms in den Vereinigten Staaten, Europa (mit Beginn der Entwicklung in Deutschland) und China“ ist. Um die Entwicklung des Impfstoffes voranzutreiben, kooperiert Biontech zum einen mit dem chinesischen Pharmaunternehmen Fosun für den chinesischen Markt, zum anderen mit dem zweitgrößten Pharmakonzern der Welt, Pifzer, für die Märkte außerhalb Chinas.

Mit Fosun will Biontech in China gemeinsam klinische Tests durchführen, darüber hinaus soll der Partner den Impfstoff im Reich der Mitte vermarkten. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Mainzer bis zu 120 Millionen Euro von Fosun an Vorauszahlungen für künftige Investitionen erhalten. Die Gewinne aus der Vermarktung in China wollen sich beide Unternehmen teilen. Die Rechte zur Vermarktung außerhalb von Chinas sollen alleine bei Biontech liegen. Das Unternehmen will zunächst für die klinische Studien dem Impfstoff zusammen mit seinem Österreichischen Partner Polymun in Europa herstellen. Darüber hinaus bereiteten sich weitere Kooperationspartner bereits darauf vor, „die Produktion zur weltweiten Versorgungen zu intensivieren“, so Biontech.

Wie Biontech setzen auch die Biotechfirmen Curevac (Tübingen) und Moderna (USA) für ihre beschleunigte Impfstoffentwicklung auf synthetisch also künstlich hergestellte Messenger- oder Boten-Ribonukleinsäure (mRNA). Die Boten-RNA dient sozusagen als Informationsträger, um eigens entwickelte Bauanleitungen für spezielle Proteine in den Körper einzuschleusen, mit denen Erkrankungen ganz gezielt und individuell bekämpft werden können. Krebs etwa oder die Influenza - und nun auch Covid-19.