Entschädigung auch für Kleinkinder

Laut der Europäischen Fluggastrechte-Verordnung müssen Fluggesellschaften im Falle von deutlichen Verspätungen auch für kleine Reisegäste aufkommen. Foto: Irina Schmidt - stock.adobe

Fluggesellschaften müssen bei verspäteter Ankunft auch bei Ermäßigungen aufkommen. Weitere Urteile zum Thema Reiserecht im Überblick.

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. SÜDHESSEN. Die Urlaubs- und Reisezeit hat begonnen. Am 15. Juni endete die Reisewarnung der Bundesregierung wegen der Corona-Pandemie - die Menschen können also auch in diesem Jahr ein paar Tage am Strand oder auf einem Städtetrip verbringen. Doch auch in 2020 sollten die Urlauber einige Richtlinien bei der Buchung des Flugs oder Hotels beachten.

Fliegt ein Ehepaar samt Kleinkind auf dem Rückflug aus dem Sommerurlaub von Heraklion (Kreta) nicht wie vorgesehen nach Nürnberg zurück, sondern nach Karlsruhe, und kommt die Familie - per Bustransfer - knapp sechs Stunden verspätet am undefinedHeimatflughafenundefined an, so steht die Entschädigungszahlung nach der Europäischen Fluggastrechte-Verordnung zu. Diese beträgt bei Verspätungen von mehr als drei Stunden - je nach Distanz - zwischen 250 und 600 Euro (Hier gab es 400 € pro Person). Allerdings wollte die Fluggesellschaft nicht für das Kind zahlen, das undefinedermäßigtundefined und undefinedohne Sitzplatzundefined mitgeflogen war. Musste sie aber. Der Anspruch könne nur entfallen, wenn für das Kind gar kein Flugpreis gezahlt worden wäre. (LG Nürnberg-Fürth, 515 C 12585/19)

Online-Vermittler von Flugreisen müssen auf ihrer Internetseite die Zusatzkosten für die Aufgabe von Gepäckstücken angeben. Das hat das Oberlandesgericht Dresden entschieden. Die Anbieter dürfen es nicht dabei belassen, lediglich darauf hinzuweisen, dass der (Flug-)Preis kein Freigepäck enthält. Die Verbraucher müssen erkennen können, wie hoch der Aufpreis für das Gepäck ist. Können sie das nicht, so liegt ein Verstoß gegen die Luftverkehrsdienste-Verordnung der Europäischen Union vor, die vorschreibt, dass bereits zu Buchungsbeginn auch die Kosten für wählbare Zusatzleistungen anzugeben sind. Einen effektiven Preisvergleich können Verbraucher nur durchführen, wenn sie über die Preise von Leistungen in Kenntnis gesetzt werden, die sie möglicherweise zum Angebot noch hinzubuchen wollen. Auch darf der zu Buchungsbeginn genannte Preis sich nicht um eine Servicegebühr erhöhen, wenn Kunden mit einer gängigen Kreditkarte bezahlen. Rabatte dürfen nicht nur dann gewährt werden, wenn die Kunden mit der undefinedMastercard Goldundefined des Reiseportals bezahlen. Darin liege eine verdeckte Zahlungsmittelgebühr. Kunden müssen eine kostenlose, gängige und zumutbare Zahlungsmöglichkeit erhalten. (OLG Dresden, 14 U 1885/19)

Wird ein Hotel in einem Urlaubsort in der Dominikanischen Republik nach einem Hurrikan saniert, so kann eine Urlauberin den Reisepreis nachträglich mindern und Schadenersatz wegen vertaner Urlaubsfreude durchsetzen, wenn es vor Ort von morgens bis spät abends zu erheblichen Baulärm kommt. Der Reiseveranstalter hätte die Frau, die mit ihrem Sohn im Urlaub war, vor Reiseantritt auf die Bauarbeiten hinweisen müssen, um ihr die Möglichkeit zu geben, den Rücktritt von der Reise zu erklären. Er hätte sich über den Zustand der Hotelanlage informieren und die Information an die Urlauberin weitergeben müssen. Dabei mussten 35 Prozent des Reisepreises erstattet und 3000 Euro Schadenersatz für die vertane Urlaubszeit gezahlt werden. Die Bauarbeiten stellten einen erheblichen Reisemangel dar - auch wenn sie nötig waren. (LG Frankfurt am Main, 2-24 O 160/18)

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Bucht ein Reisender für sich und seine Ehefrau ein Zimmer mit Meerblick (in diesem Beispiel für einen Urlaub auf Rhodos in Griechenland) und erhält er ein Zimmer mit Blick auf einen Tennisplatz, so stellt das einen Reisemangel dar. Das Zimmer weicht von der undefinedBeschaffenheitsvereinbarungundefined ab, sodass eine Reisepreisminderung zusteht. Weil das Ehepaar allerdings nur eine einzige (auch noch angebrochene) Nacht in dem Zimmer verbringen musste, gab es eine Erstattung in Höhe von lediglich zehn Prozent des Tagesreisepreises. (AmG Hannover, 539 C 2462/19)

Von Maik Heitmann