Ironman mit Gänsehaut, Sinnfrage und drückenden Schuhen

Zu den 2500 Startern beim Ironman auf Hawaii gehörten auch Thomas Pignede, Udo Weinmann und Thoralf Friedrich. Das Trio vom DSW Darmstadt erlebte viel auf dem langen Weg ins Ziel.

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KAILUA-KONA/ DARMSTADT. Die großen Geschichten aus Hawaii sind erzählt. Vom ersten deutschen Dreifach-Sieger Jan Frodeno, vom drittplatzierten Sebastian Kienle, von Anne Haug als erster deutscher Ironman-Weltmeisterin, vom bitteren Aus von Titelverteidiger Patrick Lange. Doch es gibt fast 2500 Geschichten mehr, denn jeder Starter hat viel zu erzählen von der 226 Kilometer langen Tortur im Wasser, auf dem Rad und in Laufschuhen. Auch die drei Altersklassenathleten Thomas Pignede, Udo Weinmann und Thoralf Friedrich vom DSW Darmstadt, die aus Südhessen losgezogen waren, um sich die Finisher-Medaille in Kailua-Kona zu sichern – und es auch geschafft haben.

„Ich bin sehr froh und dankbar, das einmal erlebt haben zu dürfen“, sagte Thomas Pignede nach seiner Hawaii-Premiere und fasste seinen Wettkampf so zusammen: „Schwimmen in Ordnung, Radfahren ziemlich schwach und brutal hart, Marathon sehr konstant“. Nach einer eher schwierigen Vorbereitung, in der Pignede nach seiner Qualifikation beim Ironman in Frankfurt aus gesundheitlichen Gründen keine 200 Kilometer laufen konnte, war er umso überraschter, die Zehn-Stunden-Marke unterbieten zu können. Zumal ihm der Wind auf der Radstrecke sehr zugesetzt und er sich schon auf einen ganz langen Marathon eingestellt hatte. „Nach dem eher frustrierenden und nicht enden wollenden Radfahren ist das Ende sehr versöhnlich. Ich konnte mich beim Laufen irgendwie fangen“. Nach 3:31:19 Laufstunden und einer Gesamtzeit von 9:52:39 erreichte der Sportliche Leiter der DSW-Triathlonabteilung das Ziel. „Platz 55 in meiner Altersklasse ist eher besch..., aber das ist am Ende auch egal“, sagte der 29 Jahre alte Vize-Europameister von Frankfurt, dem neben dem gefühlt mäßigen Ergebnis aber ein unvergessliches Erlebnis bleibt: „Das war definitiv etwas Besonderes und das Härteste, was ich in meinem Leben gemacht habe.“

„Mission completed“ – diesen Titel gab Udo Weinmann seinem zweiten Ironman auf Hawaii, nach dem er sich selbst wunderte: „Der Mensch ist zäh und im Stande, über Grenzen zu gehen.“ Seine persönliche Grenze zog eine schmerzende Hüfte, die nach dem Gewinn des Europameistertitels und der damit verbundenen WM-Qualifikation kaum Lauftraining zuließ. Von dem Ziel, seine Zeit von 2014 (9:59:06) zu verbessern und wieder in die Top Ten seiner Altersklasse zu laufen, hatte er sich verabschiedet. Mit diesmal 10:51:46 Stunden ist er aber „megahappy“.

4:18:56 Stunden davon verbrachte Weinmann auf den endlosen Geraden der Marathonstrecke. „Da hilft nur, von Station zu Station zu denken, um der Sinnfrage und negativen Gedanken aus dem Weg zu gehen“, sagte der 55-Jährige, der den Kopf ein bisschen austrickste: „Ich habe mich diesmal entschlossen, die Meilen zu zählen – sind ja nur 26.“

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Der Lohn war Gänsehaut pur beim Lauf über den roten Teppich und ins Ziel. „Dann noch die Ansage ‚you are an Ironman‘, da laufen die Freudentränen und die Plackerei erhält einen Sinn“, schildert Weinmann seine Gefühle und war froh, diese mit seiner mitgereisten Familie teilen zu können.

Auch Thoralf Friedrich war 2014 schon auf der Insel, spürte bei der Rückkehr aber nicht mehr ganz so viel Euphorie wie damals. „Beim ersten Start habe ich mich privilegiert gefühlt, mit den besten Triathleten der Welt an einem magischen Ort starten zu dürfen. Jetzt war ich wieder hier, der Ort hatte aber etwas an Magie verloren.“

Das persönliche Ziel, die damals ganz knapp über elf Stunden liegende Zeit zu unterbieten, verfehlte er in 11:21:27 Stunden, obwohl Schwimmen und der erste Teil der Radstrecke rund liefen. „Beim Laufen hat sich aber gerächt, dass die Radschuhe noch nicht richtig eingefahren waren und ab der Hälfte des Rennens massiv gedrückt haben. So wurde auch der Marathon zur Tortur.“

Der Wettkampf brachte den 54 Jahre alten Friedrich an seine persönlichen Grenze, aber Aufgeben sei keine Option gewesen. „Ich hatte so viel investiert, um hierher zu kommen, also wollte ich es auch zu Ende bringen. Auch wenn ich wusste, dass das nicht gesund sein kann, was ich da mache.“ Und bei aller Einzigartigkeit von Leistung und Erlebnis bilanziert Friedrich: „Man soll ja nie nie sagen, aber momentan denke ich nicht, dass ich hier nochmal starten werde.“