WM der Modernen Fünfkämpfer im Zeichen des Umbruchs

In der klassischen Kombination aus Reiten, Fechten, Laufen, Schwimmen und Schießen (wie im Hintergrund zu sehen) werden am Wochenende in Alexandria die Weltmeister im Modernen Fünfkampf ermittelt. Foto: UIPM/Nuno Goncalves

Manche Athleten gehen mit Wehmut in den Wettkampf, in dem Reiten noch dazugehört. Funktionäre preisen Vorteile der Hindernisdisziplin und präsentieren Analyse des ersten Tests.

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ALEXANDRIA. Rebecca Langrehr will die Pferde-Disziplin bei der Weltmeisterschaft in Alexandria noch einmal kräftig auskosten. "Ich werde es vermissen, und deshalb genieße ich es und freue mich noch auf jeden Wettkampf, bei dem das Reiten dabei ist", sagt die Deutsche Meisterin der Deutschen Presse-Agentur. Bei der derzeit laufenden WM ist das Springreiten noch vertreten. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris findet der Moderne Fünfkampf zum letzten Mal mit der Disziplin statt.

Etwas sentimental blickt Langrehr der Zukunft ihres Sports entgegen, nachdem das Reit-Drama bei Olympia in Tokio um Annika Schleu eine hitzige Diskussion um das Tierwohl auslöste. Funktionäre betonten anschließend, dass der Sport mit den Pferden schon vor dem Vorfall in Tokio auf dem Prüfstand gestanden habe.

Für viele Fünfkämpfer war das bald beschlossene Aus der Disziplin ein Schock. "Ich denke, die Mehrheit der Athleten ist der Meinung, dass das Reiten dazu gehört", sagt Langrehr. Dem widersprechen Verantwortliche wie Weltverbands-Präsident Klaus Schormann mit dem Verweis, dass alle für den Umbruch verantwortlichen Kommissionen mehrheitlich mit Athleten besetzt seien. "Und wenn eine Nation Fünfkampf weiter mit Reiten betreiben will, darf sie das natürlich auch tun", betont der in Gundernhausen lebende Schormann.

International sollen die Fünfkämpfer ab 2024 aber Hindernisse nicht mehr im Sattel der Pferde, sondern nun mit eigener Kraft und eigenem Geschick meistern. Pünktlich zur WM in Ägypten veröffentlichte der Weltverband UIPM eine detaillierte Analyse zum ersten Test der Ersatzdisziplin im Juni in Ankara: Auf einem 100 Meter langen Parcours, der dem Format "Ninja Warrior" ähnelt, mussten die Athleten klettern, springen und hangeln.

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"92 Prozent der Athleten waren zufrieden oder sehr zufrieden mit der Testerfahrung", heißt es in der Analyse, und: "56 Prozent aller teilnehmenden Hindernisspezialisten haben Interesse, auch die anderen Disziplinen des Fünfkampfs zu trainieren." Die Objektivität der Ergebnisse lässt sich schwer einordnen. Denn die 36 teilnehmenden und befragten Modernen Fünfkämpfer belegten ja schon durch ihr Mitmachen eine Offenheit für den Wechsel. Zudem ist die Analyse vom Weltverband verfasst, der die Veränderung aktiv vorantreibt und im Vorwort davon spricht, dass diese "eine unglaubliche Möglichkeit bietet, unseren Sport zu modernisieren, mehr Möglichkeiten für Athleten und Wettkämpfe bietet, die Fanbase vergrößert und unseren Sport und die Athleten auch aus kommerzieller Sicht attraktiver macht".

Michael Dörr, seit einem halben Jahr neuer Präsident des in Darmstadt beheimateten Deutschen Verbandes für Modernen Fünfkampf (DVMF), kann die Sentimentalität verstehen. "Ich selbst sage freimütig, dass ich als bekennender Pferdeliebhaber den Verlust des Reitens sehr bedaure." Er fügt aber hinzu: "Wenn Moderne Fünfkämpfer wirklich den 'perfekten Athleten' repräsentieren wollen, dann dürfen wir in der heutigen Zeit nicht mehr ein Lebewesen für den eigenen Erfolg manipulieren wollen." Dörr verspricht sich eine weltweite Steigerung der Attraktivität. Er finde es bezeichnend, wenn ein großer US-Fernsehsender "Ninja Warrior" im Hauptkanal zeige, während die Leichtathletik-WM auf dem zweiten Kanal laufe. "Dies ist ein eindeutiges Signal, dem es Rechnung zu tragen gilt, ob uns das gefällt oder nicht."

Für die Sportler bedeutet das Erlernen des Parcours einen enormen Aufwand. Rebecca Langrehr fragt sich, ob sie die Kraft für die neuen Aufgaben mitbringt: "Mein erster Eindruck war: Oh Gott. Ich bin nicht gut im Krafttraining, in Klimmzügen und Liegestützen." Dass sich die Sportler in einem "Dilemma" befinden, weiß auch Dörr. "Die Zeit der schlanken Riesen, wie sie derzeit die Szenerie des Modernen Fünfkampfs beherrschen, wird weitestgehend vorbei sein", sagt der DVMF-Präsident. "Viele werden nicht mehr konkurrenzfähig sein, auch wenn sie sich noch so sehr bemühen."

Mit dem neuen Format will der Weltverband vor allem auch seinen Olympia-Status erhalten. Die IOC-Forderung lautet, dass der fünfte Wettbewerb neben Fechten, Schwimmen und dem Laserrun (Schießen und Laufen) weltweit zugänglich, unter allen Altersklassen populär, dynamisch und attraktiv für Zuschauer weltweit sowie kostengünstig und leicht verständlich sein muss.

Der nächste Test erfolgt nächste Woche in Manila. An diesem Wochenende werden die Weltmeister aber noch klassisch ermittelt - mit Reiten auf zugelosten Pferden, aber eben auch mit dem Risiko, dass es ihnen ergeht wie Annika Schleu in Tokio.