Werbe-Shirt kostet Karl Schranz die Olympia-Teilnahme

aus Zeit-Lupe

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Der Österreicher Karl Schranz wurde 1972 um die Chance auf Olympia-Gold gebracht. Archivfoto: dpa

Weil der IOC-Präsident Avery Brundage auf den Amateurstatus pocht, wird der österreichische Ski-Superstar Karl Schranz 1972 von den Winterspielen in Japan ausgeschlossen. Bei...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Der Skirennläufer Karl Schranz stieg am 8. Februar 1972 unter großem Jubel in Wien aus dem Flugzeug, Zehntausende Fans säumten die Straßen. Die Medien überschlugen sich, der zweifache Gesamtweltcup-Sieger beherrschte die Titelseiten. Dabei brachte der damals 34-Jährige seinen Landsleuten keine Gold-Medaille aus dem fernen Japan, wo zu diesem Zeitpunkt die Olympischen Winterspiele stattfanden, mit. Schranz war kein einziges Mal die Berge von Sapporo hinuntergerutscht, weil der damalige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Avery Brundage, dem Wintersportler einen Verstoß gegen den IOC-Regelkanon „nachwies“. Was war passiert?

IOC-Präsident statuiert an Superstar ein Exempel

Karl Schranz, der Superstar, der Beste seiner Zeit, der mehrfache Weltmeister, hatte sich wenige Monate vor dem Großereignis für ein Benefiz-Fußballspiel zur Verfügung gestellt. Bei dem Shirts mit Werbung für eine Kaffee-Rösterei getragen wurden. Und Fotos geschossen. Eines davon landete auf Brundages Schreibtisch.

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Schranz, der Anfang der 1970er Jahre dem Skiausrüster Kneissl zu Weltruhm verhalf, war dem IOC-Chef aufgrund der medialen Präsenz seiner Sportart ein Dorn im Auge. An ihm ließ sich somit ein Exempel statuieren. Der Österreicher sei mit Werbung auf dem Shirt „Profi“, verteidigte der US-Amerikaner die IOC-Regel 26, die vorschrieb, dass der Sportler seine Disziplin nur maximal 60 Tage pro Jahr trainieren, mit seinem Namen, Gesicht oder seinen sportlichen Erfolgen zudem nicht werben dürfe. Schranz, der im Training von einem befreundeten Journalisten erfuhr, dass das IOC ihn mit 28:14 Stimmen von den Spielen ausgeschlossen hatte, verließ Sapporo nur unter Protest. Dem gesamten Skisport drohte das Olympia-Aus.

Die IOC-Entscheidung gegen ihr Idol löste bei den Österreichern eine Welle der Entrüstung aus. Zu seiner Ankunft in Wien gab es einen Empfang, der Skistar winkte aus dem Auto des Unterrichtsministers Fred Sinowatz und später vom Balkon des Bundeskanzleramtes in die Menge. Dass ausgerechnet dieser Ausschluss, mit dem Brundage den Amateurstatus verteidigte, dem Sponsoring im Sport die Tore öffnete, gehört zur Tragik der Ereignisse. 1990 hatte der Amateur-Paragraf schließlich ausgedient. Bis dahin waren direkte Zahlungen an Athleten offiziell untersagt.