Turnvater Jahn - Mit Barren und Reck gegen Napoleon

aus Zeit-Lupe

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Auf der Berliner Hasenheide legte Turnvater Jahn 1811 den ersten öffentlichen Turnplatz an. Foto: dpa

Mit dem Leitspruch „frisch, fromm, fröhlich, frei“ bildet Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn junge Männer im Turnen aus. 1811 baut er in Berlin den ersten...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Grazie, Kraft, Höchstschwierigkeiten und Technik – es bedarf einer Menge in der Sportart Turnen, damit Stars wie Fabian Hambüchen sich nach getaner Arbeit eine Medaille um den Hals hängen können.

Bei Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn, besser bekannt als Turnvater Jahn, auf den der Turnsport zurückgeht, hieß es noch „frisch, fromm, fröhlich, frei“, als er 1811 in Berlin den ersten öffentlichen Turnplatz in Betrieb nahm. Und es ging nicht um hohe Punktzahlen und Medaillen, sondern um körperliche Stärkung der Jugend und politische Ziele.

Jahn war schon früh ein Verfechter eines von Napoleon und Fremdherrschaft unabhängiges Deutschland, das auch mit dem „Flickenteppich“ des 18. Jahrhunderts nichts mehr zu tun haben sollte. Der 1778 geborene Thüringer machte später als Nationalist so sehr von sich reden, dass er sechs Jahre wegen Hochverrats im Gefängnis zubringen musste.

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Bei aller politischen Extremität hat der Turnsport dem Sprachlehrer allerdings viel zu verdanken: Mit dem Plan, Guerilla-Krieger in die französische Armee einzuschleusen und Preußen gegen Napoleon zu stärken, versammelte Jahn am 19. Juni 1811 in der Berliner Hasenheide Dutzende junge Männer zum Rumpfbeugen. Fortan prägten Männer in grauen Drillichanzügen das Bild des Parks. Leibesübungen als körperliche Betätigung für jedermann mit einem durchaus wehrpolitischen Nutzen.

Volksbewegung ist nicht mehr aufzuhalten

Das „Turnen“ wie Jahn den Begriff auch in die deutsche Sprache einführte, ergänzte er durch Spiele, Schwimmen, Fechten, Krafttraining mit Hanteln und – bedeutsam für die spätere Sportart – mit Geräten. Vorbild für Reckstange und Barren war Jahn dabei der Austausch mit Johann Christoph Friedrich GutsMuths, ein in Deutschland bereits anerkannter Bewegungspädagoge.

Was politisch motiviert begann, entpuppte sich schon in wenigen Jahren als „romantische Volksbewegung“. 1817 turnten bereits mehr als 12.000 Jahn-Anhänger auf den Turnplätzen von 150 Ortsvereinen. Die Bewegung ließ sich nicht aufhalten. 2015 zählte der Deutsche Turnerbund knapp fünf Millionen Mitglieder in knapp 18.000 Vereinen.