Triumphzug auf der Baustelle

aus Zeit-Lupe

Thema folgen
Sein größter Triumph: Leverkusens Trainer Erich Ribbeck mit dem Uefa-Pokal.Archivfoto: dpa

Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen holt gegen Espanol Barcelona ein 0:3 auf und gewinnt 1988 den Uefa-Pokal.

Anzeige

. Von Ulrich Gerecke

Den größten Triumph der Vereinsgeschichte müssen die Fans auf einer Baustelle feiern. Im Mai 1988 wird das Ulrich-Haberland-Stadion gerade zur BayArena umgemodelt, die Haupttribüne besteht nur noch aus Kränen und Gerüsten, ganze 22.000 Zuschauer finden dort noch Platz. Der Begeisterung über den ersten Gewinn eines europäischen Fußballpokals durch einen deutschen Verein seit fünf Jahren tut das jedoch keinen Abbruch.

Dabei sieht es am 18. Mai lange nach einem traurigen Abend für Bayer Leverkusen aus. Zwei Wochen zuvor hat die Werkself das Final-Hinspiel (damals galt noch das alte Endspielformat) bei Espanol Barcelona mit 0:3 verloren. Drei dämliche Gegentore innerhalb von elf Minuten machen die gute Gesamtleistung des Teams von Trainer Erich Ribbeck zunichte.

Im Rückspiel wird das Tor der Katalanen auf Teufel-komm-raus berannt, am Ende stehen vier Bayer-Angreifer auf dem Platz. In der 57. Minute markiert der Brasilianer Tita das 1:0, sechs Minuten später erhöht Falko Götz. „Das war das wichtigste Tor meiner Karriere“, sagt der in der DDR ausgebildete und später geflüchtete Stürmer. „Wir alle waren total heiß darauf, uns für die unnötige Niederlage im Hinspiel zu rehabilitieren.“ Neuen Minuten vor dem Abpfiff trifft der Südkoreaner Bum-Kun Cha zum 3:0 und erzwingt die Verlängerung, in der nichts mehr geht.

Anzeige

„Am Ende lagen wir mit Krämpfen auf dem Rasen“, erinnert sich die eingewechselte Klaus Täuber. „Halbglücklich, wir waren ja sensationell zurückgekommen. Nun lag es nur noch an uns.“ Doch beim Elfmeterschießen gibt es gleich den nächsten Nackenschlag, als Ralf Falkenmayer den ersten Strafstoß nicht im Tor unterbringen kann. Espanol führt mit 2:0, doch von da an trifft nur noch Bayer: erst Wolfgang Rolff, der 1983 mit dem Hamburger SV den Landesmeistercup gewonnen hatte, dann Herbert Waas und schließlich Täuber. Bei Espanol hämmert Santi Urkiaga den Ball an die Latte und Manuel Zuniga scheitert an Bayer-Torwart Rüdiger Vollborn. Den letzten Strafstoß jagt Sebastian Losada über das Tor in den Nachthimmel. ZDF-Reporter Günter-Peter Ploog jubiliert: „Ich habe schon gewusst, warum ich meinen Videorekorder daheim bis 23 Uhr programmiert habe.“