Skispringer „Buwi“ Bradl knackt als erster Mensch die 100 Meter

aus Zeit-Lupe

Thema folgen
Mit 18 Jahren über 100 Meter: Skispringer Sepp „Buwi“ Bradl aus Österreich. Archivfoto: FIS

Im slowenischen Planica fällt die magische Grenze: Ein Österreicher mit deutschen Wurzeln landet am 15. März 1936 bei 101,5 Metern.

Anzeige

. Von Ulrich Gerecke

Am 15. März 1936 fällt im slowenischen Planica eine der magischen Grenzen des Sports, vergleichbar mit den 10,0 Sekunden über 100 Meter, der Vier-Minuten-Meile oder den sechs Metern im Stabhochsprung. Kein Mensch ist bis zu diesem Tag auf Skiern über 100 Meter weit geflogen. Die Traummarke knackt aber keiner der alles überragenden Norweger, sondern ein Österreicher mit deutschen Wurzeln und einer bewegten Biografie.

Sepp Bradl (1918-1982), den alle nur „Buwi“ nennen, wurde in Wasserburg am Inn geboren, siedelte aber schon als Säugling nach Mühlbach bei Salzburg um, wo er bis zu seinem Tod den Alpengasthof Rupertihaus führen sollte. 1936 ist der Halbwaise, der mit zwölf Jahren den Tod seines Vaters beim Bergsteigen hautnah miterleben musste, bereits ein Etablierter der Szene. Kurz vor Planica wird er bei Olympia in Garmisch-Partenkirchen 19.

Norweger protestieren

Anzeige

Eigentlich gelten die Norweger um Doppel-Olympiasieger Birger Ruud und Reidar Andersen als erste Anwärter auf den ersten 100-Meter-Flug. Doch das Team verabschiedet sich vorzeitig aus Planica – aus Protest gegen den gigantischen Schanzenneubau. Die Rekordjagd ist im Skizirkus nicht unumstritten. 1928 hatte der Weltverband FIS 80 Meter als Limit für Sprünge festgelegt und erklärt, die Stilnote dürfe nie wichtiger werden als die Weite.

„Buwi“ Bradl sind die Debatten egal. Im zweiten Durchgang legt er sich perfekt auf den Aufwind, landet bei 101,5 Metern und in der Sportgeschichte. Später vertraute der damals 18-Jährige einem Reporter an: „I hoab damals wegen dem Sprung Arbeit bekommen, a richtige Arbeit, a Lehrstelle! Beim Lanz in Salzburg, woaßt eh, dem Trachtengeschäft.“

Dass der Erfolg keine Eintagsfliege ist, beweist Bradl noch öfter. 1939 wird er für das Deutsche Reich im polnischen Zakopane Weltmeister, 1953 gewinnt er die allererste Vierschanzentournee. Das Skistadion in Bischofshofen trägt heute seinen Namen, Nur bei Olympia hat „Buwi“ Bradl nie Glück: 1948 darf er nicht in St. Moritz starten, weil er angeblich für die Waffen-SS im Krieg kämpfte, 1952 in Oslo stürzt er, 1956 in Cortina d’Ampezzo wird er mit 38 Jahren nur Zwölfter.

Ein Video von Sepp Bradls Rekordsprung: