Pseudo-Priester klaut das Marathon-Gold

aus Zeit-Lupe

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Vanderlei Lima (links) wird von Cornelius Horan festgehalten und um sein olympisches Marathongold gebracht. Archivfoto: dpa

Athen, 29. August 2004: Vanderlei Lima strebt einsam und allein dem Gold im olympischen Marathonlauf entgegen. Doch kurz vor dem Ziel lässt ein religiöser Fanatiker seinen...

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. Vanderlei Lima hätte verzweifelt, wütend, erzürnt sein müssen. Gerade hatte ein religiöser Fanatiker seinen Traum vom olympischen Marathongold brutal zerstört. Doch Vanderlei Lima haderte nicht - er freute ich lieber über seine Bronzemedaille. "Das war mein Ziel, das habe ich erreicht - egal, was passiert ist", lächelte der Brasilianer.

An diesem 29. August 2004 strebte Lima auf den Straßen von Athen ungehindert dem Olympiasieg entgegen. Wenige Kilometer vor dem Ziel lag der 35-Jährige klar vorn, doch dann passierte die Katastrophe: Plötzlich löste sich aus dem Zuschauerspalier ein Mann namens Cornelius Horan, hielt Lima fest, brachte ihn völlig aus dem Tritt. Polyvios Kossivas, ein griechischer Zuschauer, schaltete blitzschnell, riss Horan zu Boden und Lima konnte seinen Lauf nach 20 Sekunden Unterbrechung fortsetzen. "Das war sehr mutig von ihm", bedankte sich der Brasilianer hinterher. "Ich wurde von dem Angriff völlig überrascht und konnte mich nicht verteidigen. Ich war nur auf das Rennen konzentriert."

"Ich bin trotzdem stolz auf mich"

Dieses endete für Lima auf Platz drei. Nach der Zwangspause verlor er seinen Rhythmus, musste erst den späteren Sieger Stefano Baldini aus Italien und dann noch Mebrahtom Keflezighi (USA) passieren lassen. Trotzdem war er sich sicher, nicht Gold verloren, sondern Bronze gewonnen zu haben: "Ich bin trotzdem stolz auf mich, denn diese Medaille ist das Ergebnis harter Arbeit."

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Der Angreifer Cornelius Horan, ein suspendierter katholischer Priester aus Irland, war bereits ein Jahr zuvor auffällig geworden: Damals war er beim Formel-1-Grand-Prix im englischen Silverstone auf die Rennstrecke gelaufen. Bei seiner perfiden Tat in Athen trug er deshalb ein Schild, auf dem er sich selbst als "Grand Prix Priester" bezeichnete. Nach dem Angriff auf Lima wurde Horan zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 3.000 Euro verurteilt. Aus einer Goldmedaille hätte Vanderlei Lima sicher noch viel mehr Kapital schlagen können.

Die Endphase des olympischen Marathonlaufs 2004 mit dem Angriff auf Vanderlei Lima:

Cornelius Horans Störmanöver in Silkverstone 2003: