Olympia-Gold: Nils Schumann düpiert Weltelite

aus Zeit-Lupe

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Nils Schumann ist am Ziel seiner Träume - Olympiasieger. Archivfoto: dpa

Sein Jubelschrei ging um die Welt: der 22-jährige 800-Meter-Läufer Nils Schumann darf sich nach 1:45,08 Minuten im Finallauf von Sydney Olympiasieger nennen. An den großen...

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. Nils Schumann war als schwieriger Charakter verschrien, als Trainingsmüder, dem Übungsleiter immer wieder in den Hintern treten müssen, als mieser Taktiker, der einzig auf seine enorme Spurtstärke setzt, als Laufbahn-Rowdy mit Ellbogenvorteil. Als der 22-jährige 800-Meter-Läufer am 27. September 2000 nach 1:45,08 Minuten die Ziellinie passiert, sechs Hundertstel vor Weltmeister Wilson Kipketer, zählt sein Ruf nichts und sein Jubel alles. Deutschland hat mal wieder einen Olympiasieger im Laufen, Schumanns Heimatgemeinde Großengottern, ein 2100-Seelen-Örtchen im Thüringischen, wird weltweit bekannt.

Trainingslager statt Meetings

Dabei hatte es für den maximal als Anwärter auf Bronze gehandelten Schumann gar nicht so gut ausgesehen. Mit Ach und Krach hatte er überhaupt die Olympianorm geknackt, vor dem Saisonhighlight dann einem Trainingslager in Oberhof den Vorzug gegeben. Bei den Meetings in Zürich, Brüssel und Berlin legten die Favoriten André Bucher (Schweiz), Juri Borsakowski (Russland) und Andrea Longo (Italien) deutlich bessere Zeiten vor – darüber täuschte auch Schumanns im Halbfinale von Sydney gelaufene persönliche Bestzeit (1:44,22) nicht hinweg.

Schumann war noch in der Schlusskurve eingeklemmt. Als aber Longo – und nicht etwa der Deutsche – Bucher einen gewaltigen Rempler mitgab und den Schweizer aus dem Tritt brachte, öffnete sich für Schumann eine Lücke. „Da ging die Post ab, dass mir fast die Beine weggeflogen sind“, erinnert sich der heute 37-Jährige an den entscheidenden Moment, an dem er zwischen den Gegnern hindurch schlüpfte.

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Drei Achillessehnen-OPs

Im unnachahmlichen Schlussspurt rauschte Schumann, die Gunst der Stunde und den Trainingsrückstand des Dänen nutzend, auch an Kipketer vorbei. „Ich habe ganz bewusst nicht auf die große Videotafel gestarrt. Dann sah ich die Ziellinie und war mir immer noch nicht sicher“, sagt Schumann. Und dann schreit der Thüringer seine Freude heraus. Ein Bild, das um die Welt ging. Auch, wenn Schumann nach drei Achillessehnenoperationen nie mehr an diesen Erfolg anknüpfen konnte – der Freudenschrei ist noch bis heute zu vernehmen.