„Normaler Kerl“ auf dem Dach der Welt

aus Zeit-Lupe

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Gipfelstürmer unter sich: Edmund Hillary (rechts) und Tenzing Norgay kurz nach der Erstbesteigung des Mount Everest.Archivfoto: dpa

Edmund Hillary und Sherpa Tenzing Norgay erklimmen 1953 den höchsten Berg der Erde – und kommen heil vom Mount Everest zurück.

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. Von Ulrich Gerecke

Edmund Hillary war für seine scharfe Zunge ebenso bekannt wie für seine sportliche Ausdauer. Es komme nicht darauf, erklärte der Neuseeländer einmal, der erste Mensch zu sein, der den Mount Everest besteigt. Entscheidend sei, dass man lebend wieder herunterkomme. Der Neuseeländer schaffte beides am 30. Mai 1953 in Begleitung seines Sherpa Tenzing Norgay. Noch während der Rückreise nach Großbritannien, von wo seine Expedition gesponsert worden war, wurde er in den Adelsstand erhoben. Als der frisch gebackene Sir im Radiosender BBC einen Bericht über seine Tour hörte, zeigte er feinen Humor: „„Als ich das hörte, dachte ich: Wir haben es wirklich geschafft. Wenn die BBC es meldet, muss es ja wohl stimmen.“

Doch Hillary, 1919 in Auckland geboren, konnte auch anders: In den letzten Jahren vor seinem Tod (2008) geißelte er immer wieder den kommerziellen Massentourismus im Himalaja, schimpfte über Alpinismus-Amateure, die sich mit dem Erklimmen des Dachs der Welt aus falschem Ehrgeiz übernähmen und in Gefahr begäben: „Die Kletterer haben den Mount Everest in die höchstgelegene Müllhalde der Welt verwandelt.“

Mit seinem Seilschaft-Partner Tenzing Norgay verband ihn hingegen eine lebenslange Freundschaft, auch wenn nepalesische Medien kolportierten, der Sherpa sei als Erster auf dem Gipfel gewesen und man habe ihn gezwungen, Hillary den Nachruhm zu überlassen. Die beiden einigten sich auf die Sprachregelung, sie hätten den Berg gemeinsam bezwungen. Wobei auch das nicht in Hillarys Sprachschatz passte. „Es ist nicht der Berg, den wir bezwingen – wir bezwingen uns selbst“, pflegte er zu sagen. Eine Steilstufe im Grat kurz unterhalb des Mount-Everest-Gipfels trägt heute den Namen „Hillary Step“. Das Time-Magazin reihte das Duo in die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts ein.

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Bei all seiner Himmelstürmerei legte Sir Edmund Hillary jedoch Wert darauf, mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben zu sein: „Man muss kein fantastischer Held sein, um bestimmte Dinge zu erreichen, um erfolgreich zu sein. Man kann ein normaler Kerl sein, der ausreichend motiviert ist, um herausfordernde Ziele zu meistern.“