Michael Groß: Die schlimmste Niederlage für den "Albatros"

aus Zeit-Lupe

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Nach seinen Einzelrennen jubelte Michael Groß noch über Olympiagold, nach der Staffel ist er am Boden zerstört. Archivfoto: dpa

Los Angeles, 30. Juli 1984: Michael Groß ist auf dem Weg zum Staffelgold, doch auf den letzten Metern gleitet dem Wunderschwimmer der sicher geglaubte Olympiasieg noch aus den...

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. Michael Groß ist Weltrekorde en masse geschwommen, war x-facher Welt- und Europameister und dreimal Olympiasieger. Doch auch in der einmaligen Schwimmkarriere des Offenbachers gibt es das eine Rennen, das er gerne noch einmal bestreiten würde, von dem er in seiner Autobiografie "Siegen kann jeder" sagt: "Es ist die größte Niederlage meines Lebens." Weil drei Teamkollegen nicht Olympiasieger wurden.

Es ist der 30. Juli 1984 in Los Angeles, das Olympiafinale in der 4 x 200 m Freistilstaffel. Mit einer guten Sekunde Rückstand auf den letzten Schwimmer der USA springt Groß als Deutschlands Schlussschwimmer ins Wasser. Thomas Fahrner, Dirk Korthals und Alexander Schowtka haben gute Vorarbeit geleistet, nun muss der in L.A. bereits zweimal mit Gold dekorierte "Albatros" das Rennen gegen den der Papierform nach deutlich schwächer eingestuften Amerikaner Bruce Hayes nur noch nach Hause schwimmen.

Vier Hundertstelsekunden fehlen am Ende zum Gold

Groß legt auch gleich los wie verrückt, hat den US-Boy nach 50 Metern eingeholt und zieht locker seine Bahnen. Doch im Schlussspurt mobilisiert Hayes ungeahnte Kräfte, Groß atmet zur falschen Seite und sieht das Unheil nicht kommen. Am Ende entscheiden vier Hundertstelsekunden die dramatischste Staffel aller Zeiten. Beide Teams unterbieten den Weltrekord deutlich, doch die USA siegen hauchdünn in 7:15,69 Minuten.

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"Groß-Busters" titelt der "Los Angeles Herald" am nächsten Tag - Ausdruck der Freude und des Respekts vor dem deutschen Superschwimmer, der zuvor in den Einzelrennen die amerikanischen Ikonen Mike Heath und Pablo Morales entzaubert hatte. Der damals erst 20 Jahre alte Hesse aber ist am Boden zerstört: "Einen Vizeolympiasieg gibt es nicht. Die Silbermedaille ist kein Trost, man hat Gold verloren. Wer etwas anderes erzählt, gaukelt sich etwas vor." Groß gewann vier Jahre später inSeoul noch einmal Olympiagold. Für seine Kollegen kam diese Chance nie wieder.

Das dramatische 4 x 200 m Freistlrennen 1984 in Los Angeles: