"Mauerfall kostet die WM-Qualifikation"

aus Zeit-Lupe

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Der Abgang: Während im Hintergrund die Österreicher feiern, verlässt Andreas Thom enttäuscht den Platz. Es war das letzte Pflichtspiel der DDR, die WM war verpasst.Archivfoto: imago

Die bittere 0:3-Niederlage der DDR gegen Österreich eine Woche nach dem Mauerfall - ein Stück Fußballer-Schicksal.

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. Von Bardo Rudolf

Es fehlte nicht viel zum großen fußballerischen Erfolg. Wäre die Mauer in Berlin nicht am 9. November 1989, sondern nur eine Woche später gefallen, hätte sich die DDR vermutlich zum zweiten Mal in ihrer Historie nach 1974 für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert. Denn im entscheidenden Qualifikations-Spiel am 15. November 1989 in Wien gegen Österreich hätte schon ein Punkt gereicht, um das Ticket zu den Titelkämpfen in Italien zu lösen.

Doch dann gab es jenen historischen Abend, an den sich momentan ganz Deutschland erinnert. Die DDR öffnete ihre Grenzen, und Nationaltrainer Eduard Geyer hatte keine Chance mehr, seine Mannschaft professionell auf die entscheidende Partie vorzubereiten. In der Leipziger Sportschule, in der das Team residierte, war der einzige Telefon-Apparat dauerbesetzt. Die Spieler informierten sich ständig über die Ereignisse im Land. Und einige erhielten wohl auch schon erste Angebote von West-Klubs.

Und so gingen die Fußballer nicht mit 100-prozentiger Konzentration in diese so wichtige Partie. Hinzu kam, dass der später auch in der Bundesliga sehr bekannte Österreicher Toni Polster mit drei Treffern das Spiel seines Lebens machte und sein Team zum 3:0-Erfolg und damit nach Italien schoss. Die DDR hatte ihre letzte WM-Chance vertan. "Der Mauerfall hat uns die Qualifikation gekostet", war Geyer sicher.

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Das DDR-Team gegen Österreich: Heyne - Stahmann - Kreer, Schößler, Lindner, Döschner (43. Doll) - Stübner, Sammer (78. Weidemann), Steinmann - Kirsten, Thom.