Mark Spitz - mit Schnauzer und Sponsoren-Schuhen

aus Zeit-Lupe

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Jede Menge Edelmetall, alles in einer Hand: Mark Spitz 1972 in München. Archivfoto: dpa

US-Schwimmer Mark Spitz macht 1972 München mit sieben Goldmedaillen zu seinen Olympischen Spielen - und eckt an mit gesponserten Schuhen.

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. Von Ulrich Gerecke

MÜNCHEN. Er kam nach München, als einer, der – salopp gesagt – versagt hatte. Eigentlich hätte schon bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-City die große Stunde des Schwimmers Mark Spitz schlagen sollen. Offensichtlich kam der damals erst 18 Jahre alte Kalifornier mit dem Druck nicht zurecht, den er sich selbst im Vorfeld auferlegt hatte. Am Ende gab es statt der prophezeiten sechs Goldmedaillen nur deren zwei – und das auch nur in Staffelwettbewerben.

1972 in München ist der Zahnmedizinstudent physisch und mental besser vorbereitet. Am 28. August entscheidet er die 200 m Schmetterling in der Weltrekordzeit von 2:00,70 Minuten für sich. Eine Stunde später folgt der zweite Streich in der 4 x 100 m Freistilstaffel, ebenfalls mit Weltrekord (3:26,42).

Und so geht es weiter, eine Woche lang, Gold mit Weltrekord, insgesamt sieben Mal. Spitz, der mit drei Jahren auf Hawaii schwimmen lernte und mit sechs Jahren das systematische Training aufnahm, präsentiert sich als unschlagbare Schwimm-Maschine, reiht cool, smart und nahezu emotionslos Titel an Titel. Dabei ist er keineswegs ein Roboter und zeigt Talent zum Anecken. In einer Zeit, in der es im Schwimmsport mit den Ganzkörperrasuren los geht, steht er mit wallender Mähne und Schnauzbart auf dem Startblock. Nach seinem ersten Olympiasieg schwenkt er – gut sichtbar für die Fernsehkameras – die Schuhe seines Sponsors in den Händen. Die Gralshüter des Olympismus, die im Winter zuvor den österreichischen Skifahrer Karl Schranz wegen angeblich verbotener Werbung rausgeworfen hatten, verkneifen sich Sanktionen. Dass Spitz seinen Ruhm vermarkten wird, ist kein Geheimnis. Direkt nach München tritt er zurück.

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Sein Rekord wird erst 2008 in Peking von Landsmann Michael Phelps geknackt. Spitz selbst verlässt die olympischen Bühne am 6. September 1972 fluchtartig und notgedrungen nach dem Anschlag auf die Mannschaft Israels. Mark Spitz ist selber Jude, man fürchtet weitere Angriffe und fliegt den Superstar noch am selben Tag aus.