Lilia Ignatova - Letzter Mehrkampf nah an der Perfektion

aus Zeit-Lupe

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Lilia Ignatova gelingt mit den Keulen in Florenz eine perfekte Übung. Archivfoto: imago

Die Bulgarinnen erobern bei der Europameisterschaft der Rhythmischen Sportgymnastik in Florenz 1986 acht Goldmedaillen.

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. Von Björn-Christian Schüßler

Die Musik endet, das Band hängt schlaff am Stäbchen in ihrer Hand herunter, ihr letzter Mehrkampf auf der internationalen Bühne ist vorbei. Traurigkeit? Mitnichten. Lilia Ignatovas Augen leuchten. Die große Dame der 1980er Jahre in der Rhythmischen Sportgymnastik tritt nach der Europameisterschaft ab, lässt sich im September 1986 in Florenz aber nochmals feiern.

An der Anzeigetafel wird die Note ihrer Übung angezeigt: 9,975. Erstmals in diesem EM-Mehrkampf keine Perfektion. Nach der dreimaligen Bestnote 10,0 mit dem Seil, dem Ball und den Keulen reicht der 21-Jährigen der kleine Makel dennoch: Gold!

Herbe Schlappe für Sowjetunion

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Für die Bulgarin ist dieser neuerliche Titel nichts Besonderes. Zu dominant war die Athletin in den Vorjahren. Wie überhaupt ihr Heimatland Bulgarien in der Sportgymnastik Titel um Titel, Erfolg um Erfolg abräumt. Ignatova spürte 1985 bei der Weltmeisterschaft bereits eine Art Wachablösung, als die erst 15-jährige Bianka Panova ihr erstes Einzelgold und Mehrkampfbronze gewann. Bei der EM in Florenz steht die „alte Dame“ mit dem jungen Hüpfer im Mehrkampf gemeinsam oben auf dem Treppchen. Bei der WM 1987 gelang Panova gar der perfekte Wettkampf. Die beiden Bulgarinnen sichern sich neben Mehrkampfgold in Florenz auch die EM-Titel mit dem Seil, mit den Keulen sowie im Teamfinale. Zudem gewinnt Ignatova Silber mit dem Band. Insgesamt gehen acht der elf vergebenen Goldmedaillen an Bulgarien, weil sich auch Adriana Dunavska mit dem Ball in die Siegerliste einträgt. Ein herausragendes Ergebnis und eine böse Schlappe für die Hauptkonkurrentinnen aus der Sowjetunion.

Die Musik ist verklungen, das Band hängt schlaff herab. Von Ruhe aber keine Spur: Knapp 5000 Zuschauer im Palazzo dello Sport applaudieren Europas anmutigster Gymnastin. Und ihre Augen leuchten.