Johann Mühlegg - Der Dominator im finnischen Kühlhaus

aus Zeit-Lupe

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Wie ein wilder Stier stapft Johann Mühlegg den Anstieg hinauf. In seinem Schlepptau wird René Sommerfeldt Zweiter.Foto: dpa

Im November 1999 war "Weihwasser-Johann" zum spanischen Verband gewechselt. Nicht einmal zwei Jahre später gewinnt Mühlegg bei minus 20 Grad im finnischen Lahti für seine...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Lahti. Eisverkrustet stapfen die beiden Deutschen René Sommerfeldt und Johann Mühlegg durch die klirrende Kälte im „Kühlhaus von Lahti“. Während die Damen bei der Weltmeisterschaft bei unter minus 20 Grad Celsius nicht in die Loipe gehen dürfen, müssen die Herren ihre 50-Kilometer-Tortour durch das finnische Eis in Angriff nehmen. Gottlob, werden die beiden Deutschen sagen, denn am Ende dieses 25. Februar 2001 baumelt um den Hals des Sachsen eine Silbermedaille. Und Mühlegg ist endlich da, wo er sich immer schon gesehen hat – an der absoluten Spitze.

Deutscher Doppelsieg? Nicht ganz, denn der Bayer Mühlegg startet seit dem 11. November 1999 für Spanien, nachdem er sich mit dem Deutschen Skiverband in der „Geister-Affäre“ überworfen hatte. Angeblich hatte der frühere Bundestrainer Georg Zipfel seinen Schützling bewusst gemobbt und dessen Speisen verhext, um Mühleggs Leistungsvermögen zu schmälern. Nur Weihwasser der „Gnade“, wie Mühlegg seine portugiesische Putzfrau und Heilerin nannte, konnte ihn gegen Zipfel „schützen“.

Mehrfacher Juniorenweltmeister

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Ohne Zweifel galt Mühlegg als eines der größten Langlauf-Talente in Deutschland. Der mehrfache Juniorenweltmeister fühlte sich allerdings nicht ausreichend gewürdigt und machte Zipfel verantwortlich – folgerichtig der Ausschluss 1998 aus dem DSV-Kader und der Wechsel ins spanische Lager.

Typisch spanisch, wie ein wilder Stier, stampfte Mühlegg auf der Marathonstrecke in Lahti die Konkurrenz in Grund und Boden. Recht zeitig kassiert der 1,85-Meter-Sportler den zwei Minuten vor ihm gestarteten Sommerfeldt. Dann zieht er seinen ehemaligen Teamkameraden kraftvoll wie eine Lokomotive im Windschatten hinter sich her. Im Ziel hat Mühlegg 1,56 Minuten Vorsprung auf Platz zwei und sogar genug Energie zum Scherzen: „Die Augen müssen erst wieder auftauen“, ehe er seinen Sieg genießen könne. Schließlich erklingt erstmals in einem Langlaufstadion die spanische Hymne. Eine Demonstration.

Doping-Gerüchte machen fortan die Runde. Und der Wahl-Spanier tappt tatsächlich in die Ehrgeiz-Falle: Beim Dreifach-Gold bei Olympia in Salt Lake City 2002 ließ sich Mühlegg mit dem Epo-Wirkstoff Aranesp erwischen.