"Glauben Sie an Wunder?"

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Die Amerikaner jubeln - die favorisierte Sowjetunion (CCCP) ist geknickt. Archivfoto: imago

Olympische Spiele, Lake Placid, 1980, 22. Februar, Eishockey-Finalrunde, David gegen Goliath, USA gegen UdSSR, 4:3. Eine Sensation!

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. Von Björn-Christian Schüßler

"Do you believe in miracles?" - "Glauben Sie an Wunder?" Mit dieser Frage kommentierte ABC-Reporter Al Michaels die letzten Sekunden des als "Miracle on Ice" in die Sportgeschichte eingegangenen 22. Februar 1980. Es sind die Olympischen Winterspiele, es ist Eishockey, und kurz nach der Schlusssirene hat ein College-Team der USA gerade die als Profis eingestufte Übermannschaft der Sowjetunion sensationell mit 4:3 besiegt. Die Sowjetunion, die seit 20 Jahren die Eishockey-Szene beherrschte, die in der Vorrunde jeden Gegner zweistellig abfertigte und eine Woche vor dem Turnier in Lake Placid gegen das neu formierte US-Team noch eine 10:3-Duftmarke gesetzt hatte.

Der politische Kalte Krieg, der Weihnachten 1979 mit dem Einmarsch der UdSSR in Afghanistan ihren zwischenzeitlichen Höhepunkt gefunden hatte, war in der Eishalle deutlich zu spüren. Nach neun Minuten war der haushohe Favorit in Führung gegangen. Doch Buzz Schneider glich aus. Noch zweimal gingen die Sowjets in Front, doch die USA kamen immer wieder zurück. In der 49. Minute der Clou: Mike Eruzione brachte den Puck zum 4:3 über die Torlinie. Dann hieß es mit Mann und Maus verteidigen.

"Zehn Minuten noch. Die Russen wirkten verzweifelt, sie schossen den Puck einfach nach vorne, das machten sie sonst nie. Unser Torhüter Jim Craig spielte das Spiel seines Lebens. Mit jeder Minute wurden die Sowjets hektischer und wir immer sicherer", erinnert sich Eruzione im Spiegel-Interview. Dann war das Wunder da. Da die USA auch Finnland in der Finalrunde bezwangen, wurde das Eishockey-Wunder des 22. Februar 1980 am Ende vergoldet.