George Horine - mit Stilbruch durch die Schallmauer

aus Zeit-Lupe

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In Stockholm reichte es für George Horine „nur“ zu Bronze, dafür war er der erste Zwei-Meter-Springer der Geschichte.Foto: gemeinfrei

George Horine ist heute vergessen, dabei überquerte der Kalifornier als Erster die Zwei-Meter-Marke im Hochsprung.

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. Von Ulrich Gerecke

„Dieser junge Mann hat sich Ruhm erworben und sein Name wird in die Geschichte eingehen als der größte Hochspringer, den die Welt je gekannt hat“, schwärmte die Zeitung „San Francisco Call“. Nun, manchmal liegen auch Journalisten daneben. George Leslie Horine (1890 bis 1948) ist heute in Vergessenheit geraten. Dabei war der Kalifornier einer der großen Schallmauer-Brecher der Leichtathletik, so wie Armin Hary im Sprint, Roger Bannister im Meilenlauf oder Jonathan Edwards im Dreisprung. Horine war der erste Mensch, der mehr als zwei Meter hoch sprang.

Für seinen Nachruhm gab es jedoch zwei „Probleme“. Erstens stellt Horine seine Marke am 18. Mai 1912 bei den Olympia-Ausscheidungen auf, also zu einer Zeit, als Sport noch längst nicht im Fokus der Massenmedien angekommen war. Zweitens tat er das Ganze in einem Land, in dem das metrische System ein Schattendasein fristete. Für seine Landsleute hatte Horine sechs Fuß und sieben Inches überquert. Das ist alles, nur keine Schallmauer.

Weil Horine Wochen später bei Olympia in Stockholm „nur“ Bronze holte und sein Weltrekord – der erste von der IAAF offiziell anerkannte – zwei Jahre später gelöscht wurde, geriet der in Escondido geborene Student schnell in Vergessenheit. Was am Längsten von Horine blieb, war sein Sprungstil. Er gilt als Erfinder der „Western-Rolle“, die den Scherensprung ablöste und für zwei Jahrzehnte das Mittel der Wahl aller Weltklasse-Hochspringer blieb, bevor erst der Straddle und dann der Fosbury-Flop höhere Sprünge zuließen.

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Ironischerweise war Horines Technik ein aus der Not geborenes Zufallsprodukt. Im Hinterhof seines Studentenwohnheims in Palo Alto hatte er sich eine private Sprunganlage gebaut, die nur einen Anlauf von rechts zuließ. Zudem hatte Horine einen leicht deformierten Rücken. Aus diesen Zwängen entwickelte er seine ganz eigene Technik, bei der er sich rückwärts über die Latte wälzte.

Sein Trainer wollte ihm diese „Unart“ abgewöhnen, Konkurrenten sahen sie gar als irregulär an. Doch als Horine begann, auf diese Weise Rekorde zu knacken, war die Diskussion schnell beendet. Höher als sechs Fuß und sieben Inches sollte er allerdings nie springen.