Erst Rekordbrecher, dann Dschungelheld

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Macht schon vor „Tarzan“ eine gute Figur: Johnny Weissmuller am Beckenrand.Archivfoto: dpa

Bevor er Tarzan wurde, schwamm Johnny Weissmuller die 100 Meter unter einer Minute

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. Von Ulrich Gerecke

Es ist eine typisch amerikanische Karriere, vom Tellerwäscher zum Millionär, allerdings dann auch wieder zurück. Die Legende von Johnny Weissmuller ähnelt einem Filmstoff, der deutlich mehr hergab, als alle zwölf Tarzan-Filme zusammen, in denen der vormalige Schwimmstar mehr dilettierte als imponierte. „Das Publikum verzeiht mir meine Schauspielerei, weil es weiß, dass ich ein Athlet bin“, hat Weissmuller selbst einmal gesagt.

Der Athlet Weissmuller, geboren 1904 als János Weißmüller in Szabadfalu nahe der ungarisch-rumänischen Grenze, erlebte seine vielleicht größte Stunde am 9. Juli 1922: Im kalifornischen Alameda schwamm der 18-Jährige die 100 Meter Freistil in 58,6 Sekunden und blieb damit als erster Mensch unter der Eine-Minute-Schallmauer. Für den im Alter von sieben Monaten nach Amerika ausgewanderten Weissmuller ist es auch ein Triumph über sich selbst: Als Kind war er oft krank und schmächtig, weshalb Ärzte ihn zum Schwimmen schickten. Er verließ mit zwölf die Schule, lebte auf der Straße, verdingte sich als Page und Liftboy.

Seine ersten Trainer konnten mit dem halben Hemd Weissmuller nichts anfangen, bis ihn William Bachrach in Chicago entdeckte. Unter dem Starcoach perfektionierte Weissmuller den von Charles Daniels entwickelten „American Crawl“-Stil, bei dem der Oberkörper hoch im Wasser liegt. „Ein ästhetischer Genuss“, schwärmt nicht nur der Sportfotograf Lothar Rübelt.

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Johnnys Stil ist nicht nur schön, sondern auch superschnell. 1924 und 1928 wird Weissmuller fünfmal Olympiasieger, danach lockt Hollywood. Drei Millionen Dollar soll der einst dürre Kerl, der mittlerweile zum Modellathleten gereift ist, an den in den 1930er Jahren entstandenen Streifen verdient haben. Das Geld zerrann ihm ebenso zwischen den Fingern wie vier Ehen, am Ende arbeitete er als Grüßonkel in einem Hotel in Las Vegas, erlitt einen Schlaganfall, starb völlig verarmt und erkrankt 1984 in Acapulco. Als man seinen Sarg in die Grube hinabließ, ertönte vom Band sein Tarzan-Schrei. Den hatte sich Johnny Weissmuller einst bei seinen jodelnden österreichischen Landsleuten abgeschaut.