Ede Geyer trainiert auf Rumänisch

aus Zeit-Lupe

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Vasile Miriuta (hier in Grün gegen Eintracht Frankfurt) gehörte wie zehn andere Legionäre zur Startelf der Cottbusser gegen Wolfsburg. Archivfoto: dpa

Am 6. April 2001 erlebt die Fußball-Bundesliga ein Novum. Energie Cottbus tritt gegen den VfL Wolfsburg ohne einen einzigen deutschen Spieler an.

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. Von Björn-Christian Schüßler

Piplica, Vata, Hujdurovic, Matyus, Reghecampf, Latoundji, Miriuta, Akrapovic, Kobylanski, Bitencourt, Labak. Die Aufstellung des FC Energie Cottbus im Bundesliga-Heimspiel am 6. April 2001 gegen den VfL Wolfsburg ist ein Novum im deutschen Profi-Fußball. Kein einziger Kicker hat einen deutschen Pass. Obendrein wechselt Trainer-Fuchs Ede Geyer schließlich mit Rödlund, Ilie und Wawrzyczek noch drei Legionäre ein.

Eine Frage des Geldes

Ein eigenwilliges Unterfangen: Bauen die großen Clubs zunehmend junge, hungrige Talente aus den Nachwuchsteams auf, werden überall im Land Grundsteine für Jugendleistungszentren gelegt, sucht man die Müllers, Hartmanns und Rickens in der Lausitz vergeblich. „Junge deutsche Spieler kosten viel Geld“, rechtfertigt Geyer die Aufstellung, mit der er den Wölfen beim 0:0 einen Punkt abringt. Cottbus hat einen schlanken Etat. Da muss man bei der Spielerverpflichtung ganz genau auf das Gesamtpaket schauen.

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Das ist aber nur eine Seite der Medaille, eine andere: Die Ausländer sind stärker. „Ich finde das gut. Es bringt doch nichts, unsere deutschen Stars immer in Watte zu packen und die Ausländer die Drecksarbeit machen zu lassen. Die jungen Deutschen sollen sich den Arsch aufreißen und sich die Stammplätze zurück erkämpfen.“

Für den DFB und sein Nachwuchskonzept ist die Aufstellung dagegen ein offener Affront. Dagegen setzt Geyer: „Wenn ein Jungspund kommt und sagt ,Trainer, ich will Tag und Nacht trainieren, um in die Startelf zu kommen‘, dann hat er auch Chancen. Aber es kommt ja keiner.“

Heimische Spieler verletzt

Christian Beeck, Sebastian Helbig und Volker Scherbe gehörten während der Saison immerhin zum Stammpersonal, waren vor dem Wolfsburg-Spiel aber verletzt. So schlug die Stunde der reinen Legionärstruppe: Acht Nationen versammelt der Trainer auf dem Platz, wechselt zudem mit dem Schweden Rödlund eine neunte Nation ein. Bosnier, Ungarn, Kroaten, Polen, Brasilianer, Beniner – wie trainiert man denn so ein Multi-Kulti-Team? „Auf Rumänisch“, sagt Geyer schelmisch grinsend in die TV-Kamera.

Die Verständigung klappt offensichtlich ganz gut. Denn am Ende der Saison landet Energie Cottbus auf dem 14. Tabellenplatz. Die fünf Deutschen im Kader – Beeck, Scherbe, Heidrich, Thielemann, Helbig – haben in immerhin 82 Einsätzen mit vier Toren dazu beigetragen.