Diese Teams können den Super Bowl gewinnen

Tom Brady ist Quarterback der Tampa Bay Buccaneers und mit 44 Jahren immer noch einer der besten Spieler der NFL. Foto: dpa

In der NFL ist die reguläre Saison gespielt und in den Playoffs sind noch acht Teams vertreten, Alt-Meister Tom Brady inklusive. Ein Blick auf die Mannschaften.

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MAINZ. Die erste Runde der NFL-Playoffs ist bereits gespielt. Am Samstagabend (22.30 Uhr deutscher Zeit) beginnt die Divisional Round, gleichzusetzen mit einem Viertelfinale - acht Teams sind noch im Rennen um den heißbegehrten Superbowl-Titel. Gespielt wird in einem KO-System, immer nur ein Match, der Gewinner zieht weiter. Heimrecht hat das Team, das in der regulären Saison besser abgeschnitten hat. Das sind die acht Teams, die noch im Wettbewerb vertreten sind.

Cincinnati Bengals (10 Siege, 7 Niederlagen in der regulären Saison):

Stärken: Nach einer Saison mit vielen Aufs und Abs überzeugte Cincinnati zuletzt vor allem mit der Offensive. Ein junges Team, angeführt von Quarterback Joe Burrow (25), der in der regulären Saison mit 8,9 die meisten Yards pro Passversuch wirft und im Zusammenspiel mit seinem „alten“ Teamkameraden vom LSU-College, Passempfänger Ja’Marr Chase (21), ein geniales Duo bildet.

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Schwächen: Bei aller offensiver Feuerkraft: Der Schutz des Quarterbacks ist ein Dauerproblem in Cincinnati. Denn: Die Bengals haben eine der schwächsten Offensive Lines der NFL, die Abwehrspieler der Gegner haben Joe Burrow schon 51 Mal zu Boden gerissen. So oft wurde kein anderer Spielmacher in der regulären Saison per Sack gestoppt. Außerdem bangen die Bengals in ihrer Defense noch um ihren Top-Passrusher Trey Hendrickson: Sollte der Verteidiger nach seiner Gehirnerschütterung im Wild Card Game gegen Las Vegas ausfallen, wird es dem Team von Headcoach Zac Taylor schwer fallen, Druck auf den gegnerischen Quarterback auszuüben.

Prognose: Die Bengals haben in der Wildcard-Runde am vergangenen Samstag zum ersten Mal seit 1991 wieder ein Playoff-Spiel gewonnen. Die Euphorie ist groß. Und zweifellos kann das Team an guten Tagen fast jedes NFL-Team schlagen. Doch die Playoffs, in denen jeder Fehler den K.o. bedeuten kann, stellen gerade für unerfahrene Teams eine besondere Herausforderung dar. Ein Sieg gegen die Titans ist noch durchaus realistisch, doch spätestens im Conference Final dürfte Schluss sein. Dieses Jahr zumindest.

Shootingstar Joe Burrow ist Quarterback bei den Cincinnati Bengals und ein großer Hoffnungsträger in "Queen City". Foto: dpa
Shootingstar Joe Burrow ist Quarterback bei den Cincinnati Bengals und ein großer Hoffnungsträger in "Queen City". (© dpa)

Tennessee Titans (12-5):

Stärken: Die Titans haben als bestes Team der AFC Conference abgeschlossen. Und nun steht auch noch das Comeback von Derrick Henry bevor. Der 28-Jährige gehört zu den besten Runningbacks der Liga, der wie ein Bulldozer die Abwehrreihen zu überrollen scheint. Auf unfassbare 2.028 Yards kam er allein in der vergangenen Saison. In dieser Spielzeit brach er sich im achten Spiel den Fuß, musste seitdem zuschauen. Das Laufspiel bildet dabei die Basis für Quarterback Ryan Tannehill, um zunächst Ballübergaben an Henry anzutäuschen und die gegnerische Verteidigung dann doch mit Pässen zu überraschen. Im Fokus steht mit AJ Brown dabei einer der besten Passempfänger der Liga. Und sollte Brown mal nicht anspielbar sein, dann haben die Titans immer noch Altmeister Julio Jones. Der 32-jährige Wide Receiver gehörte im vergangenen Jahrzehnt stets zu den besten Passempfängern der Liga. Auch wenn Jones mittlerweile häufig verletzt ist, mit AJ Brown zusammen bildet er ein starkes Duo.

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Schwächen: Die Defensive der Titans hat sich in dieser Saison auf einen starken Passrush, angeführt vom starken Jefferey Simmons, verlassen. Sollte der Passrush allerdings nicht schnell genug zu Bengals-QB Joe Burrow gelangen, wird die Passverteidigung von Tennessee vor einer schweren Aufgabe stellen. Insbesondere die Cornerbacks der Titans gehören nicht zur Liga-Elite und dürften Schwierigkeiten haben, das Passfeuerwerk aus Cincinnati zu stoppen.

Prognose: Mit Rückkehrer Derrick Henry werden die Titans auch in den Playoffs kaum zu stoppen sein. Sie haben definitiv gute Chancen, weit zu kommen – bei ihrer fünften Playoff-Teilnahme in den letzten sechs Jahren.

Titans-Safety Kevin Byard (in blau) hält in Tennessee die Passverteidigung zusammen. Darauf wird es auch gegen die Bengals ankommen. Foto: dpa
Titans-Safety Kevin Byard (in blau) hält in Tennessee die Passverteidigung zusammen. Darauf wird es auch gegen die Bengals ankommen. (© dpa)

Buffalo Bills (11-6):

Stärken: Kein anderes der 32 Teams hat vor den Play-offs weniger Punkte kassiert! Angeführt von den starken Safeties (quasi die Liberos in der Passverteidigung) Micah Hyde und Jordan Poyer haben die Bills die beste Defense der NFL. Natürlich haben sie jetzt auch viel Selbstvertrauen nach der 47:17-Machtdemonstration in der ersten Playoff-Runde gegen die New England Patriots. Quarterback Josh Allen brillierte, lieferte das beste Spiel seiner bisherigen Karriere ab. 306 Passing Yards, fünf Touchdown-Pässe, ein Rating von 157,6 – überragend. Und nicht nur durch die Luft ist Allen eine Gefahr: Der junge Quarterback der Bills ist auch im Laufspiel schwer zu stoppen.

Schwächen: Die Offensiv-Abteilung und die Special Teams schwächelten in der regulären Saison – davon war gegen die Patriots allerdings nichts mehr zu sehen. Dennoch: Vor allem die Offensive Line hat während der Saison schon einige Quarterback-Sacks zugelassen.

Prognose: Die Bills kamen gegen Ende der Saison mächtig ins Rollen, haben die jüngsten fünf Spiele gewonnen. Wenn vor allem Josh Allen die Leistungen der vergangenen Wochen weiterhin annähernd abrufen kann, ist der Einzug in den Superbowl absolut realistisch.

Die Buffalo Bills setzen in den Playoffs auf ihren Quarterback Josh Allen (Nummer 17). Foto: dpa
Die Buffalo Bills setzen in den Playoffs auf ihren Quarterback Josh Allen (Nummer 17). (© dpa)

Kansas City Chiefs (12-5):

Stärke: Die Chiefs verfügen über enormes Potenzial in ihrer breit aufgestellten Offensive. Dirigiert wird die Touchdown-Maschinerie aus dem Mittleren Westen von Quarterback Patrick Mahomes. Der 26-Jährige ist bereits in zartem Quarterback-Alter hochdekoriert. Er hat den Superbowl gewonnen, war MVP (Auszeichnung für den wertvollsten Spieler einer Saison und Superbow-MVP – und hat bei den Chiefs einen Vertrag über 500 Millionen Dollar über 10 Jahre unterschrieben. Seine Pässe fangen vor allem Passempfänger Tyreek Hill, der schnellste Mann der NFL, und Tight End Travis Kelce.

Auch die Defensive spielt sehr souverän und steigerte sich im Laufe der Saison, insbesondere im Passrush und mit einem aggressiven Spielstil. Außerdem hat der Superbowl-Sieger von 2019 viel Playoff-Erfahrung – in den vergangenen sieben Jahren war KC immer dabei.

Schwächen: Zu Beginn der Saison schien es, als hätten die Verteidigungen der NFL den Chiefs-Code geknackt. Sie nahmen Mahomes weitgehend die Chance auf spektakuläre Bigplays und zwangen die Offensive stattdessen in kurze Pässe und Laufspiel. Das erfordert Geduld – und die hatte Mahomes oft nicht. Außerdem sollte man immer ein Auge auf das Game Management von Coach Andy Reid haben: So gut „Big Red“ auch darin ist, eine Offense zu entwickeln, so desolat ist teilweise sein Umgang mit Timeouts und Entscheidungen gegen Ende des Spiels.

Prognose: Die Chiefs gehören definitiv zu den Favoriten. Angeführt vom starken Quarterback Patrick Mahomes (26) haben sie große Chancen zum dritten Mal in Folge den Superbowl zu erreichen.

Patrick Mahomes, von manchen als "Golden Boy" - Goldjunge - bezeichnet, will mit den Kansas City Chiefs im dritten Jahr in Folge ins Finale. Foto: dpa
Patrick Mahomes, von manchen als "Golden Boy" - Goldjunge - bezeichnet, will mit den Kansas City Chiefs im dritten Jahr in Folge ins Finale. (© dpa)

San Francisco 49ers (10-7):

Stärken: Nach dem holprigen Start in die Saison haben die 49ers wieder zu ihrem Spiel gefunden und werden in den Medien mitunter als das ultimative Team beschrieben: Basis ist das explosive Laufspiel um Rookie Elijah Mitchell und die Hybrid-Waffe Deebo Samuel, der sowohl als Läufer als auch als Passempfänger brilliert und stellvertretend für die flexible Offensive von Trainer Kyle Shanahan steht. Hinzu kommt als weitere Schlüsselfigur Tight End George Kittle, der eine überragende Saison spielt und für jedes Team schwer zu verteidigen ist.

Schwächen: Die 49ers spielen laut Statistik in der ersten Halbzeit schwächer, brauchen zu oft lange, um durchzustarten. Außerdem müssen sie möglicherweise auf den wichtigen Defensivspieler Nick Bosa verzichten, der sich beim Playoff-Sieg gegen die Cowboys verletzte. Das wäre ein schwerer Verlust für die Defensive Line. Auch Fred Warner ist angeschlagen. Der Linebacker zählt zu den besten Vertretern seiner Zunft und ist eine Art „Quarterback der Defense“. Abzuwarten bleibt auch, welches Gesicht Quarterback Jimmy Garoppolo in der Divisional Round präsentiert. Meist ist „Jimmy G“ ein solider Quarterback, der die Offense so umsetzt, wie Coach Kyle Shanahan es wünscht. Doch dann hat er Aussetzer, die San Francisco stets das Spiel kosten könnten – in den Playoffs könnten solche Momente über Sieg und Niederlage entscheiden.

Prognose: Die 49ers haben bewiesen, dass sie unter Druck am besten spielen. Gerade in den Playoffs können sie damit punkten. Dennoch zählen sie unter den verbliebenen acht Teams zu den Außenseitern. Der Knackpunkt wird letztlich Quarterback Garoppolo sein.

Wide Receiver Deebo Samuel (mit Ball) kommt vielseitig zum Einsatz für die San Francisco 49ers. Foto: dpa
Wide Receiver Deebo Samuel (mit Ball) kommt vielseitig zum Einsatz für die San Francisco 49ers. (© dpa)

Green Bay Packers (13-4):

Stärken: Die Packers haben durch ihr Paket aus starker und sorgfältig konzeptionierter Offensive und solider Passverteidigung die NFC Conference gewonnen. Die Offensive besticht vor allem durch Quarterback-Routinier und amtierenden MVP Aaron Rodgers (38) und dessen Zusammenspiel mit seinem Lieblingspassempfänger Devante Adams – für viele der kompletteste Wide Receiver der Liga. Rodgers ist immer für einen herausragenden Spielzug gut, führte die Packers vor zwölf Jahren zum Superbowl-Sieg.

Schwächen: Keine Frage – die „Run-Defense“ ist das Sorgenkind bei den Packers. Die Defensive tut sich schwer, die Laufspiele der gegnerischen Runningbacks zu stoppen. Hier befindet die Verteidigung aus Wisconsin in fast allen relevanten, wie etwa dem zugelassenen Raumgewinn pro Laufspielzug, unter den schlechtesten Teams der Liga. Hinzu kommt schon fast traditionell, dass es neben dem herausragenden Adams an weiteren konstant hochkarätigen Passempfängern mangelt.

Prognose: Nach dem Freilos in Runde eins steigt Green Bay jetzt in die Playoffs ein, scheint sehr gut vorbereitet. Da nun auch noch mehrere zuletzt verletzte Leistungsträger in der Defensive zurückkehren, scheint der Titel in diesem Jahr absolut machbar.

Packers-Quarterback Aaron Rodgers ist für seine tollen Würfe bekannt. Mit Green Bay will der MVP seinen zweiten Ring gewinnen. Foto: dpa
Packers-Quarterback Aaron Rodgers ist für seine tollen Würfe bekannt. Mit Green Bay will der MVP seinen zweiten Ring gewinnen. (© dpa)

Los Angeles Rams (12-5):

Stärken: Quarterback Matthew Stafford kann an guten Tagen jede Defensive der Liga zerlegen, vor allem im Zusammenspiel mit Passempfänger Kooper Cupp, der die Liga in gefangenen Yards anführt und eine spektakuläre Saison spielte. Hinzu kommt Wide Receiver Odell Beckham Jr., der im November bei den Browns rausgeworfen wurde und nun in LA überzeugt. Eine große Stärke der Rams bekamen im Wild Card Game auch die Arizona Cardinals zu spüren: Eine Defense, die gespickt ist mit Superstars. Der beste Verteidiger der Liga, Defensive Tackle Aaron Donald bekommt eigentlich bei jedem Spielzug eine Doppelbewachung von der gegnerischen Offensive Line. Schlichtweg, weil er sonst nicht zu kontrollieren ist. Dies macht es für Donalds Mitspieler zwangsläufig leichter. Und sollten Donald und Co. mal nicht schnell genug beim gegnerischen Quarterback sein, um ihn unter Druck zu setzen, dann wartet in der Pass-Verteidigung mit Jalen Ramsey. Ein Cornerback, der sich so gut wie kaum ein anderer darin versteht, einen gegnerischen Passempfänger komplett aus dem Spiel zu nehmen.

Schwächen: Die Offensive Line, die Quarterback Stafford beschützen soll, wackelt diese Saison oft. Und wenn er Druck bekommt, schwächelt Stafford enorm. Dann drohen Sacks und Interceptions (Pässe, die vom Gegner gefangen werden). Das hat die Rams in dieser Saison bereits Siege gekostet.

Prognose: Gegen die Tampa Bay Buccaneers und deren starke D-Line wird sich zeigen, wie gefestigt Stafford und seine Beschützer inzwischen sind. Bestehen sie diese Probe, ist für die Rams definitiv alles drin.

Wide Receiver Cooper Kupp (links) war der produktivste Passempfänger in dieser Saison. Quarterback Stafford (rechts) freut sich. Foto: dpa
Wide Receiver Cooper Kupp (links) war der produktivste Passempfänger in dieser Saison. Quarterback Stafford (rechts) freut sich. (© dpa)

Tampa Bay Buccaneers (13-4):

Stärken: Die Bucs sind insgesamt auf hohem Niveau sehr ausgeglichen in der Offensive, Defensive und den Special Teams. Dazu kommt der Superstar auf der Quarterback-Position: Tom Brady, der erfolgreichste Quarterback der bisherigen NFL-Geschichte. Schon sieben Mal hat er den Superbowl gewonnen – häufiger als jeder Spieler vor ihm. Sechsmal mit den Patriots, im vergangenen Jahr erstmals mit den Bucs. Der 44-Jährige allein sorgt für viel Respekt beim Gegner, ist kaum aus der Ruhe zu bringen und lässt sich auch von schwächeren Phasen nicht beirren. Ein Spiel gegen Brady ist erst gewonnen, wenn es wirklich vorbei ist. Die Defensive ist besonders stark in der Front: Gegnerische Versuche, den Ball per Lauf am Boden zu bewegen, scheitern oft schon im Ansatz und werden kurz nach Beginn des Spielzuges schon torpediert.

Schwächen: Von ehemals drei Ausnahme-Passempfängern ist mit Mike Evans nur noch einer übriggeblieben. Wenige Wochen nachdem sich Chris Godwin das Kreuzband riss, wurde Skandalprofi Antonio Brown entlassen. Zudem ist die Passverteidigung angeschlagen.

Prognose: Die Bucs zeigten im jüngsten Spiel gegen die Philadelphia Eagles, dass trotz der vielen Ausfälle weiterhin mit ihnen zu rechnen ist. Schon allein, weil der Erfolgshunger Tom Bradys noch immer nicht gestillt ist. Doch der Weg zum Titel wird schwieriger als im Vorjahr.

Tom Brady (Nummer 12) ist für viele der großartigste Football-Spieler aller Zeiten. Bereits sieben Mal konnte er den Superbowl gewinnen. Foto: dpa
Tom Brady (Nummer 12) ist für viele der großartigste Football-Spieler aller Zeiten. Bereits sieben Mal konnte er den Superbowl gewinnen. (© dpa)

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