Das Vorbild stammt aus Schweden

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Glanzstücke: Das Sportabzeichen ist in mehr als hundert Jahren mehrfach optisch verändert worden, aber wertvoll geblieben.Foto: dpa

Mehr als hundert Jahre hat das deutsche Sportzeichen auf dem Buckel. Carl Diems Erfindung hat bis heute in verschiedenen Varianten überdauert.

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. Von Ulrich Gerecke

Rund eine Million Deutsche tun es jedes Jahr. Gefragt ist körperliche Leistung auf vier Gebieten und am Ende gibt es eine Nadel in Bronze, Silber oder Gold. Die Rede ist vom Deutschen Sportabzeichen, das am 10. November 1912 in Berlin das Licht der Welt erblickte.

Geburtshelfer war der umtriebige Sportfunktionär Carl Diem, der sich dabei eines Vorbildes bediente. Im selben Jahr hatte er beim Besuch der Olympischen Spiele von Stockholm die „Idrottsmärke“ kennengelernt. Das schwedische Sportabzeichen war mit dem Ziel erfunden worden, „die Bevölkerung breitensportlich zu fördern und herauszufordern“, schreibt der Sporthistoriker Ansgar Molzberger. Für Diem passte das in den Zeitgeist, zum Aufbruch des Sports in Richtung Massenphänomen und zum neuen Thema Volksgesundheit. Das Sportabzeichen hat bis heute in verschiedenen Varianten überdauert, seit 1921 können es auch Frauen erwerben, es gibt eigene Kategorien für Kinder und Jugendliche, es steht in Schulen und bei der Bundeswehr auf dem Stundenplan und kann sogar im Ausland abgelegt werden. Dabei war am Anfang von „Sport“ gar nicht die Rede. Die erste Version nannte sich „Auszeichnung für vielseitige Leistungen auf dem Gebiet der Leibesübung“. Mit diesem gestelzten Titel wollte Diem die nationalkonservative Deutsche Turnerschaft nicht verprellen, die damals beim englisch geprägten Begriff „Sports“ noch reflexartig auf die Barrikaden ging.

Die ersten 22 Auszeichnungen wurden am 7. September 1913 in Berlin verliehen, die Urkunden allerdings auf den 1. September rückdatiert, den Tag des militärischen Sieges über Frankreich bei Sedan 1870. 1934 machten die Nazis aus dem Sportabzeichen das „Reichssportabzeichen“, in der DDR hieß es ab 1951 „Sportleistungsabzeichen – Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat“. Ein bisschen Politik war eben immer mit im Spiel.