Das Comeback des "Box-Opas"

aus Zeit-Lupe

Thema folgen
Zurück auf den Thron: George Foreman (links) besiegt Michael Moorer.Archivfoto: imago

George Foreman gelingt, was selten einem Box-Champion im Schwergewicht gelang. Nach seinem ersten WM-Titel 1960 gewann der Altmeister 20 Jahre nach seiner schmerzenden...

Anzeige

. Von Hans-Jürgen Schlicht

New York. "They never come back - sie kommen nie zurück": Das ungeschriebene Gesetz, wonach ein entthronter Schwergewichts-Weltmeister seinen Box-Titel für alle Zeiten los ist, hat bis zum 20.Juni 1960 Bestand. Dann holt sich Floyd Patterson in New York gegen den Schweden Ingemar Johansson seinen Gürtel durch einen K.o.-Sieg in der fünften Runde zurück.

Was Patterson als erstem Kämpfer gelungen war, schaffte auch George Foreman. Und das in bemerkenswerter Art und Weise: Als er am 5. November 1994 nach einem K.o.-Triumph in der zehnten Runde gegen Michael Moorer erneut Weltmeister wurde, war er mit 45 Jahren der älteste Schwergewichtschamp aller Zeiten. Zwischen dem Verlust seines Titels und dem erneuten Erfolg lagen 20 Jahre (!) - im berühmten "Rumble in the Jungle" hatte Foreman 1974 in Zaire gegen Muhammad Ali verloren. 20 Jahre, in denen sich Foremans Leben radikal geändert hatte. Nachdem er 1977 gegen Jimmy Young in der letzten Runde zu Boden gegangen war, beschloss er noch in der Umkleidekabine, sein Leben dem Christentum zu widmen. Foreman wurde Pfarrer in der "Apostolic Church of the Lord Jesus Christ" in Houston. Den größten Teil seines in Profikämpfen verdienten Vermögens steckte er in ein von ihm gegründetes Waisenhaus.

Vom Afro zum Glatzkopf

Anzeige

Der zuvor arrogant wirkende Boxer mit Afro-Look-Mähne kam nun als freundlicher Glatzkopf daher - ein "Box-Opa", der aber immer noch die Fäuste fliegen lassen konnte. So verteidigte er 1995 in Las Vegas seinen Titel durch einen äußerst umstrittenen Punktsieg gegen Axel Schulz, was für den unterlegenen Deutschen der Startschuss seiner Karriere wurde. Die Laufbahn Foremans neigte sich dagegen dem Ende entgegen.

Im November 1997 verlor er - ebenfalls umstritten - gegen Shannon Briggs. Danach gab der mittlerweile 48-jährige, elffache Vater (!) noch im Ring seinen Rücktritt bekannt. An seinem 56. Geburtstag wollte Foreman noch einmal die Handschuhe schnüren, doch das erneute Comeback scheiterte am Widerstand seiner Frau.