Braunschweig Lions entfachen Euphorie

aus Zeit-Lupe

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Jon Horton avanciert zum Lions-Matchwinner. Im XIX. German Bowl prescht er mit dem Ei unterm Arm durch die Kölner Linien. Foto: dpa

Das junge Braunschweiger Team feierte in der in Deutschland jungen Sportart American Football vor 20 Jahren seinen ersten Meistertitel – und prägt den German Bowl bis heute....

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. Von Björn-Christian Schüßler

Als sich zwei Schüler im Herbst 1986 nach einem Zeitungsaufruf mit rund 30 anderen Jungs in einem Braunschweiger Keller trafen, konnte noch keiner ahnen, dass dies die Geburtsstunde des erfolgreichsten deutschen American-Football-Vereins sein würde. Der Aufstieg der Braunschweig Lions verlief rasant: Spielbetrieb 1987, Bundesliga-Aufstieg 1994, Finalteilnahme um die Deutsche Meisterschaft und Triumph 1997. In der Folge erreichten die Lions elfmal hintereinander das Finale, feierten sieben Titel. Seit 2013 stehen zudem vier Trophäen der New Yorker Lions zu Buche.

Besonders der German Bowl vor 20 Jahren gegen die Cologne Crocodiles entfachte in der niedersächsischen Stadt eine zuletzt beim Fußball-Meistertitel 1967 gekannte Euphorie. Der Nischensport ging in der Löwenstadt durch die Decke.

Das lag zum einen am Spielverlauf – Braunschweig rannte lange Zeit einer Kölner Führung hinterher, schlug aber kurz vor Schluss zurück. 26:23 für die Lions. Deutscher Meister. Erstmalig. Zum anderen brachte der Abend vor 14.800 Zuschauern im Hamburger Volksparkstadion Heroen hervor, die fortan die junge Sportart in Deutschland prägten. Der US-Amerikaner Jon Horton wurde zum wertvollsten Spieler gekürt, Running Back Estrus Crayton drückte dem Lions-Spiel drei weitere Spielzeiten seinen Stempel auf und setzte sich später auch beim Rivalen Hamburg Blue Devils groß in Szene. Matt Riazzi stieg in nur einer Nacht zum Publikumsliebling auf.

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Der XIX. German Bowl wurde für den jungen Verein zur Initialzündung. Zwar lief es wirtschaftlich nicht reibungslos – der Stammverein ging 2001 pleite, 2011 wurde das Team umbenannt, weil das Modeunternehmen New Yorker einen Namensstreit finanziell löste. Doch sportlich sammelten die „Roten“ Titel um Titel, ließen sich weder von Regeländerungen, noch von einer kraftraubenden Europaliga aus der Erfolgsspur bringen. Elf Titel in 20 Jahren, 2014 spielte das Team sogar eine perfekte Saison ohne Niederlage – und der Erfolgslauf ist längst nicht vorbei. Auch in dieser Saison sind die Lions bislang ungeschlagen.