Boxer Axel Schulz - Ein Leben ohne WM-Gürtel

aus Zeit-Lupe

Thema folgen
Ein seltener Wirkungstreffer: Axel Schulz (rechts) war im Duell mit Francois Botha sonst zu passiv und verlor die WM-Chance. Archivfoto: imago

Ein Lebenstraum geht für Boxer Axel Schulz in Erfüllung: WM-Kampf gegen George Foreman in Las Vegas. Er hat den Altmeister am Rande einer Niederlage. Und verdient sich damit...

Anzeige

. Man kennt das eigentlich nur aus der Formel 1, dass unmittelbar nach dem Zieleinlauf Korken knallen und der Schampus in Strömen fließt. Insofern war das Gefühl ein anderes, als am 9. Dezember 1995 kurz nach dem großen WM-Kampf Sektflaschen in den Ring geworfen wurden, gefolgt von Schiebung-Rufen von den Rängen. Was war passiert?

Boxtalent Axel Schulz hatte gerade in Stuttgart mal wieder keinen Weltmeistergürtel bekommen, in einem eindeutig nach Punkten entschiedenen Urteil kürt die Jury den Südafrikaner Francois Botha zum neuen Schwergewichtschampion des Verbands IBF.

Ein unbequemer Gegner

Gleich zwei Chancen, Weltmeister zu werden, hatte Schulz im Jahr 1995. Höchst umstritten die Punktniederlage am 22. April gegen IBF-Weltmeister George Foreman, der möglicherweise wegen seines wohlklingenden Namens einen kleinen Bonus bei den Kampfrichtern hatte. Auch deshalb hatte das Management des US-Amerikaners in Schulz einen vermeintlichen Nobody für die Herausforderung ausgesucht und auf das Duell mit WBA-Pflichtherausforderer Tony Tucker verzichtet.

Anzeige

Es sollte ein einfacher Sieg werden für Foreman, wurde nach vielen Treffern des Brandenburgers aber eine äußerst knappe Angelegenheit und nährte den Verdacht des Betrugs. Gleichzeitig spülte selbst die Pleite den international unbekannten Axel Schulz in die Sportgazetten.

Da Foreman eine Revanche für seinen Sieg ablehnte, verlor er seinen gerade verteidigten IBF-Titel. Die Chance für den Südafrikaner Botha und erneut Axel Schulz. Und keine schlechte, so behäbig wie der „weiße Büffel“ Francois Botha im Alltag daherkam.

Der öffentliche Druck ist zu groß

Entsprechend groß waren die Erwartungen in der Öffentlichkeit, neben Henry Maske einen zweiten aktuellen Weltmeister in Schwarz-Rot-Gold zu bejubeln. Mit den Bildern von Las Vegas, dem großen Fight gegen Foreman, im Kopf geriet ein Sieg zur Formsache. Das hinterließ beim Brandenburger Spuren: Die Unbekümmertheit des Neulings wich der Verkrampftheit des bereits Umjubelten, der typische Schulz mit treffsicheren Nadelstichen tauchte in die Passivität ab. Und verlor zurecht.

Spannend das Nachspiel: Der IBF musste weiter nach einem Weltmeister suchen – Botha war gedopt. Eine dritte Chance für den Deutschen, seine Popularität noch zu steigern – mit einer Niederlage 1996 gegen Michael Moorer (USA).