Berni Klodt und der letzte Kreisel

aus Zeit-Lupe

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Auf dem Weg zum Titel: Schalkes Rechtsaußen Willi Koslowski (rechts) überläuft HSV-Gegenspieler Erwin Piechowiak.  Archivfoto: dpa

1958 wird Schalke 04 zum siebten Mal deutscher Fußball-Meister. Das gelang seither nie wieder - und sorgt im Großraum Dortmund deshalb für Heiterkeit

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. Von Ulrich Gerecke

Im Großraum Dortmund dürfte am kommenden Freitag ein zweifelhaftes „Jubiläum“ gefeiert werden: „60 Jahre ohne Titel für Herne West“. Nicht nur Ruhrpott-Fußballnostalgiker wissen, welches Datum sich dahinter verbirgt: Am 18. Mai 1958, also vor genau sechs Jahrzehnten, gewann Schalke 04 zum siebten und bis heute letzten Mal die Deutsche Meisterschaft.

Wegbereiter für den 3:0-Endspielsieg gegen den Hamburger SV im mit 81.000 Zuschauern ausverkauften Niedersachsenstadion von Hannover war Berni Klodt. Der Angreifer, einziger Schalker im Weltmeister-Kader von 1954, schoss in der 5. und 30. Minute die beiden ersten Treffer, den dritten markierte Manfred Kreuz zehn Minuten vor dem Abpfiff. Der Jungstar des HSV, ein gewisser Uwe Seeler, schaute in die Röhre und musste noch zwei Jahre auf seinen ersten Meistertitel warten.

„Die Seele des Schalker Spiels war Berni Klodts fußballerisches Genie. Es offenbarte sich anders, vielseitiger noch, als das seiner berühmten Stürmer-Vorfahren“, sang das Fachmagazin „kicker“ das Hohelied auf Klodt. „Es gibt wohl wenige Fußballspieler, sogar in Europa, die so variantenreich alle Register des Fußballs zu ziehen vermögen.“

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Dabei stand Klodt nicht für eine Renaissance der guten alten Zeit, von der viele königsblaue Fans träumten, sondern für einen personellen Umbruch. Der damals 31 Jahre alte Linksaußen war der letzte Spieler der Meisterelf, der noch mit den Legenden Fritz Szepan und Ernst Kuzorra in einer Mannschaft gespielt hatte. Der Altersschnitt der Meistermannschaft lag bei 22,5 Jahren, ihr Triumph 1958 sollte der einzige in dieser Ära bleiben.

Die Euphorie am Schalker Markt war naturgemäß riesig wie immer. In der Gemeinde St. Joseph unterbrach der Pfarrer sogar die Andacht im Rahmen der Volksmission, um den Gläubigen das Ergebnis durchzugeben. Kein Wunder, datierte der letzte Titel doch aus der Spielzeit 1941/42. Die fetten Jahre waren dennoch endgültig vorbei. Selbst in der Oberliga West war Schalke schon längst nicht mehr unumstritten die Nummer eins: 1955 hatte Rot-Weiß Essen die Meisterschale ergattert, 1956 und 1957 war der „geliebte“ Nachbar BVB erstmals Deutscher Meister geworden. Er hat bis heute insgesamt acht nationale Titel gesammelt – während Schalke weiter wartet.