Acht Frisuren müssen dran glauben

aus Zeit-Lupe

Thema folgen
Die Spieler des VfB Friedrichshafen haben allen Grund zum Jubeln: Erstmals gewann 2007 ein deutsches Team die Volleyball-Champions League. Archivfoto: nordphoto

Der VfB Friedrichshafen gewinnt 2007 sensationell die Champions League. Das Moculescu-Team feiert nicht mit Champagner, die Volleyballer feiern mit einem Langhaarschneider.

Anzeige

. Von Björn-Christian Schüßler

Als die Volleyballer des Tours VB den Aufschlag von Friedrichhafens Joao Jose annehmen, ahnt im Moskauer Eispalast Hodynskoje Pole noch niemand, welche Emotionen sich gleich entladen werden. Der Ball landet im Netz, der Rettungsversuch schlägt fehl, der Ball tropft auf den Boden. Punkt für den VfB. 25:19. Satzgewinn. Im Final-Four-Finale. Jetzt rastet die Halle aus. Nicht minder enthusiastisch reagieren die Spieler des deutschen Vorzeige-Klubs. Denn dieser Punkt, dieser Satz, dieses Spiel ist nicht irgendein Duell. Es ist Champions League. Und der VfB Friedrichshafen hat sie an diesem 1. April 2007 gewonnen, als erster deutscher Volleyballverein überhaupt.

Jochen Schöps der wertvollste Spieler

Während sich der Mann des Tages, Jochen Schöps, der allein im Endspiel gegen die Franzosen 30 Winner schlug, und seine Kollegen in den Armen liegen, schliddert ihr Trainer Stelian Moculescu auf dem Bauch durch die Coachingzone. „Es ist geil, es ist megageil“, hört man den 56-Jährigen schreien. Und in der Tat: Mit diesem Triumph war auf europäischer Ebene für den VfB nicht zu rechnen.

Anzeige

Schon das Erreichen der Play-offs – als Gruppensieger – war für den siebenmaligen deutschen Meister und neunmaligen DVV-Pokalsieger nicht zu erwarten gewesen. Als nach fulminanten Duellen gegen Noliko Maaseik im Viertelfinale der Titelverteidiger Sisley Treviso wartete, entgegnete VfB-Manager Stefan Mau einer Mitarbeiterin, die eine Namensliste für Visaformalitäten fürs Final Four in Russland anforderte: „Gute Frau, da müssen sie sich nicht bemühen, Sie kennen doch die Auslosung.“ Dass sie sich doch bemühte, war schließlich gut so. Denn Treviso blieb für die „Häfler“ nur Zwischenstation eines großartigen Triumphes.

Schon das Halbfinale verlangte Schöps und Co. alles ab: Fünf-Satz-Krimi, im Entscheidenden blockte Juliano Bendini bei 11:13 zweimal in höchster Not, ehe Schöps den Matchball verwandelte. Noch schöner das Gefühl, als im Finale gegen Tours im vierten Satz mit dem 25:19-Punkt nach 100 Minuten bereits alles entschieden war. Jubelnde Spieler, ausrastender Trainer in der Halle. Im Hotel blieb die Siegesparty allerdings erstaunlich friedlich. Einzig der Rasierer ging um: Acht der zwölf Spieler ließen sich zur Feier des Tages eine Glatze scheren.