50 Jahre Deutsche Sporthilfe: Eine Würdigung

aus Zeit-Lupe

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Stiftung Deutsche Sporthilfe. Foto: dpa

Ein glaubwürdiges Credo prägt seit 50 Jahren die deutsche Sportförderung und erzielte bislang etliche Erfolge. Mehr als 580 Goldmedaillen errangen Olympioniken und...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Wer kennt sie nicht, die kleinen Papierstückchen mit der Zahnung, die Jahr für Jahr die große und die kleine Post zieren. Briefmarken mit Zuschlag, seit 1968 gedruckt, Athleten-Motive, verkauft zugunsten der Sportförderung. Als der renommierte Olympia-Reiter und Versandhaus-Unternehmer Josef Neckermann am 26. Mai 1967 seine Unterschrift unter das Gründungsdokument setzte, war an die bunten Märkchen noch nicht zu denken. Auch nicht an zahllose Medaillenerfolge der westdeutschen und später gesamtdeutschen Sportlerelite. Doch für Neckermann und den Mitinitiator Willi Daume war schon in der Geburtsstunde der Deutschen Sporthilfe klar, dass ohne finanzielle Unterstützung von Außen die meisten Athleten, vor allem aufgrund des damals gültigen Amateurparagrafen, der Sponsoring und Berufssport untersagte, ihre Disziplinen nicht werden perfektionieren können.

Mehr als 400 Millionen Euro in 50.000 Athleten investiert

„Förderkonzepte für förderungswürdige Athleten“, hieß bereits früh das Credo der Deutschen Sporthilfe, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern mit der Perspektive auf nationale und internationale Erfolge hat die Stiftung in dieser Zeit rund 50.000 Sportler gefördert, 409 Millionen Euro in die sportliche Entwicklung Deutschlands investiert, Hunderte Olympiasieger, Paralympicssieger und Weltmeister hervorgebracht und unzählige Medaillen bejubelt.

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Josef Neckermann war für den deutschen Sport ein Glücksfall, die Bilanz weist bis heute eine Erfolgsgeschichte aus – nicht nur in Edelmetall. Der Slogan „Leistung. Fairplay. Miteinander.“ wirkt glaubwürdig, er steht für die Integrität, die dem Sport – gerade in Zeiten von Staatsdoping und reihenweise aberkannten Medaillen – in 50 Jahren zugewiesen wurde. Dazu trägt auch der Sporthilfe-Eid bei, den die Athleten, die mit 300 bis 800 Euro je Monat gefördert werden wollen, leisten müssen. „Wir prägen nicht nur Erfolge, sondern auch Vorbilder“, hatte der Vorstandsvorsitzende Michael Illgner beim 47. Ball des Sports betont. Und die Athleten zahlen mit Leistung, Fairplay und Miteinander zurück.

Sportler aus der Region zahlen mit Erfolgen zurück

Aktuell genießen 3.800 Nachwuchstalente, Elitesportler, Rückkehrer und Athleten von nationaler und internationaler Klasse in rund 50 Sportarten die Förderung der Stiftung. Unter ihnen sind mit Bobfahrerin Kim Kalicki (Eintracht Wiesbaden), Fechterin Nadine Stahlberg (FC Offenbach), Kanute Max Lemke (WSV Mannheim-Sandhofen), die aus Hochheim stammende Judoka Julie Hölterhoff (KSV Esslingen) und Kollege Alexander Wieczerzak (JC Wiesbaden), Tischtennisspielerin Petrissa Solja (Wörth am Rhein) und Trampolinturnerin Silva Müller (MTV Bad Kreuznach) auch äußerst erfolgreiche Sportler aus der Region.

Jährlich zahlt die Stiftung rund 13,5 Millionen Euro aus. Für Illgner noch zu wenig: „Wir wollen unsere Fördersumme mittelfristig auf 20 Millionen Euro erhöhen“, sagte er jüngst im dpa-Interview. Und damit die Topathleten noch besser in die Lage versetzen, sich parallel zu Trainingszeiten und Wettkampfstress nicht auch noch um ihr Einkommen zu sorgen.

Über die Jahre hin steigerte die Sporthilfe kontinuierlich ihren Marktwert. Sei es durch den Ball des Sports als gesellschaftspolitisches Flanierereignis (siehe Info unten). Oder durch die „Goldene Sportpyramide“, die seit 2000 Sportlern für ihr Lebenswerk verliehen wird und der Sportförderung somit ein prominentes Gesicht gibt. Reiter Hans Günter Winkler machte den Anfang, Stars wie Handball-Trainer Heiner Brand, Tennis-Ikone Steffi Graf, Boxlegende Henri Maske oder Golf-Altmeister Bernhard Langer folgten.

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Ball des Sports eine Institution

Der Ball des Sports, der von Sporthilfe-Gründer Josef Neckermann 1970 aus der Taufe gehoben wurde und in diesem Jahr zum 47. Mal stattfand, ist ein von aktuellen und ehemaligen Sportlern sowie Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft lieb gewonnenes Event. Jährlich werden rund 750.000 Euro Erlös einspielt. Viel Geld für eine Stiftung, die von Beginn an mehr leisten wollte als nur um Fördermittel zu „betteln“.

Anfangs in Höchst, zwischenzeitlich in Mainz und Frankfurt beheimatet, schlüpfen seit einigen Jahren Olympiasieger und Weltmeister in Wiesbaden ins kleine Schwarze oder die Galarobe. Aus einem gemütlichen Essen wurde längst ein Ereignis von gesellschaftlichem Rang, mit jeder Menge Flair und großartigen Unterhaltungselementen, wie der Auftritt der Sportfreunde Stiller im Februar zeigte.

Der Ball des Sports war für die Deutsche Sporthilfe von Beginn an eine wichtige Einnahmequelle. Die Stiftung, die sich im Wesentlichen aus Verkaufserlösen von Sondermarken, Fördermitteln der Glücksspirale sowie freien Spenden trägt, nutzt ihn allerdings auch sehr geschickt zur gesellschaftspolitischen Aufwertung des Sports, schafft ein Wir-Gefühl und öffnet Türen für die individuelle Vermarktung der Athleten.

„Wir müssen uns damit beschäftigen, wie wir ein beschränktes Budget am besten so verteilen, dass Talente Olympiasieger werden“, formuliert Vorstandsvorsitzender Michael Illgner das Ziel auch der Geldsammlung. Der Erfolg gibt den Enkeln Josef Neckermanns, der der Stiftung bis 1988 vorstand, Recht. 247 Olympia- und 338 Paralympics-Goldmedaillen wurden in dem erlauchten Kreis bereits bejubelt.