40.000 FCK-Fans feiern 1991 überraschenden Titel

aus Zeit-Lupe

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Auf den Schultern: Durch einen 6:2-Sieg in Köln wurde Stefan Kuntz mit dem FCK 1991 überraschend Deutscher Meister. Archivfoto: dpa

Die unglaubliche Anzahl von 40.000 Fans mobilisiert der 1. FC Kaiserslautern, um im Kölner Stadion das Meisterschaftswunder doch noch perfekt zu machen. Nach dem...

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. Von Bardo Rudolf

Eigentlich sollte die Party schon eine Woche vorher starten. Das Stadion auf dem Betzenberg war ausverkauft und eine der überraschendsten Meisterschaften in der Fußball-Bundesliga zum Greifen nahe. Doch der 1. FC Kaiserslautern, der in der Saison vorher gerade noch dem Abstieg entronnen war und nun in der Saison 1990/91 selbst den Top-Favoriten Bayern München hinter sich ließ, zeigte plötzlich Nerven. Schon ein Punkt gegen Borussia Mönchengladbach hätte am vorletzten Spieltag zum vorzeitigen Titelgewinn gereicht. Doch die Pfälzer verloren 2:3 und hatten somit nur noch einen Matchball.

Den wollten insbesondere die Anhänger des Vereins aber unbedingt nutzen. Und so fuhren am letzten Spieltag 40.000 FCK-Fans ins Rheinland, um mit einem Erfolg beim 1. FC Köln doch noch die erste Meisterschaft seit 1955 einzutüten. Das Müngersdorfer Stadion war also fest in Lauterer Hand, die 15.000 Kölner Anhänger klar in Unterzahl. Und die Gäste-Mannschaft nahm den Schwung von den Rängen auf. In der fünften Minute überwand Marco Haber den Weltmeister-Torwart Bodo Illgner. Bernhard Winkler, der das Spiel seines Lebens machte, legte das 2:0 nach, und zur Pause war die Partie beim Stand von 4:1 schon entschieden. Noch einmal Winkler, Thomas Dooley, ein zweites Mal Marco Haber und Markus Schupp erzielten die weiteren FCK-Tore beim 6:2-Sieg. Nach dem Abpfiff nahm Kapitän Stefan Kuntz die Meisterschale entgegen.

Gefeiert haben die Lauterer auf dem Rhein. Mit dem Schiff fuhren Trainer, Funktionäre und Mannschaft von Köln nach Koblenz, ehe es von dort in die Meisterstadt ging, in der sie begeistert empfangen wurde. Nur einer erwies sich als Spaßbremse: Bruno Labbadia verabschiedete sich nach dem Abpfiff schnell von der Mannschaft und tauchte auch nicht mehr in diesem Kreis auf. Der Torjäger war sauer, dass ihn Trainer Kalli Feldkamp im entscheidenden Spiel auf die Bank setzte und dort 87 Minuten schmoren ließ. Alle anderen Lauterer waren mächtig in Partystimmung. Nach einer der größten Überraschungen der Liga-Geschichte.