Wer kommt in den Super Bowl - eine Prognose

Patrick Mahomes ist Quarterback der Kansas City Chiefs und steht bereits zum vierten Mal in Folge im AFC Championship Game der NFL. Foto: dpa

Die NFL ist in der heißen Phase angekommen: Vier Teams sind noch im Rennen, um den ganz großen Wurf zu machen - und im Super Bowl zu spielen. Diese Duelle erwarten uns am Sonntag.

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MAINZ. Die Divisional Round der NFL hatte es in sich: Alle vier Spiele wurden entweder durch ein sehr spätes Field Goal oder gar erst in der Verlängerung entschieden. Auf der Strecke blieben dabei die Tennessee Titans als das Top-Seed-Team der AFC, Titelverteidiger Tampa Bay Buccaneers, die hochgehandelten Green Bay Packers um den möglichen MVP (Most Valuable Player/Wertvollster Spieler) der Saison, Aaron Rodgers und die Buffalo Bills mit ihrer High-Power-Offense. In den nun anstehenden Conference Finals der verbleibenden vier Teams werden damit erstmals seit 2009 weder Rodgers noch Quarterback-Legende Tom Brady (Buccaneers) mitmischen.

Für die verbleibenden vier Teams geht es nun zum einen darum, sich den Titel ihrer jeweiligen Conference zu sichern (AFC: Bengals vs. Chiefs, NFC: Rams vs. 49ers) und damit gleichzeitig die letzte Hürde auf dem Weg zum alles überstrahlenden Super Bowl zu nehmen, der in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar in Los Angeles ausgespielt wird. Wir blicken auf die beiden anstehenden Partien.

AFC Championship Game

Cincinnati Bengals vs. Kansas City Chiefs Sonntag, 30. Januar, 21 Uhr (deutsche Zeit) – Kansas City

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Erst vor knapp vier Wochen sind beide Teams in der regulären Saison gegeneinander angetreten. Damals gewannen die Bengals knapp mit 34:31 zu Hause in Cincinnati. Rookie-Passempfänger Ja'Marr Chase (Cincinnati) spielte das bisher erfolgreichstes Spiel seiner – zugegeben noch jungen - NFL Karriere: Er verbuchte 266 Yards und drei Touchdowns. In einem ausgeglichenen Spiel dominierten auf beiden Seiten die Offensivreihen. Letztlich sicherte ein Field Goal den Bengals den Sieg. Gehen sie deswegen nun als Favoriten ins AFC-Finale? Eher nicht.

Denn die Bengals offenbarten am vergangenen Wochenende trotz des Sieges gegen die Titans ernsthafte Schwächen: Quarterback Joe Burrow wurde neunmal von der gegnerischen Defensive zu Boden gerissen – ein Playoff-Rekord im negativen Sinne. Teils trug daran seine einmal mehr wacklige O-Line schuld, teils auch er selbst, weil er zulange den Ball hielt oder gegnerische Passrusher übersah. Letztlich verbuchte seine Offensive gegen die Titans nur einen Touchdown. Gegen die Chiefs wird eine solche Ausbeute nicht annähernd reichen. Denn Patrick Mahomes wird den Bengals nicht den Gefallen tun, so wie Titans-Quarterback Ryan Tannehill den Sieg wegzuwerfen.

Immerhin überzeugte das Special Team der Bengals. Satte vier Field Goals gelangen Rookie-Kicker Evan McPherson in diesem Spiel, inklusive des 52-Yard-Schusses in den letzten Sekunden, der zum Sieg führte.

Die Spieler der Cincinnati Bengals feiern den Schuss von Kicker Evan McPherson, der von Quarterback Joe Burrow (mit Mütze, rechts) geherzt wird. Durch das Field Goal in letzter Sekunde gewannen die Bengals gegen die Tennessee Titans.  Foto: dpa
Die Spieler der Cincinnati Bengals feiern den Schuss von Kicker Evan McPherson, der von Quarterback Joe Burrow (mit Mütze, rechts) geherzt wird. Durch das Field Goal in letzter Sekunde gewannen die Bengals gegen die Tennessee Titans. (© dpa)

Chiefs mit Feuerwerk gegen Bills

Die Chiefs hinterließen am Wochenende einen besseren Eindruck – zumindest offensiv: Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes legte gegen die Buffalo Bills vier Touchdown-Pässe durch die Luft auf und lief einmal selbst mit dem Ball in die Endzone. Und das gegen eine der besten Defensiven der Saison. Einen erheblichen Anteil an der Machtdemonstration hatten auch einmal mehr Tyreek Hill und Travis Kelce, die beiden wichtigsten Passempfängern der Chiefs. Mit Fug und Recht kann man sagen: Die Chiefs-Offensive rollt wieder. Und was den Bengals dabei besonders Sorgen machen sollte: Sie rollt mitunter auch ohne die ganz großen Big Plays.

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So sehr die Offensive brillierte, so sehr schwächelte die Defensive. Besonders gravierend: Einer der Anführer der Defensive, Safety Tyrann Mathieu, hat sich am Wochenende gegen die Bills verletzt. Sein Ausfall gegen die Bengals wäre eine erhebliche Schwächung. Insbesondere, wenn es darum geht Bengals-Quarterback Burrow und die Luftattacke aus Cincinnati zu stoppen.

Prognose: Während die Kansas City Chiefs zum vierten Mal in Folge im Conference Final stehen, spielen die Cincinnati Bengals das erste Mal seit 1988 und das insgesamt erst dritte Mal überhaupt um den Einzug in den Super Bowl. Doch nicht nur die Erfahrung haben die Chiefs den Bengals voraus: Es wird eine Herkulesaufgabe für die Bengals sein, die Chiefs-Offense einigermaßen zu bremsen und gleichzeitig selbst viele Punkte aufzulegen. Im Prinzip muss Cincinnati aus nahezu jedem Ballbesitz Zählbares mitnehmen und dafür in Kauf nehmen, auch vierte Versuche auszuspielen.

Ein weiterer – potenziell entscheidender – Faktor ist der Heimvorteil der Chiefs. Sie spielen im Arrowhead Stadium, dem lautesten Stadion in der NFL-Geschichte. Es wird häufig unterschätzt, wie sehr die Fans das Spiel beeinflussen können.

Unser Tipp: Dass sie die Chiefs schlagen können, haben die Bengals unlängst bewiesen. Aber die Chiefs um Mahomes, Hill und Kelce werden ihrer Favoritenrolle gerecht und ziehen in den Super Bowl ein.

Travis Kelce, Tight End der Kansas City Chiefs, verlässt nach seinem siegbringenden Touchdown gegen die Buffalo Bills das Spielfeld. Foto: dpa
Travis Kelce, Tight End der Kansas City Chiefs, verlässt nach seinem siegbringenden Touchdown gegen die Buffalo Bills das Spielfeld. (© dpa)

NFC Championship Game

Los Angeles Rams vs. San Francisco 49ers Montag, 31. Januar 2022 0.30 Uhr (deutsche Zeit) - Los Angeles

Ähnliche Vorzeichen wie in der AFC gibt es auch im NFC-Championship Game. Denn auch die Rams und die 49ers treffen diese Saison nicht zum ersten Mal aufeinander. Gleich zweimal spielten sie in der regulären Saison gegeneinander – zuletzt erst vor knapp drei Wochen – und beide Male ging San Francisco als Sieger vom Feld. Und dennoch wäre es auch hier vermessen, den 49ers die Favoritenrolle zukommen zu lassen.

Beim jüngsten Duell setzten sich die 49ers in einem ausgeglichenen Spiel erst in der Verlängerung mit 27:24 durch. Vor allem die Defensiven beider Teams überzeugten dabei mit jeweils zwei Interceptions. Offensiv war es bei den 49ers dabei wieder einmal Allzweckwaffe Deebo Samuel, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückte. Der 26-Jährige ist eines der wichtigsten Werkzeuge von Headcoach Kyle Shanahan, da er als Passempfänger und Laufspieler brilliert. Beim knappen Sieg gegen die Rams zuletzt wurde er in einem Trickspielzug sogar als Quarterback eingesetzt.

Doch Samuel hin oder her: So richtig werden sie in San Francisco immer noch nicht wissen, wie sie am vergangenen Wochenende gegen die Green Bay Packers als Sieger vom Platz gehen konnten. Die Offensive um Quarterback Jimmy Garoppolo fand nie wirklich ins Spiel. „Jimmy G“ hatte Schwierigkeiten, die richtigen Anspielstationen zu finden und warf keinen Touchdown. Jetzt wartet auf ihn die bärenstarke Defensive Line der L.A. Rams um Aaron Donald. Stichwort Defensive Line: Die ist auch in San Francisco ein Prunkstück und trug maßgeblich zum Sieg gegen die Packers bei. Die defensive Front der Niners riss Aaron Rogers ganze fünf Mal zu Boden (Sack) und verhinderte somit, dass Rodgers sein Team durch die Luft zum Sieg führen konnte.

Siegbringend für San Francisco gegen die Packers war letztendlich allerdings das Special Team: Es blockte ein Field Goal und einen Punt, der dann sogar zum Touchdown für die 49ers zurückgetragen wurde.

Zwei Verteidiger der San Francisco 49ers blocken einen Pass der Green Bay Packers. Die Defensive der Kalifornier war ein Garant für den Sieg. Foto: dpa
Zwei Verteidiger der San Francisco 49ers blocken einen Pass der Green Bay Packers. Die Defensive der Kalifornier war ein Garant für den Sieg. (© dpa)

Rams brechen nach der Pause ein

Die Los Angeles Rams haben in ihrem Divisional Round-Game gegen die Tampa Bay Buccaneers zwei unterschiedliche Gesichter gezeigt: Zur Halbzeitpause sahen sie nach dominantem Start wie die sicheren Sieger aus. Stafford verteilte den Ball nicht nur an Star-Passempfänger Cooper Kupp, sondern setzte auch Odell Beckham und Tight End Tyler Higbee immer wieder in Szene. Insbesondere Beckham, einst eines der vielversprechendsten Talente der Liga, scheint sich wieder an seine Top-Form heranzutasten. Der Zeitpunkt könnte für Los Angeles kaum besser sein.

Doch im zweiten Durchgang ließen die Rams Tom Brady und die Bucs immer wieder herankommen – nicht zuletzt, weil Trainer Sean McVay permanent mit dem Laufspiel Zeit von der Uhr nehmen wollte, obwohl Tampa Bay das konstant gut stoppen konnte. Hinzu kamen mehrere unnötige Ballverluste, sodass es letztlich nur ein Field Goal wenige Sekunden vor Schluss war, das die Rams in die nächste Runde rettete. Gut für die Rams: Der Defensive gelingt es nicht nur, vorne Druck zu machen, sondern sie verfügt dahinter mit Cornerback Jalen Ramsey auch über einen starken, wenn nicht sogar den besten, Passverteidiger. Es würde nicht überraschen, wenn Ramsey in diesem Spiel des Öfteren 49ers-Angreifer Deebo Samuel in Manndeckung nimmt, um diesen zu neutralisieren.

Der entscheidende Schuss: Kicker Matt Gay (Nummer 8) befördert das Ei zwischen die Torpfosten und bringt den Sieg für die Los Angeles Rams gegen die Tampa Bay Buccaneers kurz vor Schluss nach Hause. Foto: dpa
Der entscheidende Schuss: Kicker Matt Gay (Nummer 8) befördert das Ei zwischen die Torpfosten und bringt den Sieg für die Los Angeles Rams gegen die Tampa Bay Buccaneers kurz vor Schluss nach Hause. (© dpa)

Prognose: Kyle Shanahans 49er-Defensive scheint das Kryptonit für Rams-Coach Sean McVay zu sein – die letzten sechs Duelle beider Teams entschied allesamt San Francisco für sich. Wie schon gegen die Buccaneers bekommen es die Rams mit einer starken Front zu tun, die das Laufspiel ausbremsen und Druck auf Quarterback Matthew Stafford ausüben kann. Auch die gut strukturierte Passverteidigung der 49ers wird den Rams Kopfzerbrechen bereiten. Gleichwohl sind die Rams offensiv wie defensiv unterm Strich das individuell besser besetzte Team. Für die Rams wird es darum gehen, den Pass Rush der 49ers zu umgehen und San Franciscos Passverteidigung gezielt zu attackieren. Im Gegensatz zu Green Bay, wo es für San Francisco nur darum ging, Wide Receiver Davante Adams aus dem Spiel zu nehmen, können die Rams ihre Angriffe auf mehrere Schultern verteilen. Die 49ers müssen ihrerseits die Defensive der Rams davon abhalten, ihren Quarterback unter Druck zu setzen und dann die Mitte des Feldes durch die Luft angreifen – dort ist die starke Rams Defensive am verwundbarsten.

Unser Tipp: Das NFC-Championship Game ist auf dem Papier um einiges offener als das Pendant in der AFC. So gut die Offensive Line der 49ers auch ist: Der Pass Rush der Rams scheint derzeit unaufhaltbar zu sein. Und dann wird es sehr schwierig für „Jimmy G“ auf konstant ausreichend hohem Level zu spielen. Am Schluss setzt sich Los Angeles daher knapp durch und zieht in den Super Bowl „dahoam“ ein.