Olympia 2021: Rüsselsheimer Eduard Trippel holt Silber

Eduard Trippel bei den Olympischen Spielen in Tokio. Foto: dpa

Riesenerfolg für Eduard Trippel: Der 24-jährige Judoka vom JC Rüsselsheim hat Silber bei den Olympischen Spielen in Tokio geholt.

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TOKIO. Eduard Trippel gab in den letzten Sekunden noch mal alles, probierte gleich mehrere Ansätze. Doch es sollte es nicht reichen. Lasha Bekauri (Goergien) holte sich mit einer Wazari-Wertung den Sieg, durfte Gold bei den Olympischen Spielen in der Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm bejubeln. Aber auch Trippel strahlte wenige Sekunden später schon wieder, schließlich feierte er in Japan den größten Erfolg seiner Laufbahn: Der 24-Jährige vom Judo-Club Rüsselsheim sicherte sich Silber. Es war die erste Männer-Medaille für den JCR bei Olympia und die erste für den Deutschen Judo-Bund nach Ole Bischof in London 2012. Bischof, ebenfalls einst in der Bundesliga für Rüsselsheim im Einsatz, hatte damals auch Silber errungen.

"Nach dem Halbfinale war ich schon so froh, das war auch ein bisschen mein Verhängnis – weil ich so happy war. Ich habe dadurch die Spannung etwas verloren. Ich wusste schließlich, ich bin seit Ole Bischof der Erste, der die Medaille sicher hat", sagte Trippel nach dem Kampf. "Ich bin der Meinung, ich hätte ihn besiegen müssen im Finale, er war physisch nicht mehr so stark. Klar, über eine olympische Medaille kann man sich nicht beschweren."

Eindrucksvoller Marsch durch die ersten Runden

Der JCR-Athlet fügte hinzu: "Ich tue mir im Finale immer schwer, weil es im Judo so schwer ist, eine Medaille zu holen. Ich habe nach dem Halbfinale auch geweint und direkt meinen Vereinstrainer (Andreas Esper) angerufen, er hat auch geweint. Es ärgert mich im Nachhinein. Vielleicht habe ich Vollgas gegeben, aber ich hätte auch mehr rausholen können."

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Der Weltranglisten-15. Trippel war eindrucksvoll durch die ersten Runden marschiert. Der 24-Jährige bezwang die beiden Ex-Weltmeister Nemanja Majdov (Serbien) und Donghan Gwak (Südkorea), anschließend den Weltranglisten-Dritten Krisztian Toth (Ungarn). In einem packenden Halbfinale schlug er dann den Türken Mihael Zgank, Europameister von 2019, in der fünften Minute der Verlängerung. Im Endkampf nutzte Bekauri, amtierender Europameister, einen Moment der Unachtsamkeit, erwischte Trippel mit einem Hüftwurf.

Von Beginn an beim JCR aktiv

Trippel ist Polizeikommissar-Anwärter bei der Hessischen Polizei in Wiesbaden. Der 24-Jährige fing einst mit dem Judo an, weil er als hyperaktiv galt. Seit Beginn seiner Karriere ist er für den JCR aktiv, reifte unter seinem Heimtrainer Andreas Esper zum Weltklasse-Athleten. Trippel gilt als physisch ungemein stark, ist zudem durch seine technisch-taktische Variabilität kaum auszurechnen. Bei der WM 2018 verpasste er haarscharf eine Medaille, wurde Fünfter. In den vergangenen Monaten zeigte er stark Leistungen, wurde im Mai unter anderem Zweiter beim Grand Slam in Kasan.

Nach den Sommerspielen will sich der Rüsselsheimer ein halbes Jahr Pause gönnen, um sich auf sein Studium bei der Polizei zu kontrieren.