Vor dem Duell der beiden Erstliga-Absteiger: Gemeinsamkeiten...

aus SV Darmstadt 98

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Aufstieg in die Fußball-Bundesliga, Klassenerhalt, Trainerwechsel, Abstieg in die Zweite Liga, erneuter Trainerwechsel, Ernüchterung. Mit diesen Stichworten lässt sich die...

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DARMSTADT/INGOLSTADT. Aufstieg in die Fußball-Bundesliga, Klassenerhalt, Trainerwechsel, Abstieg in die Zweite Liga, erneuter Trainerwechsel, Ernüchterung. Mit diesen Stichworten lässt sich die Entwicklung des SV Darmstadt 98 in den vergangenen dreieinhalb Jahren ebenso kurz wie prägnant zusammenfassen.

Setzt man den Punkt "Ernüchterung" nicht sofort mit einem erneuten sportlichen Existenzkampf gleich, könnte diese Aufzählung aber auch ohne Weiteres dem nächsten Gegner der Lilien zugeordnet werden. Denn die Parallelen zwischen den Lilien und den "Schanzern" des FC Ingolstadt 04 sind unverkennbar.

Rückblick: In der Zweitliga-Saison 2014/15 marschierten beide Teams nahezu im Gleichschritt in Richtung Fußball-Oberhaus, wovon vor Rundenbeginn keinesfalls auszugehen war. Die Lilien wurden nach dem Last-Minute-Aufstieg in der Relegation gegen Bielefeld auf einer Euphorie-Welle durch die Liga getragen, der FCI hatte sich im Schatten der Konkurrenz aus Kaiserslautern, Karlsruhe oder Leipzig unter Trainer Ralph Hasenhüttl zu einem Spitzenteam entwickelt.

In bester Erinnerung dürfte vielen Fans noch das damalige Rückspiel im Stadion am Böllenfalltor geblieben sein: Beim 2:2 sahen die Zuschauer einen prickelnden Vergleich. Der Tabellenführer aus der Oberpfalz war im letzten Spiel vor der Winterpause gegen Ende der Partie stehend k.o., in der Schlussphase weigerten sich die "Schanzer" gar, das Spiel in normalem Tempo fortzusetzen. Der Ball blieb fast die gesamte Nachspielzeit über im Besitz von Torwart Ramazan Özcan.

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Die 98er griffen ihrerseits nicht an, weil sie am Ende des kräftezehrenden Spektakels keine Räume mehr bieten wollten - und obendrein schon zu diesem Zeitpunkt im Dunstkreis der Aufstiegsplätze standen. Ein Punkt gegen den Spitzenreiter kam da alles andere als ungelegen.

Nach dem Aufstieg waren die Voraussetzungen für beide Teams dann abermals weitgehend identisch: Sowohl die Lilien als auch die Schanzer galten vor Rundenbeginn als sichere Abstiegskandidaten. Doch auch im deutschen Fußball-Oberhaus meisterten die Underdogs ihre Aufgaben mehr als beachtlich - einmal mehr mit vielen Parallelen.

Underdogs schaffen den Klassenerhalt

Denn sowohl der SV Darmstadt 98 als auch der FC Ingolstadt verstärkten sich nach dem Aufstieg punktuell, sie tauschten mitnichten die gesamte Aufstiegsmannschaft aus. Nicht zuletzt deshalb glückte beiden ein guter Start.

Die Lilien blieben die ersten vier Partien ungeschlagen, Ingolstadt rutschte sogar erst am zwölften Spieltag in die untere Tabellenhälfte. Zudem landeten beide Aufsteiger beachtliche Erfolge - zu nennen sind hier vor allem das 2:2 der Lilien bei Borussia Dortmund sowie die Ingolstädter Siege gegen Schalke und Mönchengladbach. Zupass kam beiden Kontrahenten im ersten Bundesligajahr eine sattelfeste Defensive sowie eine enorme Torgefahr nach Standardsituationen.

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Einziger gravierender Unterschied damals: Ingolstadt legte den Grundstein für seine letztlich ausreichende Punkte-Ausbeute im heimischen Audi-Sportpark, der SV 98 avancierte zu einem der stärksten Auswärtsteams der Liga.

Die Erfolge weckten - fast schon logischerweise - Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz, insbesondere die Erfolgstrainer Ralph Hasenhüttl (zu RB Leipzig) und Dirk Schuster (zum FC Augsburg) waren nicht mehr zu halten. Zudem kehrten zahlreiche Leistungsträger (FCI: Hübner, da Costa, Özcan; SVD: Wagner, Mathenia, Rausch, Rajkovic, Kempe) beiden Clubs den Rücken.

Unter den neuen Übungsleitern Norbert Meier (Darmstadt) und Markus Kauczinski (Ingolstadt) konnten die neu formierten Teams zu keiner Zeit an die Erfolge der vorangegangenen Saison anknüpfen, schon früh steckten beide Mannschaften im Tabellenkeller fest. Konsequenz: Mit Maik Walpurgis (FCI) und Torsten Frings (SVD) wurden alsbald neue Trainer installiert, unter denen zwar wieder ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen war, der letztlich aber nicht zur abermaligen Rettung führte.

Und so ging es für die Oberpfälzer und die Südhessen im Sommer 2017 im Gleichschritt wieder eine Etage nach unten - erneute Umbauten an den Kadern inbegriffen.

Ingolstadt fängt sich, Lilien werden durchgereicht

Zunächst schien es dann so, als ob die Darmstädter den Rückschritt besser wegstecken würden. Die Lilien starteten mit drei Siegen und einem Remis in die neue Saison - und zahlreichen verheißungsvollen Neuzugängen wie Weltmeister Kevin Großkreutz, Rückkehrer Tobias Kempe oder dem polnischen Nationalspieler Artur Sobiech. Die als Aufstiegsfavorit gestarteten Schanzer fabrizierten hingegen einen veritablen Fehlstart, nach drei Niederlagen zum Saisonauftakt musste Walpurgis schon wieder die Koffer packen.

Das Traineramt übernahm fortan der seitherige U 23-Coach Stefan Leitl, der auch in Darmstadt als möglicher Meier-Nachfolger gehandelt worden und als Spieler sowohl in Ingolstadt als auch in Darmstadt aktiv gewesen war. Unter seiner Regie kletterte der FC Ingolstadt zunächst Schritt für Schritt nach oben, zuletzt kassierten die "Schanzer" aber drei Niederlagen in Folge. Der angepeilte Aufstieg ist somit kaum mehr erreichbar.

Noch größer ist die Ernüchterung aber in Südhessen: Neun Spieltage vor Saisonende laufen die Lilien ernsthaft Gefahr, in die Dritte Liga durchgereicht zu werden. In den letzten 19 Partien gelangen den Darmstädtern gerade einmal zwei Siege, selbst die Rückkehr von Dirk Schuster, der Torsten Frings Mitte Dezember ablöste, brachte bislang nicht den erhofften Erfolg.

Und so ist es durchaus möglich, dass sich nach nunmehr vier Spielzeiten im Gleichschritt die Wege der Vereine bis auf Weiteres trennen.