Peter Niemeyer steht nach mehr als drei Monaten wieder auf dem...

aus SV Darmstadt 98

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Vor rund einem Jahr sorgte Peter Niemeyer im Laufe der Sommervorbereitung mit seiner Aussage "Mit diesem Kader können wir die weiße Fahne hissen" für Aufregung. Er sollte...

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DARMSTADT. Vor rund einem Jahr sorgte Peter Niemeyer im Laufe der Sommervorbereitung mit seiner Aussage "Mit diesem Kader können wir die weiße Fahne hissen" für Aufregung. Er sollte bekanntlich nicht ganz falsch liegen mit seiner Einschätzung. In diesem Jahr beurteilt der Routinier, der in seine dritte Saison beim Fußball-Bundesligisten SV Darmstadt 98 geht, die Lage völlig anders. "Ich bin seit zwei Tagen da und habe schon eine ganz andere Grundstimmung festgestellt. Paradoxerweise, denn im letzten Jahr durften wir Bundesliga spielen und die Stimmung war im Keller, jetzt müssen wir Zweite Liga spielen und die Stimmung ist gut."

Es seien bisher "gute Jungs dazu gekommen", so Niemeyer. Und er hoffe, dass noch einige Neuzugänge kommen werden. "Dann bin ich guten Mutes für die neue Saison. Und die weiße Fahne lassen wir diesmal im Keller", zeigt sich der 33-Jährige durchaus zuversichtlich.

Niemeyer, der sein letztes Bundesligaspiel im Dress der Lilien am 11. März gegen den FSV Mainz 05 absolvierte, laborierte mehr als drei Monate an einer langwierigen Achillessehnenreizung. Ärzte und Physiotherapeuten "in Darmstadt, Berlin, aber auch in der ganzen Bundesrepublik" habe er während seiner Leidenszeit aufgesucht und alle hätten "jeweils ein Mosaikstückchen dazu beigetragen", das Ganze wieder hinzubekommen.

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Dies scheint nun endlich gelungen: Am Dienstag trainierte der erfahrene und kampfstarke Defensivspieler, der 2015 von Hertha BSC ans Böllenfalltor gewechselt war, erstmals wieder voll mit der Mannschaft. "Es hat sich sehr gut angefühlt, wieder mit den Jungs auf dem Platz zu stehen. Es ist nun doch eine Weile her gewesen und es hat länger gedauert als erhofft. Ich habe in den letzten Monaten immer wieder von Woche zu Woche gelebt, was es auch so kompliziert machte. Bei einer Ruptur beispielsweise weiß man, dass man eine gewisse Zeit raus ist und dann wieder angreifen kann. So war es bei mir nicht."

Er habe immer wieder die Hoffnung gehabt, der Mannschaft im Abstiegskampf noch helfen zu können. "Wenn man die Mannschaft taumeln sieht, will man schon dabei sein. Oft ist es so, dass in guten Zeiten immer alle fit sind und wenn es schlecht läuft, sind die Spieler plötzlich verletzt. Ich wollte mich nicht wegstehlen und habe alles versucht, um schnellstmöglich wieder fit zu werden", sagt Niemeyer rückblickend. Man schaue nun von Training zu Training, um die Belastung für seinen linken Fuß optimal zu steuern. "Wir wollen nichts überstrapazieren. Ich fühle mich aber gut und werde zusehen, dass ich am ersten Spieltag topfit bin. Dafür gebe ich Vollgas und möchte eine vernünftige Saison spielen."

Begeistert ist Niemeyer von der Stimmung innerhalb des Vereins, aber auch im Umfeld der Lilien. Mehr als 10.000 verkaufte Dauerkarten sprechen für sich. "Hier in Darmstadt ist die Situation anders als vor ein paar Jahren bei Hertha BSC nach dem Abstieg. Dort herrschte Untergangsstimmung. Die letzten Spieltage der zurückliegenden Saison waren ja nochmal Fußballfeste hier in Darmstadt. Man merkt, dass hier eine ganz andere Grundstimmung herrscht. Deswegen freue ich mich auf die Vorbereitung und möchte Energie für die Saison tanken."

Dass der SV 98 dabei diesmal nicht mehr der Jäger, sondern als Bundesliga-Absteiger auch der Gejagte sein könnte, lässt ihn ziemlich kalt. "Alle sprechen ja immer von Etats. Wenn man eben jene vergleicht, dann sehe ich uns nicht als absoluten Favoriten. Rein nach Zahlen bemessen sind andere Vereine vorne. Ich glaube, dass es eine ganz ausgeglichene Zweite Liga sein wird, in der viel passieren kann." Niemeyer freut sich auf Spiele, die öfter "auf Augenhöhe" stattfinden würden. "Ich bin davon überzeugt, dass wir öfter gewinnen werden als im letzten Jahr. Das tut auch mal wieder ganz gut", fügt er lachend hinzu.

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Und so möchte er, der über sich selbst sagt, in der "Blüte der Karriere zu stehen", mit den Lilien in der bevorstehenden Saison "das Maximale erreichen." Deshalb stehe er schließlich jeden Tag auf dem Platz. Wie das dann am Ende aussehen wird, bleibt abzuwarten. "Man hat in der letzten Saison gesehen, dass es auch bei den Topfavoriten Stuttgart und Hannover nicht ganz so klar war", warnt Niemeyer.

"Die Mannschaft befindet sich noch im Umbruch, dass dies aktuell noch nicht der endgültige Kader ist, ist ja klar." Mit Hamit Altintop und Jan Rosenthal, die beide noch nicht ihren Abschied aus Darmstadt verkündet haben, stehe er zwar in Kontakt, werde aber "nicht die Werbetrommel rühren". Niemeyer dazu: "Das muss schon jeder selbst wissen und für sich selbst entscheiden."

Von Melanie Kahl-Schmidt