Marco "Toni" Sailer: Ein Tor, das ihm keiner nehmen kann

aus SV Darmstadt 98

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Unbändige Freude: Marco "Toni" Sailer bejubelt seinen Treffer gegen Mainz. Archivfoto: Herbert Krämer

In seiner Zeit als Verteidiger des SV Darmstadt 98 war Sailer nicht nur Liebling der Fans und Zuschauer. Für einen Abend im Jahr 2015 war er auch der Star des Spiels gegen den...

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DARMSTADT/MAINZ. Artem Fedetskyy, Alexander Milosevic, und Fabian Holland sind die einzigen regelmäßig spielenden Kicker des Fußball-Bundesligisten SV Darmstadt 98, die noch kein einziges Tor in der Ersten Liga erzielt haben. Das ist freilich auch nicht die Hauptaufgabe der Verteidiger. Während der Ukrainer Fedetskyy die rechte Seite dichtmachen soll, ist Holland für die linke zuständig. Beide interpretieren ihre Rollen recht defensiv, für Tore sind andere zuständig. Und Innenverteidiger Milosevic fehlte zuletzt in Bremen gar ganz im Kader.

Die Rheinhessen sind aber generell ein ganz guter Gegner für ein erstes Bundesliga-Tor. Vor etwas mehr als einem Jahr, genauer gesagt am 2. Oktober 2015, feierte beispielsweise ein in Darmstadt bis heute extrem beliebter Fußballer seinen ersten (und wohl auch einzigen) Treffer in der Eliteliga.

Marco "Toni" Sailer hatte damals das zwischenzeitliche 2:2 erzielt, am Ende hatten die Mainzer in Darmstadt dennoch mit 3:2 gewonnen. Das war Toni völlig egal. "Keiner, der mich kennt, hätte mir das zugetraut", sagte Sailer damals strahlend, bevor er bei den Fernsehsendern herumgereicht wurde und seine völlig verdienten "15 Minuten Ruhm" bekam. In Darmstadt wird er diesen sowieso immer haben, der mittlerweile in Nordhausen stürmende Bartträger wird hier immer Freunde haben und beliebt sein.

Was Sailer sein Treffer bedeutet hatte, wurde an jenem Oktoberabend immer wieder deutlich. "Das kann mir keiner mehr nehmen", sagte Sailer. Oder: "Dieses Tor wird in allen Büchern über die Bundesliga-Geschichte stehen." In den Statistiken wird es in der Tat immer zu finden sein. Nicht nur, weil es sein erster Treffer in der Ersten Liga war, auch, weil es einer der sympathischsten Fußballer überhaupt erzielt hatte. Und ein Spieler, der genau wusste, wie er seine eigenen Fähigkeiten einzuschätzen hatte.

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Sailer musste vor der Saison 2016/17 gehen, angesichts der teilweise panisch wirkenden Verpflichtungen des damaligen Sportdirektors Holger Fach und des damaligen Trainers Norbert Meier hatten das nicht alle verstehen können. Sailer war indes noch von Meiers Vorgänger Dirk Schuster mitgeteilt worden, dass sein Vertrag nicht verlängert würde. "Das ist immer eine Scheiß-Situation, so etwas sagen zu müssen", hatte Schuster damals ganz offen mitgeteilt. Dass Sailer besser ins Team gepasst hätte als etwa ein mittlerweile aussortierter Victor Obinna, war dann recht schnell deutlich geworden.

Sailer war das alles letztlich egal. Er wusste immer, dass die Erste Liga zu groß war für ihn, er schied nicht im Groll. "Auch die schönste Zeit geht einmal zu Ende", sagte Sailer damals. Er habe sich immer "den Arsch aufgerissen, und das hat den Leuten in Darmstadt wohl gefallen". Hatte es in der Tat, auch wenn andere Offensivkräfte mehr Einsatzzeit bekamen. An Sandro Wagner kam damals einfach keiner vorbei. Was Sailer auszeichnete: Er wusste das selbst gut genug. Trotzdem meckerte er nie. Er sagte stattdessen: "Ich hatte meine schönsten drei Jahre hier in Darmstadt. Das ist ein großes Glück."

Bis heute hat Sailer Spuren in Darmstadt hinterlassen

Sailer war niemandem böse, er sei alt genug, und er habe genug gute Momente gehabt, sagte er im Mai 2016. Jetzt ist er also in Thüringen gelandet, doch irgendwann könnte er zurückkehren nach Darmstadt, wo er sich immer noch wohl fühlt. Unvergessen ist er sowieso, und wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, der entdeckt viele Spuren des ehemaligen Kult-Stürmers - als Graffiti etwa ist er häufig zu entdecken.

Und zwar auch deshalb, weil er in seiner Vita seit jenem 2. Oktober 2015 ein Bundesliga-Tor stehen hat. Das hätte er nicht gedacht, hatte er bekannt, niemand habe geglaubt, dass er sich in diese Liste eintragen könne.

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Er hat es geschafft - es war denn auch einer der schönsten Abende seines Lebens.