Gegnerporträt: Der FC St. Pauli strebt nach höheren Zielen

aus SV Darmstadt 98

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Hintere Reihe (von links): Sami Allagui, Bernd Nehrig, Christopher Avevor, Daniel Buballa, Luca Zander, Aziz Bouhaddouz, Lasse Sobiech, Johannes Flum, Brian Koglin, Marc Hornschuh, Clemens Schoppenhauer, Jan-Philipp Kalla, Jeremy Dudziak. Mittlere Reihe: Siegmar Krahl (Zeugwart), Andreas Kreft (Zeugwart), Petros Katsares (Osteopath), Lisa Gehrke (Physiotherapeutin), Ronald Wollmann (Physiotherapeut), Johannes Reich (Physiotherapeut), Valentin Lay (Athletiktrainer), Dr. Volker Carrero (Mannschaftsarzt), Dr. Sebastian Schneider (Mannschaftsarzt), Andrew Meredith (Spielanalyst), Janosch Emonts (Athletiktrainer), Mathias Hain (Torwarttrainer), Markus Gellhaus (Co-Trainer), Patrick Glöckner (Co-Trainer), Olaf Janßen (Cheftrainer). Vordere Reihe: Richard Neudecker, Waldemar Sobota, Cenk Sahin, Jan-Marc Schneider, Joël Keller, Svend Brodersen, Philipp Heerwagen, Robin Himmelmann, Yi-Young Park, Christopher Buchtmann, Maurice Jerome Litka, Kyoung-Rok Choi, Mats Möller Daehli. Es fehlen: Ryo Miyaichi, Philipp Ziereis.Foto: Axel Heimken / dpa  Foto: Axel Heimken / dpa

Elf Punkte, magere elf geschossene Tore und eine Tordifferenz von minus 13: In der Hinrunde der vergangenen Saison präsentierte sich der FC St. Pauli wie ein Absteiger – und...

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HAMBURG. Elf Punkte, magere elf geschossene Tore und eine Tordifferenz von minus 13: In der Hinrunde der vergangenen Saison präsentierte sich der FC St. Pauli wie ein Absteiger – und grüßte den Rest der Liga völlig zurecht vom Tabellenende. Die Entlassung von Trainer Ewald Lienen schien nur noch eine Frage der Zeit.

Hintere Reihe (von links): Sami Allagui, Bernd Nehrig, Christopher Avevor, Daniel Buballa, Luca Zander, Aziz Bouhaddouz, Lasse Sobiech, Johannes Flum, Brian Koglin, Marc Hornschuh, Clemens Schoppenhauer, Jan-Philipp Kalla, Jeremy Dudziak. Mittlere Reihe: Siegmar Krahl (Zeugwart), Andreas Kreft (Zeugwart), Petros Katsares (Osteopath), Lisa Gehrke (Physiotherapeutin), Ronald Wollmann (Physiotherapeut), Johannes Reich (Physiotherapeut), Valentin Lay (Athletiktrainer), Dr. Volker Carrero (Mannschaftsarzt), Dr. Sebastian Schneider (Mannschaftsarzt), Andrew Meredith (Spielanalyst), Janosch Emonts (Athletiktrainer), Mathias Hain (Torwarttrainer), Markus Gellhaus (Co-Trainer), Patrick Glöckner (Co-Trainer), Olaf Janßen (Cheftrainer). Vordere Reihe: Richard Neudecker, Waldemar Sobota, Cenk Sahin, Jan-Marc Schneider, Joël Keller, Svend Brodersen, Philipp Heerwagen, Robin Himmelmann, Yi-Young Park, Christopher Buchtmann, Maurice Jerome Litka, Kyoung-Rok Choi, Mats Möller Daehli. Es fehlen: Ryo Miyaichi, Philipp Ziereis.Foto: Axel Heimken / dpa  Foto: Axel Heimken / dpa

Doch weit gefehlt: Die Vereinsführung um Präsident Oke Göttlich und Sportdirektor Andreas Rettig bewies, dass die „Kiezkicker“ tatsächlich der oftmals belächelte „etwas andere Verein“ sind, stärkten Lienen demonstrativ den Rücken und erteilten ihm in aller Öffentlichkeit eine Jobgarantie.

Und dieses Signal zeigte Wirkung: Mit Beginn der Rückrunde starteten die Paulianer einen Siegeszug, der in der besten Rückserie der nunmehr 107-jährigen Vereinsgeschichte (34 Punkte aus 17 Spielen) gipfelte. In der Abschlusstabelle belegten die Hamburger einen kaum mehr für möglich gehaltenen siebten Platz.

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Kaum verwunderlich also, dass Spieler und Verantwortliche in der neuen Saison an diese Leistungen anknüpfen wollen. In den ersten beiden Partien ist dies gegen die ambitionierten Teams aus Bochum (1:0) und Dresden (2:2) bereits durchaus gelungen.

DAS TEAM

Seinen vermeintlichen Königstransfer landete der FC St. Pauli bereits im November des vergangenen Jahres, als Olaf Janßen als Co-Trainer für Ewald Lienen verpflichtet wurde. Binnen kürzester Zeit avancierte der frühere Profi zur allseits akzeptierten rechten Hand des beliebten Übungsleiters.

Fast schon logische Konsequenz: Als Lienen Ende Mai seinen Posten freiwillig räumte, um das neu geschaffene Amt des Technischen Direktors auf St. Pauli zu übernehmen, empfahl er der Vereinsführung seinen seitherigen Assistenten als Nachfolger. So stellt man sich einen fließenden Übergang vor.

Auch bei der Kaderplanung setzten die Verantwortlichen in der Sommerpause auf Kontinuität: Mit Ausnahme von Kapitän Sören Gonther (ablösefrei zu Dynamo Dresden) und Angreifer Lennart Thy (nach Leihe zurück nach Bremen) blieb der zuletzt so erfolgreiche Kader weitgehend zusammen. Dabei gelang es unter anderem, die Senkrechtstarter der vergangenen Rückrunde, Cenk Sahin und Mats Möller Daehli, weiter an den Verein zu binden. Mit Sami Allagui (von Hertha BSC) wurde zudem ein gestandener Bundesligaprofi verpflichtet. Die weiteren Neuzugänge Clemens Schoppenhauer (Würzburg) und Luca Zander (Werder Bremen II) verstärken das Team indes hauptsächlich in der Breite.

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DIE TAKTIK

In den ersten beiden Saisonspielen vertraute Janßen einem klassischen 4-4-2-System mit zwei zentralen Mittelfeldspielern. Den defensiveren Part übernahm dabei Kapitän Bernd Nehrig, während Christopher Buchtmann (Foto) das Offensivspiel der Kiezkicker gekonnt ankurbelte. Auf den offensiven Außenbahnen dürften Waldemar Sobota und Mats Möller Daehli auch in Darmstadt gesetzt sein – zu stark präsentierte sich das Duo in den ersten beiden Spielen.

Auch im Sturm – hier scheinen Aziz Bouhaddouz und Sami Allagui gesetzt –, in der Innenverteidigung (Sobiech/Hornschuh), auf der linken Abwehrseite (Buballa) und auf der Torwartposition sind die Voraussetzungen klar. Obwohl Philipp Heerwagen zwischen den Pfosten im Pokal den Vorzug vor Robin Himmelmann bekommen hatte, betonte Trainer Olaf Janßen: „Der Pokal ist Philipps Wettbewerb. Ich bin mit Robins Leistungen aber sehr zufrieden. Robin Himmelmann wird daher weiter in der Liga zwischen den Pfosten stehen, also logischerweise auch in Darmstadt.“

Somit ist derzeit nur eine Position in der Startformation der Hamburger ernsthaft umkämpft: Rechts hinten hat Janßen die Wahl zwischen Jan-Philipp Kalla und Jeremy Dudziak.

DIE STÄRKEN

St. Paulis personifizierte Stärke trägt den Namen Christopher Buchtmann. Der Mittelfeldspieler ist nicht nur der Dreh- und Angelpunkt des Hamburger Spiels, sondern auch ein Torgarant: Saisonübergreifend markierte Buchtmann bei seinen letzten sieben Einsätzen sieben Treffer. Eine starke Bilanz.

Gleichwohl profitiert Buchtmann – wie die gesamte Mannschaft – von der Euphorie, die die Kiezkicker seit Beginn der vergangenen Rückrunde gepackt hat. Siege bringen bekanntlich Selbstvertrauen. Und das ist den Paulianern seit Monaten anzumerken.

DIE SCHWÄCHEN

Wenn es beim FC St. Pauli derzeit überhaupt irgendwo hakt, dann am ehesten im Sturm. Zwar verfügen sowohl Bouhaddouz als auch Allagui über einen gesunden Torriecher, bislang sind die beiden Angreifer diesbezüglich aber noch nicht in Erscheinung getreten.

Darüber hinaus wirkte die Defensivabteilung beim 2:2 gegen extrem offensiv ausgerichtete und früh attackierende Dresdner nicht immer sattelfest.

DIE NATIONALSPIELER

Sofern er von Verletzungen verschont bleibt, ist davon auszugehen, dass Mats Möller Daehli beim Duell mit der DFB-Elf am 4. September in Stuttgart das norwegische Nationaltrikot tragen wird. Neben dem Norweger (16 Einsätze) verfügen mit Allagui (Tunesien/27 Einsätze), Sobota (Polen/18), dem langzeitverletzten Ryo Miyaichi (Japan/2) und Bouhaddouz (Marokko/10) vier weitere Hamburger über internationale Erfahrung.

ÜBRIGENS

Der FC St. Pauli pflegt seit Jahrzehnten ein alternativ-pazifistisches Image. Umso überraschender kam es für viele Anhänger, als der Verein im Herbst 2015 einen Ausrüstervertrag mit dem US-Unternehmen „Under Armour“ abschloss. Das Unternehmen gilt als Förderer des amerikanischen Militärs und unterhält angeblich millionenschwere Geschäftsbeziehungen zum US-Verteidigungsministerium sowie der Waffen-Lobby „National Rifle Association“ (NRA). Doch St. Pauli wäre nicht St. Pauli, hätte der Verein diesen fragwürdigen Deal nicht ausführlich und vor allem basisdemokratisch mit den Mitgliedern und Fans diskutiert.