Gegner des SVDarmstadt 98: Der 1. FC Heidenheim mausert sich...

aus SV Darmstadt 98

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Ruhe und akribische Arbeit zeichnen den Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim aus. So leitet Holger Sanwald seit über 23 Jahren die Geschicke des Vereins. Mit diesen Mitteln...

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HEIDENHEIM. Ruhe und akribische Arbeit zeichnen den Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim aus. So leitet Holger Sanwald seit über 23 Jahren die Geschicke des Vereins - zunächst als Abteilungsleiter der Landesliga-Fußballer des Stammvereins Heidenheimer SB, später als hauptamtlicher Geschäftsführer des neu gegründeten FCH und seit Dezember 2016 als Vorstandsvorsitzender.

In dieser Zeit ging es für den Club von der Ostalb und somit auch für Holger Sanwald stetig nach oben: von der Landesliga in die Zweite Bundesliga. Von seiner ursprünglichen Zielsetzung ("Ich wollte den Fußball in Heidenheim überhaupt am Laufen halten. Auf längere Sicht wollte ich den Verein wieder in der Oberliga sehen") weicht er inzwischen dann auch merklich ab, nach dreieinhalb Jahren im Fußball-Unterhaus und Platz sechs in der vergangenen Saison ist der Bundesliga-Aufstieg bereits mehr als nur eine Vision. "Irgendwann mal", lautet die Devise - und mit "irgendwann" ist bestimmt nicht erst in 15 Jahren gemeint.

Dass außerhalb Heidenheims dennoch kaum jemand etwas von diesen Ambitionen mitbekommt - Club und Stadt werden zuweilen immer noch als Provinznest wahrgenommen -, kommt Sanwald, Trainer Frank Schmidt und allen Mitstreitern nicht ungelegen. Im Schatten der Konkurrenz treiben sie ihr "Projekt FCH", das für nahezu alle Beteiligten eine Herzensangelegenheit bedeutet, voran. Jedes Zweitliga-Jahr nutzen sie, um Mannschaft und Infrastruktur Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Beste Beispiele hierfür sind die Platzierungen der vergangenen Spielzeiten (Achter, Elfter, Sechster) und das vereinseigene, 15 000 Zuschauer fassende Stadion, das zu einem wahren Schmuckkästchen geworden ist.

DAS TEAM

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Für kleines Geld wird der Heidenheimer Kader Jahr für Jahr punktuell ergänzt, mit Ausnahme von Marnon Busch und Nikola Dovedan kamen alle Sommer- und Winter-Zugänge ablösefrei an die Brenz. Das Gerüst der Mannschaft steht jedoch schon seit mehreren Jahren, sieben Spieler aus dem 18er-Kader der Partie gegen Jahn Regensburg am 22. Spieltag waren bereits beim letzten Gastspiel der Heidenheimer in Darmstadt dabei. Angeführt wird das Team freilich von Kapitän Marc Schnatterer: Seit nunmehr zehn Spielzeiten schnürt der 32-Jährige für den FCH die Fußballschuhe, Seite an Seite mit Coach Frank Schmidt schaffte er den Durchmarsch von der Regionalliga in den Profi-Fußball.

DIE TAKTIK

Zumeist schickt Trainer Frank Schmidt seine Elf in einem klassischen 4-4-2 auf den Rasen, wobei die beiden Sechser Marcel Titsch-Rivero und Sebastian Griesbeck den offensiven Flügelspielern Schnatterer und Maximilian Thiel den Rücken freihalten. Im Sturm setzt Schmidt in der Regel auf zwei groß gewachsene Angreifer (John Verhoek oder Robert Glatzel sowie Denis Thomalla), dem wuseligen Österreicher Nikola Dovedan blieb zuletzt nur die Rolle des Jokers.

DIE STÄRKEN

Das Gros der Heidenheimer Mannschaft spielt seit vielen Jahren zusammen, folglich zählt die mannschaftliche Geschlossenheit zu den größten Stärken der Schmidt-Truppe. Nach einem schwachen Saisonstart (vier Niederlagen aus den ersten fünf Spielen) und einer weiteren Schwächephase Mitte der Hinrunde hat sich die Elf gefangen. "Seither haben wir uns kontinuierlich nach oben gearbeitet", bringt es Frank Schmidt auf den Punkt. Hinzu kommt die individuelle Klasse von Kapitän Marc Schnatterer, der mit seinen Standards und immensem Zug zum Tor jede Defensivreihe in Gefahr bringen kann. Die Heidenheimer Offensive zählt mit 34 geschossenen Toren (Stand: nach dem 23. Spieltag) zu den treffsichersten der Liga.

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DIE SCHWÄCHEN

Auch wenn Schmidt zuletzt betonte, seine Mannschaft sei im Offensivspiel variabler und torgefährlicher geworden, lassen Verhoek, Glatzel, Thomalla & Co. immer noch vergleichsweise viele

Chancen liegen. Weitere Problemzone ist die Defensive: In 23 Spielen hielten die Torhüter Kevin Müller und Vitus Eicher nur dreimal ihren Kasten sauber. Zuletzt deckte Aufsteiger Regensburg beim 2:0 die Schwachstellen in der Heidenheimer Hintermannschaft auf, sodass Schmidt konstatierte: "Regensburg hat schnell gespielt, war sehr leidenschaftlich, sehr laufstark - und damit hatten wir unsere Probleme."

DIE NATIONALSPIELER

Mit dem Australier Ben Halloran hat der einzige Nationalspieler im FCH-Kader den Verein in der Winterpause in Richtung Japan verlassen.

ÜBRIGENS

Frank Schmidt ist der dienstälteste Trainer im deutschen Profi-Fußball, im Hinspiel gegen den SV Darmstadt 98 feierte er sein zehnjähriges "Dienstjubiläum". Dass er im September 2007 überhaupt das Traineramt beim FCH übernommen hatte, war jedoch alles andere als geplant. "Ich bin da eher zufällig reingeschlittert", gibt er freimütig zu. Eigentlich sei geplant gewesen, "dass Frank nach seiner Karriere als Spieler ab Oktober 2007 bei uns, parallel zu seiner Tätigkeit als Co-Trainer beim FCH, anfangen würde", bestätigte der langjährige Club-Sponsor Wolfgang Rummel, Inhaber eines Heidenheimer Versicherungsbüros, im Interview mit dem FCH-Stadionmagazin "Heimspiel". Doch drei Tage vor Schmidts erstem Arbeitstag als Versicherungsmakler kam die Wende - die keiner der damals Beteiligten auch nur annähernd bereut.