Gegner des SV Darmstadt 98: FC Ingolstadt - Der strauchelnde...

aus SV Darmstadt 98

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Marvin Matip ist Ingolstadts Kapitän und Führungsspieler. Foto: Sascha Kopp

Der FC Ingolstadt startete mit großen Ambitionen in die Saison der Zweiten Fußball-Bundesliga, agiert aber nicht konstant genug.

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INGOLSTADT. "Oh, wie ist das schön", sang die Vielzahl der 7900 Zuschauer im Ingolstädter Audi-Sportpark in der zweiten Hälfte der Zweitliga-Partie zwischen dem FC Ingolstadt und dem VfL Bochum am Montagabend. Was die Fans des vermeintlichen Aufstiegsaspiranten - vor Rundenbeginn galten die "Schanzer" für die meisten Zweitliga-Trainer als Aufstiegsfavorit Nummer eins - sahen, war jedoch alles andere als schön, der vermeintliche Lobgesang nichts Anderes als blanke Häme, gepaart mit einer Prise Galgenhumor.

Durch die verdiente Niederlage gegen den Tabellen-14. - es war die dritte in Folge - rutschten die Oberbayern in die untere Tabellenhälfte ab, die letzten vorhandenen Aufstiegshoffnungen erklärte Kapitän Marvin Matip postwendend für beendet: "So wie wir momentan spielen, haben wir nichts damit zu tun." Angesichts von gerade einmal vier Punkten Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz (Erzgebirge Aue) richtete Trainer Stefan Leitl den Blick gar in ganz andere Sphären: "Für uns geht es ums Überleben, es geht um den Abstiegskampf."

DAS TEAM

In die Saison gestartet war der FCI mit ganz anderen Ambitionen. Das zeigt auch der Kader der "Schanzer": Obwohl die Leistungsträger Pascal Groß, Markus Suttner (beide zu Brighton & Hove Albion), Elias Kachunga, Florent Hadergjonaj (beide zu Huddersfield Town), Marcel Tisserand (VfL Wolfsburg) und Matthew Leckie (Hertha BSC) dem FCI nach dem Abstieg aus der Bundesliga den Rücken kehrten, ist das Aufgebot immer noch mit gestandenen Erstliga-Profis wie Marvin Matip (112 Einsätze), Tobias Levels (128), Almog Cohen (109) oder Sonny Kittel (60) sowie Topspielern der Zweiten Liga (Kutschke, Pledl, Lezcano, Gaus) gespickt. Seit dem missglückten Saisonstart und dem frühen Trainerwechsel - Leitl ersetzte Maik Walpurgis - wurde der Kader zudem noch einmal um weitere Hochkaräter wie Ex-Nationalspieler Christian Träsch (VfL Wolfsburg), Patrick Ebert (Rayo Vallecano) oder Frederic Ananou (Roda Kerkrade) ergänzt. Hinzu kommen verheißungsvolle Talente wie Olympia-Teilnehmer Max Christiansen, Maximilian Thalhammer oder Hauke Wahl.

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DIE TAKTIK

Maik Walpurgis war im Spätsommer 2017 auch an seinem variablen taktischen Konzept gescheitert. Als eine seiner ersten Amtshandlungen verfügte Leitl dann auch die Rückkehr zu einem klassischen 4-3-3-System, das aber auch schnell zu einem 4-1-4-1 werden kann. Schon unter Vor-Vorgänger Ralph Hüsenhüttl hatte dieses System nahezu perfekt funktioniert. Leitl selbst betonte schon kurz nach seiner Amtsübernahme: "Wir haben umgestellt auf Altbewährtes, auf 4-3-3, um wieder Sicherheit ins Spiel zu bekommen."

DIE STÄRKEN

Neben der Erfahrung zählt die defensive Ordnung zu den größten Stärken der Oberbayern. Mit 27 Gegentoren stellen die "Schanzer" nach dem SV Sandhausen (22) die zweitbeste Abwehrreihe der Liga. Doch auch die Offensive kann sich durchaus sehen lassen: Stefan Kutschke, Moritz Hartmann und Dario Lezcano haben ihre Torjäger-Qualitäten schon des Öfteren unter Beweis gestellt, die Mittelfeld-Zentrale um Almog Cohen, der in Darmstadt allerdings noch gesperrt ist, Thomas Pledl und Sonny Kittel genügt ebenfalls höchsten Zweitliga-Ansprüchen.

DIE SCHWÄCHEN

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Ohne Frage ist die fehlende Konstanz das Hauptproblem der Ingolstädter: Zwei Niederlagenserien - zu Saisonbeginn sowie in den vergangenen drei Partien - steht ein positiver Lauf von sechs Spielen ohne Niederlage in der Saisonmitte gegenüber. Ansonsten wechselten sich Siege, Unentschieden und Niederlagen in schöner Regelmäßigkeit ab.

DIE NATIONALSPIELER

Mit Torhüter Örjan Nyland (20 Länderspiele für Norwegen), Almog Cohen (22/Israel) und Dario Lezcano (13/Paraguay) stehen drei aktuelle Nationalspieler im FCI-Kader. Hinzu kommen mit Christian Träsch (10/Deutschland), Alfredo Morales (13/USA) und Kapitän Marvin Matip (3/Kamerun) drei weitere ehemalige Auswahlspieler.

ÜBRIGENS

Weithin ist der FCI als "Die Schanzer" bekannt, der befremdlich klingende Name ist sogar im Vereinswappen verankert. Nach eigenen Angaben drückt der Name "die Verbundenheit des Vereins zur Stadt Ingolstadt und ihrer Historie" aus. So wurde 1537 mit dem Ausbau Ingolstadts zur bayerischen Landesfestung - einer Festung der bayrischen Armee, die rechts und links der Donau rund um Ingolstadt angelegt war - begonnen. Schnell bekam Ingolstadt umgangssprachlich den Namen "die Schanz", der noch heute an die Zeit als Festungsstadt erinnert. Die nahezu vollständig erhaltene mittelalterliche Stadtumwallung sowie zahlreiche, gut erhaltene Werke aus den späteren Phasen vermitteln bis heute eine lebendige Vorstellung, wie die Stadt zur jeweiligen Zeit durch die Festungswerke geprägt war.