Der Gegner des SV Darmstadt 98: Fortuna Düsseldorf in dieser...

aus SV Darmstadt 98

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U 21-Nationalspieler Florian Neuhaus hat sich im Fortuna-Mittelfeld festgespielt. Foto: dpa

Nach Jahren der Ernüchterung steht Fortuna Düsseldorf in dieser Saison kurz vor dem Aufstieg. Keine leichte Aufgabe also, die am Montag (Anpfiff 20.30 Uhr) auf den SV...

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DÜSSELDORF. "Alle im Verein müssen mutiger sein", hatte Robert Schäfer, Vorstandsvorsitzender von Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf, vor dem Start in die Saison 2017/18 gefordert. Sogleich formulierte der Fortuna-Boss eine Zielvorgabe, die nach den zwei vorangegangenen - gelinde gesagt - suboptimalen Spielzeiten (2015/16: 14. und 2016/17: Elfter) und einer oftmals altbacken daherkommenden Spielweise selbst die kühnsten Optimisten im Umfeld des Traditionsvereins aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt überraschte: "Wir wollen unter die ersten sechs kommen."

Trainer-Routinier Friedhelm Funkel (64) stand diesen markigen Worten in nichts nach: "Platz sechs ist ein realistisches Ziel. Vielleicht können wir sogar ganz oben angreifen, wenn wir die Mannschaft gezielt auf vier, fünf Positionen verstärken." Und das ist, so viel lässt sich nach nunmehr 27 absolvierten Partien mit Gewissheit sagen, den Rheinländern absolut gelungen. Die Fortuna mischt seit dem ersten Spieltag im oberen Tabellendrittel mit, am vierten Spieltag übernahm die Funkel-Elf erstmals die Tabellenführung. Die Spitzenposition hatte sie zwischenzeitlich nur für einen kurzen Zeitraum an Herbstmeister Holstein Kiel abgegeben, bei inzwischen neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz ist der direkte Aufstieg ins deutsche Fußball-Oberhaus zum Greifen nah.

DAS TEAM

Für Funkel galt es. im Sommer 2017 sage und schreibe elf Neuzugänge in die Mannschaft zu integrieren. Mit Genki Haraguchi kam im Winter ein weiterer Neuzugang. Doch die Integration der Neuen funktionierte reibungslos, selbst den Abgang von Flügelflitzer Ilhas Bebou (zu Hannover 96) kompensierten die Fortunen ohne größere Probleme. Und mehr als das: André Hoffmann (derzeit verletzt), Niko Gießelmann, Florian Neuhaus, Jean Zimmer, Benito Raman und Haraguchi avancierten binnen kürzester Zeit zu Leistungsträgern.

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DIE TAKTIK

Zu Saisonbeginn setzte Funkel zumeist auf ein 3-5-2-System, wobei die beiden defensiven Außenbahnspieler ihre Positionen recht offensiv interpretierten und vor allem bei den eigenen Angriffsbemühungen schon fast die Rolle des klassischen Links- und Rechtsaußen übernahmen. Inzwischen agiert die Fortuna noch variabler, beim 2:1 in Duisburg schickte Funkel seine Elf in einem 4-1-4-1 aufs Feld, beim jüngsten 4:2 gegen Bielefeld setzte er hingegen auf ein 4-2-3-1.

Insbesondere im Offensivbereich hat der Übungsleiter - auch durch die Verpflichtung von Haraguchi - etliche Optionen: Ein System mit zwei Spitzen (Hennings und Raman) ist dabei ebenso möglich wie eine offensive Dreierkette hinter Stoßstürmer Rouwen Hennings.

DIE STÄRKEN

Taktisch und personell hat Friedhelm Funkel im Vergleich zu vielen Trainer-Kollegen in der Zweiten Liga schier unbegrenzte Möglichkeiten. "Von der Bank kommt jetzt wirklich Qualität rein. In der vergangenen Saison war es eher jugendlicher Elan, aber eben ohne diese Qualität und Erfahrung. Zudem können wir flexibel die Taktik umstellen. Dafür braucht man die richtigen Spieler - und die habe ich jetzt", gab der Übungsleiter gegenüber dem Düsseldorfer Anzeiger unumwunden zu. Das spiegelt sich dann auch in der Statistik wider: 47 geschossene Tore und nur 31 Gegentore sind eines Aufsteigers absolut würdig.

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DIE SCHWÄCHEN

Wenn eine Mannschaft über Monate an der Tabellenspitze liegt, wie das bei der Fortuna in dieser Saison der Fall ist, sind die Schwächen zwangsläufig überschaubar. Wenn das Team also überhaupt Schwächen hat, dann sind das höchstens die Nachlässigkeiten, die im Gefühl des sicher geglaubten Sieges bei allen Spitzenteams auftreten. Bestes Beispiel hierfür ist die unnötige 3:4-Niederlage gegen Regensburg nach einer 3:0-Führung.

DIE NATIONALSPIELER

Die "Flügelzange" mit Takashi Usami und Genki Haraguchi ist nicht nur Zweitliga-Spitze, sondern auch WM-tauglich: Beide Offensivspieler sind fester Bestandteil der japanischen Auswahl und dürften - vorausgesetzt, sie bleiben von Verletzungen verschont - demnach auch bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland für ihr Heimatland auflaufen. Aktuelle Nationalspieler im Fortuna-Kader sind zudem Nachwuchskraft Kianz Froede (Kanada/zwei Länderspiele) sowie der türkische Verteidiger Kaan Ayhan (acht Einsätze). Internationale Meriten haben sich darüber hinaus bereits der Schwede Emir Kujovic (fünf), der US-Amerikaner Jerome Kiesewetter (zwei) sowie der Norweger Havard Nielsen (14) verdient.

ÜBRIGENS

Neben dem Transfererlös für Ilhas Bebou (4,5 Millionen Euro) spülte vor allem der Wechsel von Co-Trainer Peter Hermann zu Rekordmeister Bayern München reichlich Geld in die zuvor leeren Fortuna-Kassen. Satte 1,75 Millionen Euro überwiesen die Münchner im Herbst für den Wunsch-Assistenten ihres Cheftrainers Jupp Heynckes nach Düsseldorf.