Der gebürtige Darmstädter Christian Beisel blickt wehmütig...

aus SV Darmstadt 98

Thema folgen
Impulsiv: Christian Beisel, hier im Lilien-Trikot im März 2012 im Spiel bei den Offenbacher Kickers. Foto: Jan Hübner

Christian Beisel ist einer der wenigen Fußballer, der es als "waschechter Heiner" in die Profireihen des SV Darmstadt 98 schaffte. Der aus Arheilgen stammende Innenverteidiger...

Anzeige

DARMSTADT. Christian Beisel ist einer der wenigen Fußballer, der es als "waschechter Heiner" in die Profireihen des SV Darmstadt 98 schaffte. Der aus Arheilgen stammende Innenverteidiger lief in 52 Spielen für die Lilien auf, zunächst von 2004 bis 2006 unter Bruno Labbadia, später dann von 2011 bis 2013 unter Kosta Runjaic, Jürgen Seeberger und Dirk Schuster. Als er 2013 das Böllenfalltor verließ, war er mit seinem Team gerade aus der Dritten Liga abgestiegen. Was folgte, ist bekannt: Durch den Lizenzentzug der Offenbacher Kickers blieben die Lilien in der Liga und starteten ihre Serie, die sie bis in die Bundesliga führte - ohne Christian Beisel. Denn der war zwar dabei, aber eben nur als Zuschauer auf der Gegengerade. Mit seinen Freunden besucht der 35-Jährige bis heute regelmäßig Heimspiele "seiner" Lilien. Doch auch den 1. FC Heidenheim kennt er gut: Zwei Jahre spielte er für den Verein von der Ostalb in der Dritten Liga.

Herr Beisel, nachdem Sie 2013 die Lilien verließen, begann deren Aufstiegsserie, die sie bis in die Bundesliga führte. Packt Sie nicht manchmal die Wehmut bei dem Gedanken, dass Sie ein Teil des Ganzen hätten sein können?

Auf jeden Fall. Gerade wenn man die Jungs, mit denen man selbst noch zusammengespielt hat, in der Ersten Liga gesehen hat. Da denkt man dann schon darüber nach, dass man selbst auch noch hätte dabei sein können. Mich freut es aber natürlich für jeden, der dann Teil des Märchens sein durfte und ziehe den Hut vor dieser Leistung.

Anzeige

Ist es für Sie etwas Besonderes gewesen, als gebürtiger Darmstädter beim SV 98 spielen zu dürfen?

Das war es immer, weil ich als Kind schon mit der Familie und der Mannschaft meines Stammvereins, der SG Arheilgen, Spiele am Böllenfalltor besucht habe. Dort dann selbst als Spieler einzulaufen, das war natürlich großartig.

Waren Sie überrascht, als Dirk Schuster, den Sie selbst noch als Trainer erlebt haben, kurz vor der Winterpause ans Böllenfalltor zurückkehrte? Oder eher verwundert, dass es so lange gedauert hat?

Weder noch. Ich denke, der Zeitpunkt war einfach gekommen, dass eine Zusammenarbeit für beide Seiten wieder Sinn machte. Der zeitliche Abstand hat auch gepasst, um einen Neuanfang zu wagen. Von daher hat es mich nicht verwundert.

Sie haben zwei Mal je zwei Jahre für den SV 98 gespielt. Erfolgreicher waren Sie aber beim SV Sandhausen und beim 1. FC Heidenheim. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Anzeige

Bei meinem ersten Engagement in Darmstadt war ich als Nachwuchsspieler unter Bruno Labbadia nur Ergänzungsspieler. Er vertraute damals eher den erfahrenen Abwehrspielern, da die klare Zielvorgabe der Aufstieg in die Zweite Bundesliga war. Dies konnte ich absolut nachvollziehen. Beim zweiten Mal war es dann so, dass ich mit Verletzungen zu kämpfen hatte und die Konkurrenz, unter anderem mit Aytac Sulu, groß war. Dazu wurde mein Vater schwer krank und verstarb später auch. Das alles hat mich mental sehr belastet.

Wesentlich besser lief es in den beiden Spielzeiten beim 1. FC Heidenheim. Wie haben Sie den Verein und die heimelige Stadt an der Brenz erlebt?

Als mein Vertrag in Sandhausen endete, musste ich mir schnell etwas Neues suchen. Frank Schmidt, Heidenheims Trainerlegende, kannte mich noch aus unserer gemeinsamen Mannheimer Zeit und bot mir an, nach Heidenheim zu kommen. Das war ein großer Schritt, da ich zum ersten Mal aus meiner Heimatregion wegziehen musste. Als ich nach Heidenheim wechselte, sahen das Trainingsgelände und das Stadion dort mehr nach Sportplatz als nach Profifußball aus. Doch als ich mitbekommen hatte, wie die Zukunftsplanungen aussahen, hat mich das überzeugt. Ich habe mich in der Stadt und dem Verein sehr wohl gefühlt und bin froh, ein Teil der ganzen Professionalisierung gewesen zu sein.

Beide Vereine sind wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet. Holen sie aktuell mit der Zugehörigkeit zur Zweiten Liga das Beste aus ihren Möglichkeiten heraus?

Ich denke ja. Ich finde, dass beide im Moment und für die nächsten Jahre in der Zweiten Liga gut aufgehoben sind, sich etablieren und entwickeln sollten. Der SV 98 durfte zwar nach langer Zeit mal wieder Erstligaluft schnuppern, was natürlich ein Traum war. Aber beide Vereine wissen auch, wie schnell es wieder schlechter laufen kann.

Was trauen Sie beiden Vereinen in dieser Saison noch zu?

Darmstadt wird auf jeden Fall den Klassenerhalt schaffen. Ich hoffe, dass wir schnellstmöglich mit dem Abstieg für den Rest der Runde nichts mehr zu tun haben. Heidenheim traue ich einen Platz unter den ersten acht Mannschaften zu.

Sie haben eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann abgeschlossen und sind mittlerweile Mitinhaber des "Core Sportclubs" in Darmstadt. Wie kam es dazu?

Im Jahr 2011 sprach mich Ingo Roeder an, ob ich mir vorstellen könnte, mit ihm einen Sportclub zu gründen, der ein anderes Konzept verfolgt als die meisten bisherigen Studios und Fitnessclubs. Ich war gleich begeistert von der Idee, funktionelles Training in der Breite salonfähig zu machen, da ich diese Art des Trainings selbst schon in verschiedenen Rehas kennengelernt hatte. Der Trend kam aus Amerika und wurde durch Jürgen Klinsmann als damaligem Nationaltrainer nach Deutschland importiert. Von daher waren wir in diesem Bereich sehr früh dabei, haben den Club dann im Jahr 2012 eröffnet und sind seit sechs Jahren auf einem guten Weg.

Gleichzeitig leiten Sie mit Ihrem ehemaligen Jugendtrainer und späterem Berater Hans Magnus Risberg die "Fußballschule Arheilgen", stehen regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen auf dem Platz. Möglich, dass wir Sie irgendwann als Trainer im Profigeschäft wiedersehen?

Momentan steht der "Core Sportclub" an erster Stelle. Aber es war schon immer im Hinterkopf, als Trainer weiterzumachen. Falls ich diese Richtung einschlagen sollte, dann vielleicht zuerst in einem Nachwuchsleistungszentrum, da es mir sehr viel Spaß macht, Kinder und Jugendliche auszubilden, sie zu beraten und eigene Erfahrungen weiterzugeben. Momentan bin ich aber noch froh, Abstand zum Profifußball zu haben und die sich dadurch ergebende Freizeit genießen zu können.

Werden Sie das Spiel am Sonntag im Stadion verfolgen, und wie lautet Ihr Tipp?

Ja, ich werde im Stadion sein. Da wir die Punkte dringender benötigen als der 1. FC Heidenheim, bleiben die Punkte in Darmstadt.

Das Interview führte Melanie Kahl-Schmidt.